Über Bio-Siegel und Öko-Lebensmittel
Wo Bio draufsteht ist auch Bio drin - das zumindest verspricht das staatliche Bio-Gütesiegel. Was bedeuten dieses und die vielen anderen Siegel? Wass unterscheidet naturnahe von ökologisch erzeugten Lebensmitteln? Und was sind integrierte und kontrollierte Erzeugnisse? Bleibt dem Verbraucher letztlich nur der Glaube an das Gute im Siegel?
Viele Supermarktketten verkaufen heute Bio-Eier, Bio-Brot, Bio-Milchprodukte und Nudeln oder werben mit Bio-Obst. Doch viele Verbraucher sind ratlos. Informationen und fachliche Beratung durch das Personal fehlen. Nach Schätzungen geht man heute von über 120 verschiedenen Öko-Kennzeichnungen aus. Für den Verbraucher lässt sich unter den mit Aufklebern und Siegeln geschmückten Produkten die sprichwörtliche Spreu vom Weizen kaum noch trennen. Bleibt nur der Glaube an das Gute im Siegel und die Hoffnung, dass auch wirklich "Öko" drin steckt, wenn "Öko", "Bio" oder "Natur" draufsteht.
Was bedeutet das staatliche Bio-Gütesiegel?
Machen wir einen Zeitsprung ins Jahr 2000: In Schleswig-Holstein wird offiziell das erste BSE-kranke Rind entdeckt, das in Deutschland geboren wurde. BSE-freies Deutschland - nur noch ein Mythos. Hochgiftiges PCB im Tierfutter, Schweinepest, Reste von Lösungsmitteln wie Benzol, Styrol, Toluol und Xylol im Schweinefleisch - die Liste der Lebensmittelskandale in Deutschland und Europa liest sich wie eine Seite aus dem Chemie-Lehrbuch und wird seit Jahren länger und länger. Die BSE-Krise bescherte den Deutschen die (grüne) Landwirtschaftsministerin Renate Künast, und die führte Anfang 2001 das staatliche Bio-Siegel ein. Mittlerweile gibt es auch ein EU-Bio-Logo, das zusammen mit dem staatlichen Bio-Siegel verwendet kann. Über 8.000 Produkte tragen inzwischen das staatliche Bio-Siegel. Seine Botschaft: Hier ist ein Produkt des ökologischen Landbaus, es erfüllt die Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung.
Vorgaben des Biosiegels:
- Es darf keine Bestrahlung der Öko-Lebensmittel vorgenommen werden.
- Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht verwendet werden
- Weder chemische Pflanzenschutzmittel noch künstliche (mineralische) Dünger dürfen eingesetzt werden.
- Die Tiere dürfen nicht mit Antibiotika oder leistungsfördernden Medikamenten behandelt werden und müssen artgerecht gehalten werden.
- Nur wenn mindestens 95 Prozent der Zutaten aus ökologischem Anbau stammen, dürfen sie das Bio-Siegel bekommen.
Das Bio-Siegel ist ein nationales Zeichen, das nur in Deutschland gilt. Lebensmitteln, die aus anderen EU-Staaten oder aus Drittländern stammen, werden dagegen mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet. Dort müssen die gleichen Anforderungen an Produktion und Verarbeitung erfüllt werden, was auch kontrolliert wird. Binnen zehn Jahren sollen 20 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse nach ökologischen Kriterien hergestellt werden. Das Motto: "Klasse statt Masse". Ob das Ziel erreicht wird, entscheiden die Verbraucher.
Kann man dem Bio-Siegel trauen?
"Bio" ist also inzwischen ein streng geschütztes Zeichen, das z.B. nicht mehr jeder Großbäcker beliebig auf sein Vollkornbrot kleben darf. Die strengen Vergabekriterien und eine einheitliche Kennzeichnung sind ein wichtiger Schritt für die Verbraucher. Das Bio-Siegel garantiert, "EG-Öko-Verordnung erfüllt" - nicht mehr und nicht weniger. Mit der einheitlichen Bio-Kennzeichnung wird eine alte Forderung der Verbraucherverbände endlich erfüllt.
Weitere Bio-Siegel
"Richtige" Bio-Kost gab es auch schon vor dem staatlichen Siegel. Die meisten Verbraucher kennen Markennamen wie Bioland, Naturland oder Demeter schon seit vielen Jahren. Über 90 Prozent der Biohöfe sind in einem der ökologischen Anbauverbände organisiert. Einige dieser Anbauverbände sind oder waren unter dem Dach der 1988 gegründeten "Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau" (AGÖL e.V.) zusammengeschlossen. Schon damals galten strenge Richtlinien, wann welches Produkt ein bestimmtes Bio-Siegel bekommen durfte. Die Verbände lassen ihre Mitgliedsbetriebe von unabhängigen Kontrollstellen regelmäßig überprüfen und deren Produkte aus "kontrolliert biologischem Anbau" mit einer entsprechenden EU-Kontrollnummer auszeichnen. Nur wer die Richtlinien einhält, darf seine Produkte mit den entsprechenden Markenzeichen der Verbände und der EU-Kontrollnummer kennzeichnen.
Deutsche Anbauverbände: In Deutschland existieren zehn Anbauverbände des anerkannt ökologischen Landbaus. Die Richtlinien dieser Verbände gehen in einigen Punkten über die gesetzlichen Regelungen der EG-Öko-Verordnung hinaus. Hier wird freiwillig mehr gemacht, als der Gesetzgeber vorschreibt.
Biokreis e.V.: 1979 als "Biokreis Ostbayern" von Bauern und Verbrauchern gegründet. Der Biokreis e.V. will die Zusammenarbeit von Erzeugern, Verbrauchern und Verarbeitern in einer überschaubaren Region nach ökologischen Grundsätzen fördern und eine bäuerliche Landwirtschaft auf der Basis des ökologischen Landbaus erhalten. Sitz: Passau, mittlerweile bundesweit vertreten.
Bioland - Verband für organisch-biologischen Landbau e.V.: 1971 in Baden-Württemberg als "Fördergemeinschaft organisch-biologischer Land- und Gartenbau" gegründet. Bioland ist der nach Fläche und Mitgliederzahl größte ökologische Anbauverband in Deutschland. Sitz des Bundesverbandes: Mainz.
Biopark e.V.: 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Der Schwerpunkt der Mitgliedsbetriebe liegt bei der Fleischerzeugung. Zum Verband gehören mittlerweile Betriebe in 14 Bundesländern, Sitz: Karow.
Demeter-Bund e.V.: Einziger Anbauverband der biolog isch-dynamischen Landwirtschaft. Der weltweit tätige Verband ist vielfältig gegliedert. In Deutschland ist Demeter in allen Bundesländern vertreten.
Ecovin e.V.: Vormals "Bundesverband Ökologischer Weinbau (BÖW) e.V." Wurde 1985 als Dachverband aller ökologisch wirtschaftenden Winzer gegründet. Hauptsitz ist Oppenheim. Mit seinen Regionalverbänden auch Organisation all der Winzer, die keinem anderen ökologischen Anbauverband angeschlossen sind.
Gäa - Vereinigung Ökologischer Landbau e.V.: Hat ihre Wurzeln in der kirchlichen Umweltbewegung der ehemaligen DDR. Der nach der griechischen Göttin der Erde benannte Verband wurde 1989 in Goppeln bei Dresden gegründet. Widmet sich der Umstellung von Agrarbetrieben in den neuen Bundesländern. Hauptsitz: Dresden mit Landesgeschäftsstellen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Naturland - Verband für naturgemäßen Landbau e.V.: 1982 von Praktikern und Wissenschaftlern gegründet. Weltweit gehört der Verband zu den großen Zertifizierungsorganisationen für Öko-Produkte. Seine Aufgaben sieht Naturland im Schutz der Umwelt und in der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen durch eine naturgemäße Wirtschaftsweise in allen Bereichen des Landbaus. Hauptsitz: in Gräfelfing bei München.
Ökosiegel e.V.: Der Verein Ökologischer Landbau mit dem Warenzeichen "Ökosiegel" wurde 1988 gegründet. Seine Mitgliedsbetriebe liegen schwerpunktmäßig im östlichen Niedersachsen.
Verbund Ökohöfe e.V./Verbund Ökohöfe Nordost e.V.: Der Verbund Ökohöfe Nordost e.V. ist 2009 aus der Gäa-Vereinigung ökologischer Landbau entstanden. Seit 2006 kooperiert er mit dem Verbund Ökohöfe e.V. Dieser Verbund hat seinen Sitz in Wanzleben-Börde bei Magdeburg und engagiert sich vor allem in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.
Worauf man beim Einkauf achten sollte
Solange Sie das Bio-Siegel nicht auf Lebensmitteln finden, haben folgende Empfehlungen nach wie vor Gültigkeit: Achten Sie auf die Verbandszeichen der Öko-Anbauverbände und auf Öko-Handelsmarken des Lebensmitteleinzelhandels. Wenn Sie unsicher sind, suchen Sie nach der Codenummer der Kontrollstelle, die entweder alleine oder zusammen mit dem Namen der Kontrollstelle angegeben sein muss (z.B. DE-099-Öko-Kontrollstelle).
