Jodversorgung bedarf noch vieler Anstrengungen

Deutschland ist nach wie vor ein Jodmangelgebiet, auch wenn sich die Jodversorgung in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Schilddrüsenkrankheiten als Folge des Jodmangels in unserer Nahrung sind somit immer noch ein gesundheitliches Problem ersten Ranges. Sie bringen Millionen Menschen schweres körperliches Leid und belasten zudem das Gesundheitswesen jährlich mit etwa einer Milliarde Euro. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die entsprechende Verpflichtungserklärung von 1990 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gegenüber der WHO, den Jodmangel bis zum Jahr 2000 zu beseitigen, wurde in Deutschland nicht erfüllt. Insofern besteht für die Bundesregierung immer noch dringender Handlungsbedarf.
Nach den Ergebnissen des im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit als repräsentative Verbundstudie durchgeführten "Jod-Monitoring" betrug die durchschnittliche Jodzufuhr 1996 119 µg (Mikrogramm)/Tag (Männer: 126 µg, Frauen: 111 µg). Wenngleich sich die Jodaufnahme in den letzten 10 - 15 Jahren verbessert hat, besteht im Vergleich zu den Zufuhrempfehlungen nach wie vor ein nicht akzeptables Versorgungsdefizit von etwa 60 - 80 µg Jod/Tag (Zufuhr-Empfehlung: 180 - 200 µg/Tag). Das entspricht einem Drittel der empfohlenen Zufuhrmenge.

Schwangere und Stillende nach wie vor Risikogruppen

Besonders ausgeprägt sind die Versorgungsdefizite mit 40 - 50 Prozent vor allem bei Schwangeren und Stillenden. Nur bei 1,3 Prozent aller untersuchten Schwangeren ist von einer ausreichenden Jodzufuhr (optimal 180 - 200 µg/Tag, maximal bis zu 300 µg/Tag) auszugehen. Große Defizite liegen auch noch bei Stillenden vor, die ebenfalls zu den Risikogruppen zählen: Erst 21 Prozent der stillenden Frauen nehmen Jodtabletten ein, knapp 80 Prozent sind somit noch stark unterversorgt. Von diesem Jodmangel sind auch die gestillten Säuglinge betroffen. Zur Deckung des erhöhten Bedarfs (230 - 260 µg/Tag) während der Schwangerschaft und Stillzeit wird deshalb eine möglichst gute Jodversorgung über Grundnahrungsmittel plus 100 (-200) µg/Tag in Tablettenform empfohlen.
Als weitere Risikogruppe gelten wehrpflichtige junge Männer im Alter von 18 - 22 Jahren. Diese Gruppe ist nicht nur unzureichend mit Jod versorgt, sondern zeigt auch ein relativ geringes Wissen und wenig Interesse am Thema Jod und Gesundheit. Gleiches gilt auch für heranwachsende Jugendliche im "Fast-Food-Alter".
Das Jodmangelproblem ist demnach trotz aller Bemühungen und erzielter Erfolge nicht gelöst. In Deutschland herrscht nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bevölkerungsweit ein Jodmangel Grad I. Ausgeprägte regionale Unterschiede bestehen dabei nicht, wenn auch in Süd- und Westdeutschland eine tendenziell etwas niedrigere Jodaufnahme festzustellen ist.

Jodsalzverwendung zeigt Erfolge

Die bisherige Verbesserung der Jodversorgung ist im Wesentlichen auf die breite Verwendung von Jodsalz oder Jodsalz mit Fluorid in Privathaushalten (knapp 80 Prozent) und den Einsatz von Jodsalz im Lebensmittelhandwerk (regional: 60 - 85 Prozent der Bäcker und Fleischer) und in der Gemeinschaftsverpflegung zurückzuführen.
Da mehr als 80 Prozen t des täglich konsumierten Salzes aus verarbeiteten Produkten stammt, ist für die Optimierung der Jodversorgung ein breites Angebot von mit Jodsalz hergestellten Lebensmitteln und Speisen ausschlaggebend. Das Jod-Versorgungsdefizit von 30 - 40 Prozent (60 - 80 µg/Tag) ließe sich erheblich minimieren, wenn die Lebensmittelindustrie, die Gastronomie und Fast-Food-Anbieter ebenso konsequent Jodsalz einsetzen würden wie dies im Privathaushalt oder im Bäcker- und Fleischerhandwerk geschieht. Nahziel sollte die Verdoppelung des Anteils von Jodsalz (von derzeit ca. 35 auf 70 Prozent) bei der industriellen Lebensmittelherstellung sein.

Sofortprogramm für Schwangere und Stillende notwendig

Um den erhöhten Jodbedarf von Schwangeren und Stillenden - und damit auch ihrer Kinder - zu decken, sind dringend weitergehende Voraussetzungen im Rahmen der Schwangerenbetreuung zu schaffen, die eine bessere Versorgung von Schwangeren und Stillenden mit Jodtabletten ermöglichen. Darüber hinaus sollten Schwangere und Stillende durch Ärzte, Hebammen und Apotheker intensiver über die Möglichkeiten der Jodversorgung und über die Notwendigkeit der zusätzlichen Einnahme von Jodtabletten beraten werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die heranwachsenden Kinder einen niedrigeren Intelligenzquotient aufweisen. Deshalb muss die Bereitschaft von Schwangeren und Stillenden, gegebenenfalls auch auf eigene Kosten Jodtabletten zu kaufen, ebenfalls geweckt werden.

Fahrplan für eine optimale Jodversorgung

Für eine optimale Jodversorgung geben die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V., der Arbeitskreis Jodmangel und andere Fachinstitutionen folgende Empfehlungen:

  • Regelmäßiger Verzehr (mindestens 2 x wöchentlich) von Seefisch und anderen Meerestieren, ebenso von Milch und Milchprodukten. Insbesondere Seefische gelten als wichtige Jodlieferanten.
  • Ausschließliche Verwendung von Jodsalz oder Jodsalz mit Fluorid im Haushalt.
  • Bevorzugter Einkauf von Lebensmitteln (vor allem Brot), die mit Jodsalz hergestellt sind.
  • Wenn der Jodbedarf mit der Nahrung und mit Jodsalz nicht gedeckt werden kann oder in Zeiten erhöhten Jodbedarfs wie Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit, sollte Jod zusätzlich in Form von Tabletten zugeführt werden.

Jodmangel - ein Ernährungsproblem

Jod gehört zu den Nahrungsbestandteilen, ohne die der menschliche Organismus nicht existieren kann. Da es vom Körper nicht selbst gebildet und auch nicht gespeichert werden kann, muss es regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Fehlt es über längere Zeit, vergrößert sich die Schilddrüse - es entsteht ein Kropf, der wiederum zu Atem- und Schluckbeschwerden führen kann.
Länger anhaltender Jodmangel beeinflusst aber auch die Bildung lebensnotwendiger Schilddrüsenhormone. Diese wiederum regeln eine Vielzahl unserer Körperfunktionen, so beispielsweise den gesamten Stoffwechsel und damit auch den Energieumsatz. Indirekt beeinflussen Schilddrüsenhormone also nicht nur das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit, sondern eine Vielzahl von Körperabläufen inklusive der Fruchtbarkeit von Mann und Frau. Besonders folgenschwer ist Jodmangel in der Schwangerschaft, denn dadurch kann sowohl die Gesundheit der Frau, als auch die Entwicklung des Kindes wesentlich beeinflusst werden. Besonders schwerwiegende Folgen von jodmangelgeschädigten Neugeborenen sind Wachstumsstörungen, eine verzögerte Gehirnreifung, Hördefekte und eine verminderte Intelligenz des Kindes.
Ärzte und Ernährungswissenschaftler appellieren deshalb mit Nachdruck an alle Verantwortlichen, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um das noch fehlende Drittel Jod in unserer Nahrung auszugleichen. Das Lebensmittelgewerbe, die Lebensmittelindustrie, die Gastronomie und die Gemeinschaftsverpflegung sollten möglichst alle Produkte bzw. Speisen mit Jodsalz herstellen nach dem Motto: Wenn Salz, dann Jodsalz. Risikogruppen wie Schwangere und Stillende sollten ihren erhöhten Bedarf zusätzlich mit Jodtabletten decken.
Ein gesundheitliches Risiko ist damit nicht verbunden. Mit Jodsalz hergestellte Speisen und Lebensmittel können von allen Menschen gleichermaßen zu sich genommen werden, auch von denjenigen, die bereits unter einer Fehlfunktion der Schilddrüse leiden. Das weitaus größere Risiko der Jodprophylaxe liegt nach Auffassung von Professor Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba, dem Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel darin, dass man sie nicht anwendet.
Quelle: Arbeitskreis Jodmangel