Sounddesign: Damit Cornflakes knusprig krachen
Die Qualität unserer Haushaltsgeräte beurteilen wir nicht zuletzt auch nach deren Klang. Natürlich steht die Funktion im Vordergrund, doch auch das Betriebsgeräusch ist ein wesentlicher Punkt. "Offensichtlich zählt der Klang einer Waschmaschine, eines Geschirrspülers oder einer Mikrowelle in unserer Wahrnehmung viel mehr als deren optisches Design", so Dr. Markus Meis, medizinischer Psychologe und Leiter des Bereichs Markt- und Wirkungsforschung am Oldenburger Hörzentrum.
Gemeinsam mit Prof. August Schick, Universität Oldenburg, hat er wissenschaftliche Untersuchungen zur Bedeutung des Klangs von elektrischen Geräten auf die Verbraucher durchgeführt. Die Ohren haben demnach ein Wörtchen mitzureden, wenn es um Qualitätsurteile geht. Nicht nur das Design, das Aussehen, sondern auch der Klang vermittelt uns einen Eindruck davon, ob es sich um etwas Hochwertiges handelt oder eben nicht.
Sounddesign - heute eine Selbstverständlichkeit
Entdeckt haben dies schon vor Jahren die Autohersteller. So haben die Japaner damit angefangen, den Klang ihrer Fahrzeuge zu optimieren. Inzwischen ist das Sounddesign ein selbstverständlicher Bestandteil der Automobilentwicklung. Auto- und Motorradliebhaber können bestimmte Marken problemlos am Motorengeräusch erkennen.
Doch auch Reifengeräusche werden nicht dem Zufall überlassen oder der Klang der ins Schloss fallenden Autotür. Das soll nicht scheppern wie eine Konservendose, sondern dumpf, schwer und satt klingen. Ähnlich ist es mit allen Geräuschen des Alltags. Wir haben aus Erfahrung eine bestimmte Vorstellung davon, wie sich etwas anhören sollte. Daran orientiert sich die Industrie. "Glauben Sie mal nicht, das sei ein Zufall, wie sich die Kaugeräusche bei Cornflakes anhören", so Dr. Meis. Die sollen knusprig und frisch klingen, darum kümmern sich die Hersteller ebenso wie um den guten Geschmack.
Ein bisschen "Betriebsgeräusch" muss sein
Natürlich sind viele Geräusche auch lästig, weshalb immer leisere Geräte entwickelt werden. Doch die Betriebsgeräusche signalisieren uns auch, dass ein Gerät in Funktion ist und darauf möchte man nicht ganz verzichten.
So würden die wenigsten Männer einen völlig lautlosen Rasierapparat schätzen. Denn man ist es gewohnt zu hören, dass die Stoppeln kraftvoll entfernt werden. Diese Erwartung wird dann auch erfüllt. Leider muss man sich beim Kauf im Laden meist auf das Aussehen der Geräte und die Herstellerangaben verlassen, weil man sie nicht ausprobieren kann. Bei Waschmaschinen, so Dr. Meis, ist es bei Kunden durchaus gängige Praxis "mit der Hand auf das Gerät zu klopfen, um festzustellen, ob es wertig und voll klingt".
Auch bei Laminatfußböden ist den Herstellern bewusst geworden, dass sie etwas für den Klang ihrer Produkte tun müssen. Denn was optisch vielleicht als Parkett durchgehen mag, kann vor den Ohren kaum bestehen. So wird derzeit in Tests herausgefunden, wie man den Klang des Fußbodenbelags verbessern kann, wenn Stöckelschuhe darüber gehen oder wenn ein Schlüssel darauf fällt. Die Ohren spielen im täglichen Leben eine große Rolle - nicht nur bei Unterhaltungen, sondern auch bei der Wahrnehmung von Alltagsgeräuschen. Die Fördergemeinschaft Gutes Hören empfiehlt daher: Wer das Leben mit allen Sinnen wahrnehmen möchte, sollte sicherstellen, dass mit seinem Gehör alles in Ordnung ist. Bei Hörproblemen helfen Hörakustiker und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte gerne weiter.
Sind Sie im Alltag ganz Ohr?
Ein telefonischer Hörtest, der eine erste Einschätzung des Hörvermögens ermöglicht, ist abrufbar unter 0180 -5 323 754. Die Gebühr für den Test beträgt 0,74 Euro.
Wer sich telefonisch über medizinische und technische Lösungen für Hörprobleme informieren möchte: Die Telefon-Hotline "Gutes Hören" ist jeden Mittwoch von 14-16 Uhr zu erreichen. Hörakustiker (0800-0112 112) und HNO-Ärzte (0800-0112 113) beraten gebürenfrei am Telefon.
Quelle: Fördergemeinschaft Gutes Hören
