Schulung des Essverhaltens immer wichtiger
Die Kosten, die jedes Jahr für Krankheiten ausgegeben werden, die durch falsches Essverhalten verursacht werden steigen zunehmend. Um flächendeckend eine Änderung des Essverhaltens bei Risikogruppen herbeizuführen, müssen Ärzte und Apotheker, Krankenschwestern, Diätassistentinnen und Ökotrophologen zunehmend in der Ernährungsberatung geschult werden.
Denn die Vermittlung eines gesunden Essverhaltens verläuft meist mühsam und erfordert vom Therapeuten neben fachlicher Kompetenz auch Einfühlungsvermögen. Da die Patienten häufig auf automatisierte Verhaltensweisen zurückgreifen, müssen die Diät-Berater immer wieder subtil die eingeschliffenen Muster im Denken und Handeln ihrer Klienten durchbrechen.
Beratungskompetenz in der Diätetik
In Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung der gesunden Ernährung und Diätetik (VFED) hat der Hippokrates Verlag aktuell ein praxisnahes und interdisziplinäres Werk herausgebracht, das die Beratungskompetenz in der Diätetik in den Vordergrund stellt. Sven-David Müller, Vorstand des VFED und Diätassistent, hat als Herausgeber des Kompendiums "Praxis der Diätetik und Ernährungsberatung" (Hippokrates Verlag, Stuttgart. 2000) namhafte Autoren zusammengeführt, die über ihre Erfahrungen berichten.
Neben besonderen Diät- und Kostformen bei verschiedenen Krankheitsbildern, Informationen zum Qualitätsmanagement in der Diätberatung und dem Diätangebot an Krankenhäusern führt das Buch auch in die praktische Ernährungsberatung ein. So beschäftigt sich zum Beispiel ein Kapitel mit dem Thema Enrährungspsychologie und ihrer Analyse von Beweggründen für das Essen und Trinken.
Ernährungserziehung wichtig
Iwer Diedrichsen von der Universität Hohenheim verdeutlicht in seinem Beitrag den Gedanken der psychologischen Diätberatung: "Die Ernährungspsychologie versucht, Menschen durch Ernährungserziehung möglichst frühzeitig gesunde Ernährungs- und Essgewohnheiten zu vermitteln, um Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude durch einen ernährungsbewussten Lebensstil zu fördern und zu erhalten sowie ernährungsabhängige Krankheiten zu verhüten."
In Beratungssitzungen von Diät-Therapeuten und Patienten können beispielsweise Fortschritte in der Veränderung des Essv erhaltens erörtert und eventuelle Rückfälle aufgearbeitet werden. Sie erfüllen dabei wichtige Funktionen, wie die Entwicklung und Planung gesunden Essverhaltens und das Einüben neuer Fertigkeiten im Alltag. Der Ernährungsberater sollte nach Meinung des Diätspezialisten subtil auf die verschiedenen Stadien der jeweiligen Veränderungsprozesse seiner Klienten eingehen.
Realistische Ziele formulieren
Bei Patienten ohne Problembewusstsein empfiehlt Diedrichsen zum Beispiel sich als Therapeut die Frage zu stellen "Wie kann ich Informationen so vermitteln, dass die Klienten sich angesprochen fühlen und Problembewusstsein entwickeln?". Befindet sich der Patient bereits im Prozess einer Verhaltensänderung, sollte sich der Berater überlegen, wie er ihn in diesem Prozess optimal unterstützen kann.
Wichtig sei es nach Meinung Diedrichsen jedoch immer, dass die gesteckten Ziele sich im Alltag realisieren lassen und den Patienten nicht überfordern. Denn die Bereitschaft zur längerfristigen Verhaltensänderung könne nur über erfolgversprechende Zwischenziele erreicht werden.
Autor/Quelle: Thieme Verlagsgruppe
