Alkoholkonsum von Jugendlichen besorgniserregend: Komasaufen bei Jugendlichen

In Zeitungen und anderen Medien finden sich fast wöchentlich Schlagzeilen zum immensen Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsenen. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass sich relativer und absoluter Alkoholkonsum sehr unterschiedlich entwickeln.
Früher war der Rausch die Nebenwirkung, heute ist er das Ziel, so lautet das Fazit eines Symposiums der Sektion Baden-Württemberg der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE-BaWü e.V.) in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim. Die absolute Alkoholmenge, die Jugendliche durch Bier-, Wein- und Spirituosen zu sich nehmen, wird seit 35 Jahren kontinuierlich weniger. Diese Tatsache ist zwar an sich erfreulich, allerdings zeigen diese Zahlen nur die eine Seite der Medaille. Wie schnell sich dieser Trend ändern kann, zeigte sich kurz nach der Jahrtausendwende.
Für einige Jahre stieg der Alkoholkonsum erstmalig an – verursacht durch beliebte, alkoholhaltige Getränkemischungen, die Alkopops. Die politische Antwort mit starker Besteuerung und Preiserhöhung sowie verschärften Abgaberegelungen führte dazu, dass Alkopops an Attraktivität verloren und der Alkoholkonsum in den letzten Jahren wieder abnahm. Der absolute Alkoholkonsum Jugendlicher scheint also lenkbar zu sein. Wie jedoch sieht es mit dem Konsum einzelner aus?
Besorgniserregende Entwicklung
Nicht nur Umfragen bestätigen eine besorgniserregende Entwicklung im individuellen Alkoholkonsum Jugendlicher. Diejenigen, die Alkohol trinken, trinken wesentlich mehr und scheinen über die Folgen wie Alkoholvergiftung und Eigengefährdung durch Unfälle, Aggressivität oder sexuelle Übergriffe nicht informiert zu sein oder ihnen wenig Bedeutung zuzumessen.
Besonders das Binge drinking, eine Form des Trinkens, die auch als Komatrinken, Rauschtrinken oder Extremsaufen bezeichnet wird, hat in den letzten Jahren zugenommen.
In den letzten Jahren gab es bei den stationären Einweisungen von Kindern und Jugendlichen wegen Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung) jährliche Zuwachsraten von bis zu 40 Prozent, so Prof. Götz Mundle von der Oberbergklinik Schwarzwald. Nach Prof. Manfred Singer von der Universitätsklinik Mannheim gehen offizielle Zahlen von 1,6 Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland aus.
Binge drinking
Riskant im Sinne von "Komasaufen" verhält sich knapp ein Drittel der Jugendlichen. 27 Prozent (25 Prozent Männer, 29 Prozent Frauen) haben in den letzten 30 Tagen mindestens einmal fünf oder mehr Alkoholgetränke hintereinander in der kurzen Zeitspanne von 2 Stunden getrunken. 7 Prozent von ihnen praktizieren dieses so genannte "binge drinking" sogar sechsmal oder noch häufiger im Monat.
Das Durchschnittsalter für die ersten Erfahrungen mit Alkohol liegt inzwischen bei 12 Jahren, erste Trunkenheitserlebnisse kommen bereits mit 14 Jahren vor. Am häufigsten trinken die 16- bis 19-Jährigen regelmäßig Alkohol. Sie haben auch die meisten "binge-drinking-Episoden" und sind am häufigsten betrunken. Ihr durchschnittlicher wöchentlicher Alkoholkonsum liegt bei 11 Gläsern Bier (á 0,3l). Mit steigendem Alter wird dann wieder weniger getrunken und auch ein Alkoholrausch wird wieder unwahrscheinlicher.
Je intensiver Jugendliche sich mit Freunden treffen und auf Partys gehen, desto häufiger und riskanter wird Alkohol getrunken. Von denjenigen, die mindestens einmal in der Woche ausgehen, haben 37 Prozent im letzten Monat binge-drinking praktiziert, bei denjenigen, die selten oder nie ausgehen, liegt dieser Anteil bei 5 Prozent.
Autor/Quelle: Quellen: BzgA, DGE, aid Infodienst / Überarbeitung: Nathalie Blanck

