Joghurt - wie gesund sind probiotische Nahrungsmittel?

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©istockphoto, gzorgz

Mikroorganismen, die den Darm beschützen, die Abwehrkräfte stärken und vor Krebs bewahren – seit etlichen Jahren ist bekannt, dass es diese gesundheitsfördernden Keime tatsächlich gibt: und zwar in unserem Darm. Sie können auch über die Nahrung zugeführt werden, besonders im Joghurt sollen sie sich tummeln. Doch hält die Werbung, was sie verspricht?

Der Darm ist das größte Immunsystem des menschlichen Körpers – wer das vor Jahrzehnten behauptete, wurde bestenfalls milde belächelt. Doch mittlerweile ist dieses Wissen in der Medizin etabliert. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Krankheiten, bei denen unser Immunsystem beteiligt ist oder verrückt spielt, oft seinen Ausgang im Darm findet oder – umgekehrt – entsprechende Krankheitsbilder durch Unterstützung der Bakterienflora verbessert werden können.

 

Was sind Probiotika?

An dieser Stelle setzen Probiotika an: Diese Mikroorganismen sind natürlicher Bestandteil unserer gesunden Darmflora. Zusätzlich können sie in Form von Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmittel in den Darm gelangen, sich dort ansiedeln und die vorhandene Darmflora unterstützen – und auf diesem Weg unser Immunsystem stimulieren, trainieren und stärken. Als besonders hilfreich entpuppt haben sich Lactobazillen (Milchsäurebakterien) und Bifidobakterien – ihre vorbeugenden und heilungsfördernden Wirkungen sind mittlerweise erwiesen, allerdings mit Einschränkungen:

  • Nicht alle Bakterienstämme besitzen entsprechende Wirkungen; die in den Studien nachgewiesenen Wirkungen gelten nur für das getestete Probiotikum (was nicht bedeutet, dass sie nicht auch bei anderen vorhanden sind)
  • Bei der Zufuhr über die Nahrung erreicht nur ein kleiner Teil der gesundheitsfördernden Mikroorganismen den Darm – die anderen werden von der Magen- und Gallensäure zerstört.
  • Bei Lebensmitteln besteht zudem die Gefahr, dass durch unsachgemäße Lagerung oder Transportwege nicht mehr ausreichende Bakterienmenge vorhanden sind – ein Nachteil, den Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke (z.B. in Form von Kapseln) nicht haben.

Probiotika sind in milchsauer vergorenen Lebensmitteln enthalten – und das nicht erst seit es Joghurtdrinks in kleinen Flaschen gibt: In Dickmilch, Kefir und Joghurt, Sauerkraut, Rote Beete und Salzgurken. Seit alters her helfen diese Bakterien, Lebensmittel zu konservieren, denn durch die starke Säureproduktion haben andere schädliche Organismen keine Chance mehr.

 

Wirkungen von Probiotika

Unter dem Stichwort "probiotisch", was übersetzt so viel heißt wie "für das Leben", sind die Kühlregale der Lebensmittelhändler inzwischen voll mit unterschiedlichen Produkten, fast alle teurer als herkömmliche Produkte, ihr Marktanteil liegt bei 15 Prozent. Nicht jedem Verbraucher erschließt sich sofort die Bedeutung des Lactobacillus casei Actimel oder eines Lactobacillus casei Golding und Gorbach (LGG). Diese – übrigens nicht gentechnisch veränderten – Milchsäurebakterien haben sich als recht widerstandsfähig gegen Magen- und Gallensäure erwiesen. Inzwischen gibt es zahlreiche Studien über die Wirkung der Probiotika:[1–9]

  • Tatsächlich können bestimmte Probiotika wie Trockenhefe (Saccharomyces boulardii) und die Bakterien Lactobacillus rhamnosus GG (z. B. LGG oder Lactobacillus acidophilus) die Dauer und Schwere von Magen-Darm-Infektionen und Durchfallerkrankungen mildern. Sie können sogar vorbeugend gegen Reisedurchfälle eingesetzt werden (5 Tage vor Anbruch der Reise mit der Einnahme beginnen).
  • Andere Bakterien fördern die Verdauung und reduzieren die Anzahl fäulnisbildender Bakterien im Dickdarm; bei der Milchzuckerunverträglichkeit verbessern sie die Verdauung von Laktose.
  • Bei Kleinkindern schützt der Verzehr von Milchsäurebakterien mit probiotischen Eigenschaften vor bestimmten Darminfekten und trägt dazu bei, die bakterielle Fehlbesiedelung nach einer Therapie mit Antibiotika zu normalisieren.
  • Während der Schwangerschaft und des Stillens von der Mutter eingenommene Milchsäurebakterien (z.B. LGG®, Symbiolact comp.®) beugen allergischen Reaktionen und speziell einer Neurodermitis beim Kind vor.
  • Probiotika scheinen den Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) und Harnwegsinfekte positiv zu beeinflussen.
  • Möglicherweis senken Probiotika das Risiko für Darmkrebs, da sie zellschädigende Enzyme hemmen. Eine japanische Studie hat diese Wirkung für den Keim Lactobacillus casei Shirota gezeigt.
  • Möglicher Nachteil: Es könnte sein, dass sie manche Krankheiten auch verschlimmern können – betroffen sind möglicherweise manche Autoimmunerkrankungen, z. B. die Bechterew-Krankheit.

Ganz entscheidend ist, dass man probiotische Produkte häufig, also fast täglich, und regelmäßig zu sich nimmt. Andernfalls können die Bakterien die Darmschleimhaut nicht besiedeln. Herkömmliche, nicht wärmebehandelte Joghurts und Milchprodukte, die lebende Lactobacillen bzw. Bifidusbakterienstämme enthalten, sind also gesundheitsförderlich. Die DGE empfiehlt daher, täglich fettarme gesäuerte Milchprodukte zu verzehren.

 

Quellen:
(1) Htwe K et al.: Effect of Saccharomyces boulardii in the treatment of acute watery diarrhea in Myanmar children: a randomized controlled study. Am J Trop Med Hyg. 2008; 78(2):214-216
(2) Hickson M et al.: Use of probiotic Lactobacillus preparation to prevent diarrhoea associated with antibiotics: randomised double blind placebo controlled trial. BMJ. 2007; 335(7610): 80
(3) Szajewska H et al.: Meta-analysis: Saccharomyces boulardii for treating acute diarrhoea in children. Aliment Pharmacol Ther. 2007; 25(3):257-264
(4) Szajewska H et al.: Meta-analysis: Lactobacillus GG for treating acute diarrhoea in children. Aliment Pharmacol Ther. 2007; 25(8):871-881
(5) D'Souza AL et al. Probiotics in prevention of antibiotic associated diarrhoea: meta-analysis. BMJ. 2002; 324:1361-1364
(6) Blümer N et al.: Perinatale maternale Supplementation mit Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) vermindert allergische Entzündungsreaktion in den Nachkommen. Pneumologie. 2005; 59
(7) Rautava S: Probiotics during pregnancy and breast-feeding might confer immunomodulatory protection against atopic disease in the infant. J Allergy Clin Immunol 2002; 109:119-121
(8) Passeron T et al.: Prebiotics and synbiotics: two promising approaches for the treatment of atopic dermatitis in children above two years. Allergy 2006; 61:431-437
(9) Lee SJ et al.: Probiotics prophylaxis in children with persistent primary vesicoureteral reflux. Pediatr Nephrol. 2007; 22(9):1315-1320