Serie: Wenn die Verpackung das Essen madig macht

Lebensmittel verpackt in Dosen, Tetrapaks, Kunststoff, Zellglasfolien und Kartons füllen die Regale in unseren Supermärkten. Die lange Haltbarkeit dieser Produkte ermöglicht uns eine gute Vorratshaltung. Wenig bekannt ist, dass aus mancher Verpackung unerwünschte Substanzen in das Lebensmittel übergehen können.
Verpackte Lebensmittel sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie bieten in unserer Umwelt, die geprägt ist von Zeitnot und Hektik, viele Vorteile. Sie eignen sich gut zur Vorratshaltung, sind in den Regalen schnell griffbereit, bieten gewünschte Portionsgrößen und sind leicht zu transportieren.
Es werden ständig neue Verpackungen entwickelt, die besonders anwenderfreundlich sind und das Handling der Produkte erleichtern. Entsprechend ist auch der Einsatz neuer Technologien und Rohstoffe vonnöten. Leider ist bei manchen dieser Rohstoffe noch völlig unbekannt, welche Auswirkungen diese auf unsere Gesundheit haben.
Meist nehmen wir unerwünschte Substanzen, die über die Verpackung in das Lebensmittel gelangen, nur in sehr kleinen Mengen auf, die in der Regel gesundheitlich unbedenklich sind. Dennoch sollte mancher Griff in das Lebensmittelregal nicht unreflektiert bleiben.
In Kunststoff gehüllt
Ob Wurst oder Käse, Süßigkeiten, Brot oder Obst, wir können nahezu alle Lebensmittel in Folie oder Kunststoff verpackt erhalten. Im Lebensmittelsektor wird eine Vielzahl von Kunststoffen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol und Hart-PVC.
In Form von Folien, Blistern und anderen Verpackungsformen sind unsere Lebensmittel mit Kunststoffen umhüllt. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Substanzen aus den Kunststoffen in die Lebensmittel übergehen können. Zum Teil handelt es sich hierbei um unerwünschte toxische Substanzen.
Vinylchlorid
Vinylchlorid ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von PVC (Polyvinylchlorid),das als Schutzüberzug und beschichtete Verpackungen für Lebensmittel sowie Folien, und Verbundfolien verwendet wird. Vinylchlorid steht im Verdacht eine schwach Erbgut schädigende, Krebs fördernde Wirkung zu haben. Sichere Erkenntnisse, die auf eine Krebs auslösende Potenz hindeuten fehlen aber derzeit noch. Dennoch gilt aus Vorsorgegründen für diese Substanz, dass der Übergang auf Lebensmittel nicht nachweisbar sein darf.
Phthalsäureester (Phthalate)
Phthalate werden als Weichmacher für PVC, Polystyrol und andere Kunststoffe eingesetzt. Sie werden den Materialien beigemischt, um deren Dehnbarkeit und Verarbeitbarkeit zu optimieren. Der häufigste Vertreter unter den Phthalaten ist das DEHP (Di-2-ethylhexylphthalat). Die Phthalate können aus der Verpackung, zum Teil aber auch schon während der Herstellung über Fließbänder und Schläuche in das Lebensmittel gelangen.
Gefördert wird dieser Prozess durch einen hohen Gehalt an Fett im Lebensmittel. Phthalate sind toxikologisch noch nicht umfassend untersucht und bewertet. Wahrscheinlich greifen sie durch eine schwach östrogene Wirkung in den Hormonhaushalt des Menschen ein und somit auf die Entwicklung der Geschlechtsorgane.
Epoxidiertes Sojaöl (ESBO)
ESBO findet Einsatz als Weichmacher und Stabilisator für PVC, insbesondere in Deckeldichtmassen und Ziehfolien. In Deckeln von Konserven und Glaskost kann es bis zu 40% der Dichtmasse ausmachen. Entscheidend für einen Übergang des ESBO in das Lebensmittel ist der direkte Kontakt mit der Speise sowie deren Fettgehalt. Große Mengen ESBO können in stark ölhaltige Lebensmittel wie beispielsweise Pesto, Olivenpaste und eingelegtes Gemüse in Öl übergehen.
Anfang 2005 wurde ESBO in zahlreichen in Schraubdeckelgläsern verpackten Lebensmitteln, unter anderem in Säuglingskost, nachgewiesen. Bisher gibt es keine ausreichenden Daten zur Beurteilung der gesundheitlichen Bedeutung von ESBO für den Menschen. Die zulässige tägliche Aufnahmemenge wurde auf 1 mg/kg Körpergewicht festgelegt.Sei es Gemüse, Obst oder Fisch, die gute alte Konservendose hat ihren festen Platz im Lebensmittelregal. Schon lange ist bekannt, dass aus verzinnten Weißblech-Konserven bei Luftzutritt Zinn in den Doseninhalt übergehen kann. Zinn ist ein Schwermetall, das relativ ungiftig ist. Die Aufnahme größerer Mengen kann jedoch zu Durchfall und Erbrechen führen. Lebensmittel aus verzinnten Weißblech-Dosen sollten deshalb zügig verarbeitet und Reste in ein anderes Behältnis umgefüllt werden.
Eine gute Nachricht zu diesem Thema ist, dass die Gefahr hohe Konzentrationen an Zinn aufzunehmen in der Regel sehr gering ist, da deutsche Hersteller überwiegend Konservendosen mit einer Innenbeschichtung oder –lackierung verwenden.
Die schlechte Nachricht zu diesem Thema ist seit Anfang 1996 bekannt unter dem Namen BADGE (Bisphenol-A-diglycidylether). BADGE ist ein Weichmacher, der von den Innenlackierungen der Konservendosen an das Füllgut abgegeben werden kann. Bei Untersuchungen in der Schweiz und in Deutschland wurden beispielsweise hohe Gehalte im Ölaufguss von Fischkonserven gefunden. Hohe Werte wurden außerdem in Konserven mit einem Aufreißdeckel gefunden.
Vermutlich dient der Weichmacher zur Erzielung einer optimalen Flexibilität des Lackes. Eine ursprünglich angenommene Krebsgefahr oder Gesundheitsgefährdung konnte bisher nicht bestätigt werden. Dennoch wurde durch die Europäische Kommission ein Grenzwert von 1 mg/kg Lebensmittel festgele
Lebensmittel in Pappkartons
Pizza und Hamburger sind als Fast-Food an jeder Ecke erhältlich. Den Pappkarton gibt es natürlich dazu, damit das Essen auch heile zu Hause ankommt. Damit Kartons und Papiere beim Gebrauch nicht aufweichen, werden sie häufig mit Perfluorchemikalien beschichtet, da diese fett- und wasserabweisend sind.
In Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Perfluorchemikalien als Verunreinigung FTOH (Fluortelomer-Alkohole) enthalten können. Diese stehen im Verdacht auf das Lebensmittel überzugehen und darüber in den menschlichen Körper zu gelangen, wo sich die Substanz aufgrund der langsamen Abbaurate anreichern kann. Über das gesundheitliches Risiko für den Verbraucher ist bisher wenig bekannt. Aufgrund von Ergebnissen aus Tierversuchen wird die Substanz jedoch als kritisch eingestuft.
Wie können wir uns schützen?
Zum Schutz des Verbrauchers werden vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für gesundheitlich bedenkliche Substanzen Höchstmengen und Grenzwerte festgelegt. Außerdem wird Forschung auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit betrieben, unter anderem mit dem Ziel neue Technologien zur Herstellung von Lebensmitteln und Verpackungen zu entwickeln, die bei gleicher Effizienz ein hohes Maß an Sicherheit für den Verbraucher gewährleisten.
Gerade bei kritischen Produkten, wie fetthaltige Lebensmittel und Säuglingskost in Gläsern mit Schraubverschluss, haben viele Hersteller bereits reagiert und verzichten auf diese bedenklichen Substanzen.
Aber auch das kritische Kaufverhalten der Verbraucher ist gefragt.
- Für viele fertig verpackte Lebensmittel stehen Alternativen zur Verfügung.
- Warum nicht häufiger auf die so genannte "lose Ware" zurückgreifen?
- In der Bäckerei, an der Wurst- und Käsetheke, am Obst- und Gemüsestand gibt es reichlich unverpackte Ware zu kaufen.
- Bereiten Sie, wann immer möglich, Speisen frisch zu und verzichten Sie auf verpackte Fertiglebensmittel.
Autor/Quelle: Dr. Angela Jordan / Quellen: Unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln - aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V.
