Schlanksein um jeden Preis

Betrachtet man die mageren Models, die über den Catwalk stolzieren, erscheinen die eigenen Körpermaße überdimensioniert und üppig. So empfindet die Mehrzahl der Frauen. Besonders anfällig für den Schlankheitswahn sind junge Mädchen. Viele haben schon in jungen Jahren eine umfangreiche Diätkarriere hinter sich.

Hungern bis zum Umfallen

Im letzten Herbst hat der Tod eines jungen brasilianischen Models weltweit zu Schlagzeilen geführt. Im Alter von 21 Jahren ist Ana Carolina Reston Macan an extremer Unterernährung gestorben. Bei einer Körpergröße von 1,74 m wog das Model gerade mal 40 kg. Dies entspricht einem Body-Mass-Index (BMI) von 13. Nahezu 20 kg trennten Ana Carolina von ihrem wünschenswerten Gewicht. Gemäß der Definition der WHO (Weltgesundheitsbehörde) wird ein BMI unter 18,5 als eine Mangelernährung definiert. In Modelkreisen ist ein BMI unter 18 jedoch eher die Regel als die Ausnahme.

Von der Modewelt geblendet

Superschlanke Models und daran angepasste Schaufensterpuppen wecken in uns den Traum der Konfektionsgröße 34-36. Auch am Kleiderhaken wirkt der Mantel in Kleidergröße 42 geradezu unförmig im Vergleich zu dem bisschen Stoff der 36er Größe. Betrachtet man die Realität fernab der Laufstege, so scheint die Mode ihre Zielgruppe bei weitem zu verfehlen. Laut Aussage des statistischen Bundesamtes liegt der durchschnittliche BMI für deutsche Frauen bei einem Wert von 24,8. Das Mäntelchen in Konfektionsgröße 36 ist da eher fehl am Platz. So weit die Tatsachen, doch beim Thema Schlankheit fehlt uns scheinbar der notwendige Realitätssinn. Der Schlankheitswahn ist ungebrochen und weckt bei vielen den Wunsch nach einem Gewicht, das weder erreichbar noch förderlich für die Gesundheit ist.

Was heißt schon schlank?

Die Vorstellung davon, welches Gewicht das ideale ist, scheint stark zu variieren. Definieren die Fachgesellschaften für Frauen einen Body-Mass-Index (BMI) von 19 bis 24 als Normalgewicht, so betrachten Anhänger des Schlankheitskultes diesen als deutliches Übergewicht. Nur so ist zu erklären, dass sich 50% aller Mädchen unter 15 Jahren für zu dick halten, obwohl sie normal- oder untergewichtig sind. Laut Umfragen finden rund Dreiviertel der Frauen ein Gewicht unterhalb des Normalgewichts am attraktivsten. Doch für viele ist die Zielmarke damit extrem hoch angesetzt und in weiter Ferne.

Schlank, schön und erfolgreich

In unserer Gesellschaft wird Schlanksein mit Leistung, Gesundheit und Erfolg gleichgesetzt. Dicke hingegen gelten als willenlos und unbeherrscht. Dies bekommen sie von ihren Mitmenschen auch häufig zu spüren. Besonders übergewichtige Jugendliche haben oft unter Hohn und Spott zu leiden. Unter diesem Leidensdruck fallen die weit verbreiteten Diätangebote mit ihren Versprechungen auf fruchtbaren Boden. Wer "Diät hält" wird von seiner Umwelt gelobt und bestärkt. Da ist es naheliegend auf der Schlankheitswelle mitzuschwimmen, wo auch immer sie hinführen mag.

Wenn Hungern zum Lifestyle wird

Mit Vorbildern wie Victoria Beckham, Lindsay Lohan und Nicole Richie hat sich eine Bewegung aus den USA in Deutschland verbreitet, die besonders junge Mädchen anspricht. "Pro-Anas" nennen sich die Anhängerinnen der Anorexia nervosa (Magersucht), die sich überwiegend in Internet-Foren austauschen und dort Gebote wie "Du sollst nichts essen, ohne Dich schuldig zu fühlen!" verbreiten. Es werden Tipps für Diäten, kalorienarme Gerichte oder Abführ- und Entwässerungsmittel ausgetauscht. Ganze Seiten werden mit guten Ratschlägen gefüllt, wie man den eigenen Körper und die Umwelt austrickst. Für die Anhängerinnen dieser Bewegung wird Hungern zum Lebensinhalt.

 
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