Krebsvorsorge durch richtige Ernährung

Die Ernährung ist in der Entstehung von etwa einem Drittel der Krebsfälle mitbeteiligt. Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs sind allerdings zur Zeit noch in vielerlei Hinsicht lückenhaft. Personen, die sich nach den folgenden Empfehlungen richten, leben aber gesünder und haben möglicherweise ein geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken: Pflanzliche Lebensmittel (Früchte, Gemüse/Salate, Getreideprodukte etc.) bevorzugen, Übergewicht vermeiden, Konsum von (tierischen) Fetten, "rotem" Fleisch und von Kochsalz einschränken, alkoholische Getränke meiden, nicht rauchen und körperlich aktiv sein.

Die Krebsentstehung wird wesentlich durch Umweltfaktoren beeinflusst und ist damit der Prävention zugänglich. Ernährung ist für etwa 35% der Krebsfälle (mit-)verantwortlich. Krebs entsteht über mehrere Phasen, eine Entwicklung die Jahrzehnte dauern kann. Umweltfaktoren, die das Krebsgeschehen auf allen Stufen beeinflussen können, steht damit genügend Zeit zur Verfügung um diese Entwicklung zu beeinflussen.

Epidemiologische Methoden

Die Bedeutung karzinogener und antikarzinogener Stoffe für den Menschen werden in Fall-Kontroll-, Kohorten- und Interventionsstudien überprüft. Diese sind in ihrer Aussagekraft eingeschränkt, so dass Schlüsse zur Kausalität eines beobachteten Zusammenhanges aus der Gesamtheit der Studien unter Berücksichtigung einer Reihe von Kriterien gezogen werden müssen. Die Kausalität ist damit häufig nicht "bewiesen", sondern von unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit.

Beispiele:

   
Fleischkonsum/Magenkrebs möglicher direkter Zusammenhang
Fleischkonsum/Darmkrebs (Kolon/Rektum) wahrscheinlicher direkter Zusammenhang
Alkoholkonsum/Krebs im oberen Atmungstrakt oder im oberen Verdauungstrakt überzeugender direkter Zusammenhang
hoher Früchte- und Gemüsekonsum/Krebs im Atmungstrakt oder imVerdauungstrakt überzeugender indirekter Zusammenhang (geringer Früchtekonsum =erhöhtes Krebsrisiko)

 

Bedeutung der Ernährung für die häufigsten Krebslokalisationen

Brustkrebs ist der häufigste Krebs der Schweizer Frau. In der Brustkrebsenstehung scheint die lebenslange Östrogenexposition eine Rolle spielen. Hoher Alkoholkonsum, Übergewicht und Gewichtszunahme (für Brustkrebs der Postmenopause) sind wahrscheinliche ernährungsbedingte Risikofaktoren. Für (tierisches) Fett/Fleisch sowie Früchte und Gemüse (invers) sind die Zusammenhänge schwächer.

Prostatakrebs steht an der Spitze der Krebsneuerkrankungen des Schweizer Mannes. Hormonelles Ungleichgewicht scheint auch beim Prostatakrebs eine Rolle zu spielen. Von den untersuchten Ernährungsfaktoren erreicht keiner eine überzeugende Beweislage. Eine fett- und fleischreiche Ernährung erhöht, Gemüse senkt möglicherweise das Prostatakrebsrisiko. Selen und Vitamin E haben sich in Interventionsstudien als protektiv erwiesen.

In der Schweiz steht Lungenkrebs beim Mann an der Spitze der Krebsmortalität, bei der Frau nach Brust- und Darmkrebs an dritter Stelle. In den letzten Jahren nimmt die Lungenkrebsinzidenz bei den Schweizer Männern ab, bei den Frauen zu. In Amerika sterben bereits mehr Frauen an Lungen- als an Brustkrebs. Lungenkrebs ist v.a. Folge des Zigarettenrauchens. Hoher Gemüse- und Früchtekonsum reduziert den Lungenkrebs, aber es bleibt unklar, welche Inhaltsstoffe für die protektive Wirkung verantwortlich sein könnten. Interventionsstudien sprechen eher gegen einen protektiven Effekt von b-Karotin, und lassen in Hochrisikogruppen sogar einen krebsfördernden Effekt vermuten.

Die Beweislage ist überzeugend, dass hoher Gemüsekonsum und körperliche Aktivität das Risiko des kolorektalen Krebs verringert. Für das Rektumkarzinom zeigen sich vor allem Zusammenhänge mit Gemüsen der Kreuzblütlerfamilie (z.B. Broccoli, Blumenkohl). Alkohol und rotes Fleisch erhöhen wahrscheinlich das Risiko dieses Krebses.

Ernährungsempfehlungen zur Krebsprävention

Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs sind damit zur Zeit in vielerlei Hinsicht noch lückenhaft. Trotzdem können bereits heute verwertbare Ernährungsempfehlungen abgegeben werden. Personen, die sich nach folgenden Empfehlungen richten, leben gesünder und haben möglicherweise ein geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken.

  • Pflanzliche Lebensmittel bevorzugen
  • Übergewicht, Untergewicht und Gewichtszunahme vermeiden
  • Täglich 400-800 g verschiedene Früchte und Gemüse/Salate und 600-800 g unterschiedliche, minimal verarbeitete Getreideprodukte, Hülsenfrüchte,Kartoffeln, Reis etc. verzehren
  • Konsum von (tierischen) Fetten einschränken
  • Konsum von "rotem", gepökeltem, geräuchertem, stark gegrilltem Fleisch einschränken
  • Konsum von Kochsalz reduzieren
  • Alkoholische Getränke meiden
  • Nicht rauchen
  • Körperliche Aktivität steigern

Die Bedeutung der Ernährung in der Krebstherapie

Eine Diät zur Krebsheilung gibt es nicht. Zwar werden zahlreiche, auf den verschiedensten Theorien beruhende, alternative Diäten zur Heilung angepriesen; angebliche Erfolge konnten aber nicht genügend belegt werden. "Wunderdiäten" können den, bei vielen Tumorpatienten bereits beeinträchtigten, Ernährungszustand noch weiter verschlechtern. Bei rund der Hälfte aller Krebspatienten sind nämlich Störungen in der Nahrungsaufnahme, der Nahrungsverwertung oder im Stoffwechsel festzustellen. Diese Ernährungsprobleme können einerseits direkt durch den Krebs bedingt sein. Andererseits können sie systemische Auswirkungen des Tumors darstellen (Kachexie, Anorexie) oder Folge der operativen, strahlentherapeutischen und medikamentösen Tumortherapie bzw. der psychischen Belastung sein. Ernährungstherapeutische Massnahmen können zwar die Lebenserwartung nur begrenzt beeinflussen; trotzdem sollen sie lebensbedrohlicher Unterernährung vorbeugen, häufiger aber noch, das subjektive Wohlbefinden des Patienten verbessern.

Quelle: Eichholzer M. Ernährung und Krebs. Ther Umsch 2000; 57:146-151. Ein Separatdruck des Originalartikels kann unter folgender Adresse bezogen werden: BAG, Fachstelle Ernährung, 3003 Bern.