Schmetterlinge im Bauch - Wie sich Gefühle in unser Essen mischen

Liebe geht durch den Magen. Verliebte leben von Luft und Liebe. Ja, und auch den Kummerspeck gibt’s (leider) nicht nur sprichwörtlich. Es lässt sich nicht leugnen: Unser Gemütszustand beeinflusst ganz eindeutig auch unser Hungergefühl. Doch was steckt genau dahinter: Warum haben Verliebte so wenig Appetit - und warum fördert Frust so häufig "Fressattacken"? Ist doch ungerecht: Wer verliebt und glücklich ist, nimmt auch noch ab und kriegt womöglich die Traumfigur. Und wer traurig ist? Futtert sich zu zusätzlich gleich noch Kummerspeck an. Dafür gibt es ganz handfeste hormonelle Gründe.

Positive Gefühle

Denn Verliebtheit ist nicht nur ein Gefühl - es setzt einen höchst wirkungsvollen Hormoncocktail frei, der alle physiologischen Abläufe im Körper komplett durcheinander wirbelt. Vermehrte Adrenalinschübe versetzen Verliebte in höchste Erregung, Testosteron erhöht die Lust. Vor allem aber steigt der Spiegel des Aktivitätshormons Dopamin im Körper an, während umgekehrt Serotonin, das Hormon der Ausgeglichenheit, weniger wird. Die Folge: Aufgedrehte Stimmung, euphorische Höhenflüge und gravierende Stimmungswechsel zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Nicht nur das Schlafbedürfnis lässt nach, auch der Appetit wird weniger. Das liegt vor allem an dem Hormon Phenylethylamin (PEA), das nicht nur für Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch sorgt, sondern zugleich wie ein emotionaler Appetitzügler wirkt: Diesen "Stoff" findet man übrigens nicht nur bei Verliebten im Blut, sondern auch in Schokolade, Diätgetränken und Appetitzüglern…

Negative Gefühle

Womit wir schon fast beim Kummerspeck wären… Auch für negative Stimmungen gilt: Sie wirken sich auf Stoffwechsel und Hormone aus, die wiederum auch die "Hungersignale" im Gehirn steuern. Studien haben gezeigt, dass Übergewicht bei Erwachsenen - vor allem bei Frauen - häufig mit Depressionen einhergehen, die oft schon im Jugendalter beginnen.

Auch vermehrter Stress kann die Stoffwechselprozesse im Körper extrem durcheinander bringen. Unter Anspannung produziert der Körper z. B. vermehrt das Nebennierenhormon Cortisol - das wiederum den Appetit anregt. Und wer kennt das nicht: ein schneller Griff zum Schokoriegel, um sich wieder "zu beruhigen". Denn Zucker kurbelt die Produktion von Serotonin im Blut an. Welche negative emotionale Grundstimmung auch dahinter steckt: Man futtert sich den Kummerspeck im wahrsten Sinne des Wortes allmählich an. "Und greift dabei oft auf ,Belohnungsmuster’ zurück, die man schon als Kind gelernt hat", erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK.

"Es ist der Versuch, sich Glück und Befriedigung über das Essen zu holen." Der erfahrungsgemäß nicht funktioniert - die Folge ist: Kummerspeck. Denn egal, ob Süßes, Chips oder Burger: Die beliebtesten essbaren "Trostpflaster" haben es auch kalorienmäßig in sich. Frustesser sollten lernen, besser und rechtzeitig auf alle Signale ihres Körpers zu achten - und anders auf sie zu reagieren als über Essenszufuhr. Wie wär’s mit einer halben Stunde Joggen, zum Beispiel. Dabei verbraucht man fast 500 Kalorien - fast soviel wie Verliebte beim Liebesspiel.