Ernährung bei Niereninsuffizienz

Durch eine eiweißreduzierte Ernährung kann die Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Substanzen, die über den Harn ausgeschieden werden müssen) gesenkt werden, um die Symptome in Schach zu halten und den Beginn einer Dialysebehandlung oder Nierentransplantation so lange wie möglich hinauszuzögern. Weniger Eiweiß bedeutet eine geringere Belastung. Die normale durchschnittliche Kost enthält beim Gesunden 1,0 bis 1,5 g Eiweiß pro Körperkilogramm Körpergewicht. Das ist zu viel für kranke Nieren.

Eiweiß: richtige Dosis finden

Für die Ernährung eines Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ist die zu beschränkende Eiweißzufuhr immer eine Art "Gratwanderung", denn dadurch entsteht schnell die Gefahr der Unterversorgung mit den lebensnotwendigen Aminosäuren. Aminosäuren sind Bausteine der Proteine (Eiweiß) und haben neben dem Aufbau der Körpermasse noch andere Funktionen im Körper. Sie wirken als Enzyme, Hormone, Antikörper in der Immunabwehr, der Übertragung von Nervenimpulsen und vieles mehr.

Bei Energiedefiziten wird sowohl das Körpereiweiß als auch das wenige erlaubte Nahrungseiweiß zur Energieversorgung herangezogen. Es kommt so wiederum zu einem unerwünschten Anstieg von Harnstoff (Abbauprodukt von Eiweiß) im Blut. Die Anforderungen an die Kostzusammensetzung sind jedoch abhängig von den verschiedenen Phasen der chronischen Niereninsuffizienz und richten sich nach den Laborwerten. Durch eine angepasste Ernährung können Betroffene aktiv Einfluss auf den Verlauf der Krankheit nehmen.

Protein (Eiweiß)

Das Nahrungseiweiß ist je nach Schweregrad der chronischen Niereninsuffizienz zu beschränken. Als Minimum des Nahrungseiweißes darf jedoch 0,5 g Eiweiß pro Körperkilogramm nicht unterschritten werden, damit es nicht zum Abbau der Körpersubstanz kommt. Patienten mit einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz sollten in der Regel die tägliche Eiweißzufuhr bei 40 bis 60 g einpendeln lassen.

  • Empfehlenswert ist die Nutzung eiweißarmer diätetischer Spezialprodukte (eiweißarme Stärke, eiweißarme Mehle und daraus hergestellte Produkte wie Brot und Gebäck).
  • Wählen Sie biologisch hochwertiges Eiweiß aus, um die essentiellen Aminosäuren in ausreichender Form zur Verfügung zu stellen. Hochwertige Proteingemische werden durch Kombination aus Kartoffeln und Ei, Bohnen und Ei, Milch und Weizen, Ei und Weizen, Hülsenfrüchte und Weizen sowie Hülsenfrüchte und Milch gewährleistet. Das Kartoffel-Ei-Gemisch besitzt die höchste biologische Wertigkeit (= Anzahl Gramm Körperprotein, das aus 100 g Nahrungsprotein aufgebaut werden kann).

Fett

Neben der Energiebereitstellung sind Fette Lieferanten der essentiellen Fettsäuren und Träger der fettlöslichen Vitamine.

  • Legen Sie Wert auf eine ausreichende Fettzufuhr mit reichlich einfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. Olivenöl oder Rapsöl) und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. Maiskeimöl oder Distelöl).

Kohlenhydrate

Die verschiedenen Zucker sind reine Kohlenhydrate und können in üblichen Mengen verwendet werden. Unter Umständen ist eine Anreicherung der Nahrung mit Kohlenhydraten erforderlich, um eine ausreichende Energieversorgung zu erzielen.

  • Kohlenhydratträger wie Brot, Gebäck und Teigwaren enthalten auch Eiweiß und sind bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung ganz oder teilweise durch eiweißarme Spezialprodukte auszutauschen.

Energie

Es ist auf eine ausreichende Energiezufuhr zu achten, da bei ungenügender Energiezufuhr der Körper das ohnehin begrenzte Nahrungseiweiß zur Energiegewinnung heranzieht. Die Folge ist der unerwünschte Anstieg von harnpflichtigen Substanzen im Blut.

  • Nehmen Sie mindestens 35 bis 40 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich. Zur Energieanreicherung können Kohlenhydrate wie beispielsweise Traubenzucker, Haushaltszucker oder verordnungsfähige diätetische Lebensmittel (eiweiß- und elektrolytarm sowie gleichzeitig energiereich), verwendet werden. Eine Fettanreicherung der Speisen ist auch durch Zugabe von Diätmargarine möglich.
  • Kontrollieren Sie täglich Ihr Gewicht und suchen Sie bei starken Gewichtsschwankungen Ihren Arzt und Diätassistenten auf.

Wasser

Die Fähigkeit der Niere, Wasser auszuscheiden, lässt erst im Endstadium der Erkrankung nach. Bis dahin ist zur Entlastung der Niere eine hohe Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 3 Litern erforderlich, um die harnpflichtigen Substanzen auszuschwemmen. Generell gilt zur Vermeidung von Ödemen (Einlagerung von Wasser) folgende goldene Regel:

  • So viel trinken, wie der Menge des am Tag zuvor ausgeschiedenen Urins plus 500 ml entspricht.

Natrium

Natrium beeinflusst den Blutdruck und steht in engem Zusammenhang mit dem Durstgefühl des Patienten.

  • Gehen Sie moderat mit Kochsalz um und bevorzugen Sie fluoridiertes Jodsalz. Der tägliche Speiseplan sollte insgesamt nicht mehr als 6 bis 8 g Kochsalz enthalten. Das ist bei der durchschnittlichen Ernährung der Fall. Beim Kochen wenn möglich gar nicht oder erst bei Tisch zusalzen.
  • Verwenden Sie keine Diätsalze. Es sind Produkte, die vollständig oder teilweise aus Kaliumsalzen bestehen und eine Hyperkaliämie hervorrufen können.
  • Alle Fertiggerichte, -saucen oder -brühen haben einen hohen Salzgehalt.

Kalium

Die Kaliumausscheidung bleibt bis zu einem fortgeschrittenen Stadium der chronischen Niereninsuffizienz weitgehend normal. Eine kaliumarme Ernährung wird in der Regel erst dann erforderlich, wenn die Urinmenge stark abgenommen hat (weniger als 1000 ml pro Tag). Ein erhöhter Kaliumspiegel im Blut kann sehr gefährlich sein und zu Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen führen. Da Kalium ein wasserlöslicher Mineralstoff ist, kann der Kaliumgehalt von Kartoffeln, Gemüse und Obst durch entsprechende Vor- und Zubereitung vermindert werden.

  • Meiden Sie kaliumreiche Lebensmittel wie Spinat, Hülsenfrüchte, Tomatenmark, Dörrobst, Aprikosen, Bananen, Schokolade, Nüsse, Trockenfrüchte, Gemüse- und Obstsäfte.
  • Eine Verringerung des Kaliumgehaltes (10 bis 50 Prozent) von Obst, Gemüse, Salaten und Kartoffeln wird durch Kleinschneiden und mehrmaligem Wässern erreicht.
  • Verwenden Sie das Kochwasser von Gemüse und Kartoffeln nicht weiter.
  • Lassen Sie den Saft von Obstkonserven weg und bereiten Sie sich selbst eine frische Zitronenmarinade zu.

Phosphor/Phosphat

Eine proteinarme Ernährung ist in der Regel gleichzeitig phosphatarm. Die tägliche Phosphatzufuhr sollte nicht über 1000 mg pro Tag liegen, da sonst Probleme mit dem Knochenstoffwechsel auftreten können.

  • Phosphatreiche Lebensmittel sind Hart- und Schmelzkäse, Nüsse, Vollkornprodukte, getrocknete Steinpilze, geräucherte Lebensmittel, Schokolade und Colagetränke.
  • Reicht die diätetische Phosphatsenkung nicht aus, müssen zusätzlich vom Arzt Medikamente (Phosphatbinder) gegeben werden, welche die Phosphataufnahme im Darm verhindern.

Vitamine und weitere Mineralstoffe

Eine eiweiß- und kaliumarme Ernährung kann langfristig zu Mängeln bei der Vitamin- und Mineralstoffversorgung führen.

  • Wichtig ist eine gezielte Substitution von Calcium, Eisen, Zink, Vitamin D, Vitamine des B-Komplexes und der wasserlöslichen Vitamine durch den Arzt.

Obstipation (Verstopfung) bei Niereninsuffizienz

Im Endstadium der chronischen Niereninsuffizienz besteht oft aufgrund der geringen Flüssigkeitsaufnahme eine Obstipation. Der Verzehr ballaststoffhaltiger Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Salate sorgt normalerweise für eine gesunde Darmtätigkeit und eine Reduzierung des Auftretens und Schweregrades von ernährungsbedingter Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung).

Da erhöhte Kalium- oder Phosphorwerte den Verzehr dieser Lebensmittel einschränken, ist das Risiko für Obstipation höher. Aufgrund der verzögerten Darmentleerung kann es zu Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen führen. Die Einnahme herkömmlicher Abführmittel kann zur Abhängigkeit führen. Zur Therapie der Obstipation bietet sich bei chronischen Niereninsuffizienten im Vordialysestadium und Dialysestadium ein Laktulosepräparat an.

Die Erkenntnis, von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen zu sein und sich hierauf einstellen zu müssen, bedeutet für viele Betroffene und deren Angehörige einen tiefgreifenden Einschnitt in ihre Lebensgeschichte und Lebensplanung. Neben all den medizinischen Notwendigkeiten, die auf die Patienten zukommen, ist die Ernährungstherapie Teil der Möglichkeiten, das Fortschreiten der chronischen Niereninsuffizienz zu verzögern.