Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Zehn Fragen und Antworten

1. Welche Faktoren spielen bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle?
Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Diabetes, Übergewicht und Adipositas. Da die Menschen in der westlichen Welt immer dicker werden, gewinnen Übergewicht und Adipositas im Hinblick auf das Herz-Kreislauf-Risiko immer mehr an Bedeutung. Dabei kommt es aber vor allem darauf an, wo das Fett sitzt. Bei Übergewicht und Adipositas lässt beispielsweise ein mächtiger Bauchumfang (man spricht von abdominaler Adipositas) eindeutige Rückschlüsse darauf zu, dass es an den inneren Organen größere Fettablagerungen gibt. Dieses so genannte vermehrte Innere Bauchfett ist besonders gefährlich und hat, neben dem deutlich sichtbaren Zeichen eines erhöhten Bauchumfangs, langfristig erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie Bluthochdruck - die so genannten 4 B - zur Folge.
2. Warum hat gerade der Bauchumfang eine besondere Bedeutung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Ein erhöhter Bauchumfang bedeutet übermäßiges Inneres Bauchfett. Doch der erhöhte Bauchumfang ist nur ein erster Indikator, denn der Bauch kommt selten allein! Das Innere Bauchfett unterliegt anderen Stoffwechselgesetzen als das Fett an Gesäß, Hüften und Oberschenkeln. Es produziert Substanzen, die verstärkt zu Störungen des Fettstoffwechsels, des Blutzuckers und des Blutdrucks führen. Deshalb steigt bei übermäßigem Inneren Bauchfett das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
3. Wie kann man Inneres Bauchfett messen?
Nur mit sehr aufwendigen und teuren Methoden, beispielsweise durch eine Computertomographie, kann man Inneres Bauchfett genau bestimmen. Die wichtigste Aussagekraft hat deshalb eine ebenso einfache wie günstige Maßnahme – die Messung des Bauchumfangs. Im Stehen und mit unbekleidetem Oberkörper legen Sie ein Maßband in der Mitte zwischen unterem Rippenbogen und oberem Beckenrand an, führen es in gerader Linie um den Bauch herum und lesen den Bauchumfang in leicht ausgeatmetem Zustand ab.
4. Ab welchem Bauchumfang wird es gefährlich?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Richtwert definiert: Ab 88 cm Bauchumfang bei Frauen und 102 cm bei Männern entsteht ein direkter Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen, wird die Atherosklerose gefördert – und damit die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfiehlt, bereits ab einem Body-Mass-Index (BMI) über 25 regelmäßig auch den Bauchumfang zu messen. Hier gewinnt die Prävention an Gewicht, denn je eher Maßnahmen ergriffen werden, Adipositas und die Folgen verhindern, umso besser.
5. Welche Rolle spielen veränderte Blutfette für die Gesundheit?
Das Innere Bauchfett produziert große Mengen freier Fettsäuren, die den gesamten Fettstoffwechsel stören: einerseits sinkt der HDL-Cholesterin-Spiegel ("gutes" Cholesterin), auf der anderen Seite können LDL-Cholesterin ("schlechtes" Cholesterin) und Triglyzeride über die Normwerte ansteigen. Zu viel LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßen absetzen, HDL-Cholesterin wiederum transportiert das Cholesterin aus den Gefäßen ab. Wenn zu viel LDL-Cholesterin nicht durch mehr HDL-Cholesterin ausgeglichen wird, kann es zu Atherosklerose kommen. Triglyzeride sind in hohen Konzentrationen schädlich, weil sie ebenso wie LDL-Cholesterin die Entstehung von Atherosklerose begünstigen. Stimmt das Verhältnis von LDL- und HDL-Cholesterin nicht und sind die Triglyzeridwerte zu hoch, steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
| Blutfett | Richtwerte für ein erhöhtes Risiko |
| HDL-Cholesterin | Frauen unter 50 mg/dl, Männer unter 40 mg/dl |
| Triglyzeridwerte | ab 150 mg/dl |
| LDL-Cholesterin | ab 150 mg/dl |
Autor/Quelle: Initiative "Bauchumfang ist Herzenssache"

