Die Glyx-Diät - Modeerscheinung oder sinnvoller Weg zu weniger Gewicht?

Übergewicht und seine Folgen zählen zu den wichtigsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. Bald jeder 3. Deutsche ist zu dick, schon unsere Kinder gelten als „moppelige“ Bewegungsmuffel und kämpfen gegen die Begleiterscheinungen der Fettpolster wie Bluthochdruck, Herzverfettung und “Alterszucker”. Immer neue Diät-Programme versprechen schnelles, langfristig erfolgreiches Abnehmen bei ungehemmtem Essvergnügen. Eine der aktuellen Erscheinungen nennt sich die “Glyx-Diät”. Ein putziger Name, hinter dem sich die Abkürzung für “glykämischer Index” (GI) versteckt.

Was ist der GI?

Der GI beschreibt, wie schnell ein Nahrungsmittel, das aus Kohlenhydraten besteht, im menschlichen Körper verdaut und als Zucker ins Blut abgegeben wird. Ein hoher GI bedeutet, dass der Blutzuckerspiegel schnell ansteigt. Dies ist zum Beispiel bei Traubenzucker (Glukose) der Fall. Aus diesem Grund wurde der Glukose der GI-Wert 100 zugeordnet. Auch Kartoffelbrei, polierter Reis und Limonade lassen den Blutzucker rasch ansteigen und haben darum einen hohen GI.

Ein niedriger GI bedeutet, dass das Nahrungsmittel langsamer verdaut wird und der Blutzuckerspiegel langsam ansteigt. Vollkornprodukte, Äpfel und Hülsenfrüchte gehören zu diesen im Rahmen der Glyx-Diät empfohlenen Nahrungsmitteln.

 

Die Rolle des Insulins

Die Verfechter der Glyx-Diät-Theorie geben einem Hormon die Schuld an überflüssigen Pfunden: dem Insulin, einem Hormon der Bauchspeicheldrüse. Wenn der Blutzuckerspiegel steigt, schüttet der Körper Insulin aus, um den Zucker möglichst rasch in die Zellen zu transportieren, wo er als Treibstoff verbrannt wird oder als Energiereserve dient.

Insulin sorgt auch dafür, dass solange der Blutzuckerspiegel ausreichend hoch ist, keine Speicherfettreserven angegriffen werden. Dies ist angeblich der Grund, warum sich Nahrungsmittel mit einem hohen GI so sehr auf den Hüften und dem Bauch niederschlagen. Beweisen konnte diesen Zusammenhang bislang aber noch niemand.

 

Die Menge macht´s!

Doch es ist nicht das Insulin, das uns dick macht. Es ist vielmehr die Energiebilanz zwischen Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch: Wird der Blutzucker, der aus der Nahrung kommt, nicht verbraucht, wird er als Speicher abgelegt. Und das, egal ob er nun langsam oder schnell ins Blut gekommen ist. Angeblich sollen Nahrungsmittel mit niedrigem GI länger satt machen. Doch auch dies ist nicht nachgewiesen. Einige Forscher glauben vielmehr, dass es der höhere Eiweißanteil in der Glyx-Diät ist, der den Hunger in die Schranken weist.

 

Für wen ist der GI wirklich wichtig?

Ursprünglich wurde die Einteilung der Kohlenhydrate in Gruppen mit unterschiedlich hohem GI für die Ernährung von Diabetikern eingeführt, deren Blutzuckerspiegel nicht mehr von der Bauchspeicheldrüse reguliert werden kann. Für sie ist es wichtig zu wissen, wie schnell im Anschluss an eine Mahlzeit der Blutzucker ansteigen wird, damit sie sich entsprechend schnell Insulin per Spritze zuführen können. Für Gesunde, so Kritiker der Glyx-Diät, ist der GI nicht wichtig.

 

Warum ist die Glyx-Diät dennoch erfolgreich?

Wer sich den Speiseplan der Glyx-Diät einmal genau anschaut, wird darauf viele Bestandteile einer vollwertiger, vielseitiger Ernährung finden: Vollkornprodukte, frisches Obst, eiweißreiche Hülsenfrüchte. Auch ohne den glykämischen Index ist es klar, dass diese Nahrungsmittel vorteilhafter sind als Kartoffelchips und zuckrige Limonaden. Einige Ernährungswissenschaftler warnen sogar davor, aus Angst vor einem ungünstigen GI wichtige Nahrungsmittel wie Reis oder Möhren ganz vom Speiseplan zu streichen. Sie enthalten wichtige Mineralien, Vitamine und Spurenelemente.

 

Trügerische Rechenfehler

Wie trügerisch der glykämische Index in manchen Fällen sein kann, zeigt zum Schluss der folgende Vergleich: Folgt man streng den GI-Richtlinien, sollen 100 Gramm Schokolade weniger dick machen als dieselbe Menge Kartoffelbrei, da Schokolade dank ihres Fettgehalts den besseren GI hat.