Schlanksein um jeden Preis - Essstörungen sind vorprogrammiert

Es fehlt an allem

Obst, Salat und viel Wasser machen die tägliche Kost der Schlankheitsfanatiker aus. Nicht selten muss der Körper mit nur 1000 kcal auskommen. Dabei haben gerade Jugendliche im Wachstum einen sehr hohen Energiebedarf. Im Alter von 15 – 19 Jahren benötigen Mädchen ca. 2500 kcal und Jungen rund 3100 kcal. Es fehlt aber nicht nur an Energie, auch wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe werden nicht ausreichend aufgenommen. Langfristige Hungerkuren gehen nicht spurlos am Körper vorüber. Die Muskeln schwinden, die Knochendichte lässt nach, es kann zu Blutarmut, Haarausfall und Hautveränderungen kommen.

Die Zügel anziehen

Auf dem Weg zum Wunschgewicht wird bei vielen Jugendlichen ein gezügeltes Essverhalten zum Verbündeten. Durch ausgefeilte Kontrollstrategien wird die physiologische Steuerung von Hunger und Appetit umgangen. Es werden Kalorien gezählt, kalorienreiche Lebensmittel konsequent vom Speiseplan gestrichen, sogar ganze Mahlzeiten ausgelassen, um das angestrebte Gewicht zu erreichen. Der gezügelte Esser lebt ständig in der Angst, zu dick zu sein oder weiter zuzunehmen. Die Gedanken kreisen dementsprechend ständig um den Kaloriengehalt der Lebensmittel. Regelmäßige strenge Diäten sind an der Tagesordnung. Zu den gezügelten Essern zählen nicht, wie viele annehmen mögen, ausschließlich schlanke Personen. Man findet sie in allen Gewichtsklassen.

Wenn die Kontrolle verloren geht

Das Problem vieler gezügelter Esser ist, das Essverhalten über einen langen Zeitraum hinweg zu kontrollieren. Die selbst auferlegte Beschränkung kann oftmals nicht dauerhaft durchgehalten werden. Der Köper reagiert auf das gezügelte Essverhalten mit einem Heißhungergefühl, dass zu unkontrolliertem Essen führt. Mitunter ist dies ein Selbstschutz des Organismus als Reaktion auf eine Mangelerscheinung, die aus der Nährstoffverknappung resultiert. Auch in Stresssituationen kommt es häufig zum Kontrollverlust, der mit Heißhungeranfällen und Süßhunger einhergeht. Selbst äußere Reize wie Essensdüfte oder der Anblick einer festlichen Essenstafel können dazu führen, dass die rigiden Verbote in das Gegenteil umschlagen und große Mengen auf einmal verspeist werden. Mitunter kommt es zu wahren Fressattacken, die in der Folge meist von Reue und einem schlechten Gewissen begleitet werden. Die Betroffenen befinden sich in einem Teufelskreis, in dem jeweils strenge Selbstkontrolle und hemmungslose Essanfälle aufeinander folgen und manche Betroffene in einen immer tieferen Strudel ziehen.

Essstörungen sind vorprogrammiert

Wird solche gezügelte Nahrungsaufnahme über längere Zeit praktiziert, kann es zu ernsthaften Störungen des Essverhaltens kommen. Je stärker die Selbstkontrolle ausgeprägt ist, desto größere Schwierigkeiten haben die Betroffenen die Zügel straff zu halten. Vermehrte Heißhungeranfälle und Süßhungerattacken machen ihnen einen Strich durch die knappe Kalorienkalkulation. Diskutiert wird auch, ob ein ausgeprägtes Kontrollverhalten, wie es bei den gezügelten Essern beobachtet wird, mit der späteren Entwicklung von Essstörungen wie Bulimie, Anorexie und Binge Eating Disorder in Verbindung steht. Sollten Sie den begründeten Verdacht haben, dass ein gestörtes Essverhalten krankhafte Züge im Sinne der genannten Erkrankungen annimmt, ist eine ärztliche Behandlung in Spezialzentren dringend indiziert.

 
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