Alles öko - und der Fisch?

Alle reden über artgerechte Tierhaltung und denken dabei vor allem an Warmblütler wie Rinder, Schweine und Hühner. Viele machen sich Gedanken darüber, ob das von Ihnen gekaufte Obst und Gemüse vielleicht genmanipuliert sein könnte. Aber wie sieht es beim wechselwarmen Fisch aus? Gibt es eigentlich Biofisch, wie wird er gehalten, was wird gefüttert, wo kann ich ihn kaufen und gibt es hierzu schon Richtlinien?
Derzeit keine Standards
Weder in Deutschland noch in der EU gibt es derzeit verbindliche Standards für die ökologische Fischhaltung. Doch es gibt Hoffnung, denn es haben sich bereits Fachgremien gebildet, die an der Entwicklung arbeiten. Daneben haben einige Anbauverbände wie zum Beispiel Naturland und Bioland in Deutschland, Ernte in Österreich oder die Soil Association in Großbritannien schon eigene Richtlinien für die Bio-Fischzucht erarbeitet. Produkte der Anbauverbände tragen Hinweise auf den zertifizierenden Verband und oft auch dessen Logo sowie Angaben zur ökologischen Aufzucht.
Weniger Fett und fest im Biss
Da Antibiotika und Insektizide bei der "Bio-Aufzucht" verboten sind, finden sich in Bio-Fisch weniger Rückstände dieser Substanzen als in konventionellen Zucht-Fischen. Bio-Fische sind zudem weniger fettreich, denn sie halten sich sozusagen fitter als die "Konventionellen". Sie haben nämlich mehr Patz in den Becken und damit mehr Bewegung. Außerdem bekommen sie weniger energiereiches Futter. Ein anderes Beispiel: Bio-Lachs nach Naturland-Richtlinien wird trocken eingesalzen. Das bei maschinell verarbeitetem Lachs sonst übliche Einspritzen von Salzlake ins Fleisch ist nicht erlaubt. Dadurch enthält das Bio-Lachsfilet weniger Wasser und hat einen festeren Biss.
Was beinhalten die derzeitigen Richtlinien?
- Die Erzeuger verpflichten sich zu einer verantwortlichen und nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen.
- Die Fische leben unter natürlichen Fortpflanzungsbedingungen und erhalten keine Hormone zur Stimulierung. Sie werden nach Möglichkeit in Polykulturen (verschiedene Fischarten gemeinsam) gehalten.
- Die Fische haben mehr Platz zum Schwimmen als bei konventioneller Haltung.
- Das Futter muss aus anerkannt ökologischer Erzeugung stammen, genetisch modifizierte Futtermittel und Zusatzstoffe sind nicht erlaubt. Ausnahme: natürliche Pigmente (Farbstoffe), die bei der Lachshaltung für die Rosafärbung des Fleisches verantwortlich sind.
- An Fischmehl werden besondere hohe Anforderungen gestellt.
- Bei einigen Fischarten existieren Obergrenzen für die Fütterung, z.B. muss das natürliche Nahrungsangebot in der Karpfenhaltung mindestens die Hälfte der benötigten Futtermenge ausmachen.
- Der Einsatz von Antibiotika und Insektiziden ist nicht erlaubt.
- Beim Einsatz von Medikamenten müssen die doppelten Wartezeiten eingehalten werden mit dem positiven Ergebnis, dass die Notwendigkeit von vorbeugenden Maßnahmen besonders groß ist. Bei der Behandlung sind Naturheilverfahren vorzuziehen.
- Bei verarbeiteten Fischprodukten stammen die Zutaten (z.B. Öl oder Panade) aus ök ologischem Anbau und sind in der Zutatenliste entsprechend gekennzeichnet.
Wo kann man Bio-Fisch kaufen?
Bio-Fisch kann man im Naturkostladen, im Fisch-Fachhandel und im Supermarkt kaufen. Häufiger wird er weiterverarbeitet angeboten, z.B. sind Lachs und Forellen aus Bio-Zucht gebeizt (mariniert) oder geräuchert. Tiefgekühlt sind Shrimps, Muscheln und Lachs zu bekommen. Fischprodukte aus Wildfang gibt es als Konserven (Sardinen, Hering, Tunfisch) und Tiefkühlware wie Schlemmerfilet oder Fischstäbchen. Quelle: aid
