Übergewicht - jedes fünfte Kind in Deutschland ist zu dick!

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist ein Problem, das immer mehr um sich greift: Inzwischen sind etwa 20 Prozent der Kinder in der Bundesrepublik heute übergewichtig. Die Tendenz ist steigend - Fachleute sprechen bereits von einer Epidemie. Seit den 80er Jahren hat sich der Lebensstil in Deutschland mehr und mehr verändert. Kinder verbringen immer mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer und bewegen sich zu wenig. So genannte Kinderlebensmittel enthalten oft zu viel Fett und zu viel Zucker. Kinder, die sich richtig ernähren, haben eindeutig Vorteile im Kindergarten und in der Schule. Sie haben größere Leistungsreserven, müssen nicht mit den Belastungen durch Übergewicht kämpfen und schaffen sich eine gute Grundlage für Gesundheit und Wohlergehen in späteren Jahren.

Es ist eigentlich ganz logisch: Wer durch reichliche Mahlzeiten mehr Energie aufnimmt, als sein Stoffwechsel verbrennt, setzt Fettpolster an. Neuere Studien belegen, dass 10-20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig sind. Bei 7 – 8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen liegt bereits eine Adipositas vor, d.h. sie sind stark übergewichtig. Das Problem ist, dass 85 Prozent der dicken Kinder auch als Erwachsene mit Übergewicht zu kämpfen haben. Doch Pfunde sind kein Schicksal - neben den Genen beeinflusst vor allem die Erziehung das Gewicht.

"Die junge Generation wird die erste sein, die vor ihren Eltern stirbt"

Schulkinder sehen immerhin etwa zwei Stunden täglich fern und anstatt Sport zu treiben, konsumieren viele noch Kalorienbomben. Eltern und Schulen vermitteln den Kindern darüber hinaus oft zu wenig Wissen über gesundes Essen. Hält dieser Trend an, wird in 40 Jahren jeder zweite Erwachsene unter Fettleibigkeit leiden. Dann würden in Westeuropa bereits heute etwa 200 000 Menschen sterben. Übergewicht ist also keinesfalls nur ein rein ästhetisches Problem. Langfristig drohen vielfältige Folgen bei Übergewicht:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Ganz besonders kritisch ist die rapide Zunahme des Diabetes vom Typ-2 schon bei Jugendlichen.
  • Immer mehr Kinder haben auch aufgrund von Übergewicht beim Schuleintritt bereits motorische Defizite und Koordinationsstörungen.
  • Zudem droht schwerer seelischer Schaden: Studien besagen, dass fettleibige Kinder unter demselben Psychostress stehen wie krebskranke Kinder während ihrer Behandlungsphase.
  • Der Haltungs- und Bewegungsapparat wird überstrapaziert – so können schon früh Schäden an Gelenken auftreten.
  • Soziale Probleme - zum Beispiel bei Berufs- und Partnerwahl.

Deshalb gilt: rechtzeitig Eingreifen, um die Spirale des Gewichtes nicht weiter nach oben, sondern nach unten zu bewegen.

"Neue Ernährungsbewegung für Deutschland"

Verbraucherministerin Renate Künast will mehrere Millionen Euro für eine neue Ernährungsbewegung bereitstellen. Kinder sollen nach dem Willen der Ministerin lernen, was gesunde Ernährung ist und was richtige Ernährungsgewohnheiten bewirken. Hierzu gibt es bereits jetzt Präventionsprogramme:

  • Die Kampagne " KINDER LEICHT - BESSER ESSEN. MEHR BEWEGEN" für Ernährungsaufklärung und mehr Bewegung.
  • Den Beratungsservice " Fit-Kid- Die Gesund-Essen-Aktion in Kitas" für bessere Ernährungsangebote.

Betroffene brauchen professionelle Hilfe und Informationen

Eltern übergewichtiger Kinder müssen rechtzeitig begreifen, das Übergewicht ein gesundheitliches Risiko darstellt, das nur mit einer umfassenden Therapie in den Griff zu bekommen ist. Gefragt sind also die Eltern. Doch viele sind damit schlicht und ergreifend überfordert.

Langfristigen Erfolg verspricht nur ein Konzept, das neben umfangreichem Wissen über die Ernährung auch eine Sport- und Bewegungstherapie sowie eine Verhaltenstherapie beinhaltet. Die fettarme Ernährung und die Steigerung der körperlichen Aktivität sind wichtige Säulen bei der Behandlung des Übergewichtes. In der Verhaltenstherapie lernen die Kinder ein Problembewusstsein zu schaffen, ihre Motivation zu steigern, die neu erlernten Verhaltensweisen zu festigen. Darüber hinaus wird die Selbstkontrolle geschult und Strategien gegen einen Rückfall erarbeitet.

Bei der ärztlichen Betreuung sollten wie beim Erwachsenen auch bei dicken Kindern Blutdruck, Fett-, Insulin- und Glukosespiegel gemessen werden.