Nitrofen ist nur ein temporäres Problem
Nitrofen ist nur ein temporäres Problem, das aber gesamt-gesundheitlich in der Bevölkerung so gut wie keine Folgen haben wird. Dagegen ist das in hoch erhitzten stärkehaltigen Nahrungsmitteln enthaltene Acrylamid tatsächlich ein nennenswerter Krebsrisikofaktor, den der Verbraucher kennen sollte.
Professor Dr. Edgar Schömig, Direktor des Instituts für Pharmakologie der Universität zu Köln, untersuchte, wie ernstzunehmend gesundheitsgefährdend die Stoffe Nitrofen, Acrylamid und Estragol tatsächlich sind. Die große Sensibilität der Bevölkerung gegenüber dem Thema Gift in Nahrungsmitteln erklärt Professor Schömig dadurch, dass Menschen immer dann Angst haben, wenn ein Risiko für sie nicht kalkulierbar und nicht durchschaubar ist. Außerdem ist jeder vom Thema Ernährung betroffen.
Kölner Experte äußert sich zu Giftstoffen
"Acrylamid stellt ein Risiko dar, über dass man sich Gedanken machen muss," sagt Professor Schömig. Jeder Mensch muss nach seiner Auffassung die Chance haben, informierte Entscheidungen zu treffen. Das heißt, dass dadurch, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich ist, er zunächst die Risiken, die sein Leben betreffen, kennen muss. Dann wiederum kann er entscheiden, welche Risiken er für sein Leben eingehen will und welche nicht.
Im Vergleich verschiedener Giftstoffe schätzt Professor Schömig das Acrylamid als besonders relevant ein. Gemeinsam mit einem Team stellte er einen Vergleich auf, um das von Acrylamid ausgehende Risiko greifbar zu machen. "Für den Laien muss man das Krebsrisiko, das von Acrylamid ausgeht, in normales Lebensrisiko übersetzen." Um das Risiko also griffiger für den Verbraucher zu machen, errechnete der Professor mit seinen Mitarbeitern, dass der Verzehr einer Tüte Chips statistisch etwa dem Risiko einer 20-Kilometer-Autofahrt gleichkommt. "Mit vielen Dingen im Leben geht man ein gewisses Risiko ein. Das Wichtige ist, dass man dieses Risiko kennt."
Acrylamid bedenklicher als Nitrofen
Im Gegensatz zu dem Herbizid Nitrofen, das verbotenerweise als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde, ist der Giftstoff Acrylamid also als weitaus bedenklicher einzustufen. Auch im Vergleich zu dem in Schweinefleisch und Limonade zu findenden Hormon MPA ist nach Einschätzung Professor Schömigs Acrylamid weitaus relevanter. Acrylamid entsteht dann, wenn stärkehaltige Nahrungsmittel bei einer Temperatur von über 120 Grad erhitzt werden.
Für die Relevanz dieser Erkenntnis, die schwedische Forscher kürzlich durch verschiedene Tests gewannen, spricht auch, dass sich die WHO (World Health Organisation) sofort nach der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse einschaltete. Ziel dabei ist, genau einschätzen zu können, welche Risiken das Acrylamid mit sich bringt und gegebenenfalls Methoden zu finden, die verhindern, dass Acrylamid beim Erhitzen von Stärke überhaupt entsteht.
Acrylamid nimmt Einfluss auf die DNS, wirkt krebserregend und kann in der Aufnahme einer extrem hohen Dosis das Zentrale Nervensystem beeinflussen. Nitrofen gilt wie auch Acrylamid als chronisch toxisch, das heißt, dass nur die regelmäßige Einnahme von großen Mengen an Nitrofen eine Gefahr bedeuten. Da das Nitrofen-Problem mittlerweile erkannt und damit durch hohe Lebensmittel-Kontrollen aus der Nahrung ausgeschlossen ist, hält Professor Schömig diese Gefahr als gebannt.
Estragol in Basilikum und Fencheltee
Dass Basilikum und Fencheltee ebenfalls ein Krebsrisiko mit sicht bringen, lässt sich, so der Professor, bislang nur an Tierversuchen nachweisen. Da aber die Grenzwerte für die in Basilikum sowie Fencheltee enthaltenen Giftstoffe für den Menschen auf das Körpergewicht betrachtet ausgerechnet werden, warnt Professor Schömig vor der Aufnahme dieser Stoffe bei Kindern. "Statt Kindern in großen Mengen Fencheltee zu geben, würde ich raten zu Kamillentee zu greifen, um ein Risiko von vornherein auszuschließen."
Für Erwachsene hält er den Konsum von Basilikum und Fencheltee nach der derzeitigen Datenlage für bedenkenlos, weil nur geringe Dosen der jeweiligen Giftstoffe aufgenommen werden.
Autor/Quelle: Quelle: Universität Köln
