Trotzphase: Ich will nicht

Sie ist ein wichtiger Schritt der Entwicklung, dauert im Durchschnitt zwei Jahre und geht zum Glück wieder vorüber - die Trotzphase. Schreiend wirft sich die dreijährige Steffi auf den Boden im Supermarkt. Ihre Mutter steht hilflos daneben. Typisch Trotzphase. Von Kind zu Kind ist sie unterschiedlich stark ausgeprägt.


Sie beginnt meist zwischen dem 15. und dem 18. Lebensmonat und erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Die Trotzphase dauert durchschnittlich zwei Jahre. Ein Trost für alle Eltern: Sie geht vorüber und ist außerdem ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur eigenständigen Persönlichkeit. Vor allem: Es ist keine wirkliche Ablehnung der Eltern oder gar Hass. Der Trotz entsteht, weil das Kind unter großen Spannungen steht. Auf der einen Seite hat es in den letzten Monaten sehr viel gelernt: Es kann gehen und sprechen. So sind "ich", "nein", "will" und "will nicht" jetzt seine Lieblingsworte. Das Kind möchte seine Umwelt erforschen, neue Dinge lernen und erfahren. Auf der anderen Seite stößt es immer wieder an seine Grenzen - entweder an seine eigenen oder an die der Eltern. Zwei Beispiele: Das Kind kann die Knöpfe an der Jacke anfassen und sie als "Knöpfe" benennen, aber es kann sie nicht auf- und zuknöpfen. Es kann die Tür schließen, sie aber nicht wieder öffnen. Hinzu kommt der Widerspruch zwischen dem eigenen Wollen und dem Dürfen. Etwa beim Abholen aus dem Kindergarten. Das Kind will noch spielen und hat noch kein Verständnis für die in Zeiten eingeteilten Tagesabläufe.

Der Trotzanfall

Die Dramaturgie von Trotzanfällen verläuft immer ähnlich:
  1. Phase: Das Kind möchte etwas, schafft es nicht oder darf es nicht.
  2. Phase: Diese Erfahrung erzeugt Wut und das Kind zeigt diese deutlich, indem es sich beispielsweise auf den Boden wirft, mit den Beinen strampelt, um sich tritt oder mit Gegenständen wirft.
  3. Phase: Das Kind beruhigt sich, ist erschöpft und alles ist wieder in Ordnung.
Die Eltern stehen den Ansprüchen anfangs belustigt, dann hilflos und später genervt gegenüber. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass das Kind in dieser Phase keine Kontrolle über seine Gefühle hat. Es versucht, sich gegen die Eltern abzugrenzen und selbstständiger zu werden. Das ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Denn trotz der Abgrenzungsversuche benötigt das Kind gerade in dieser Zeit viel Zuwendung. Es schwankt zwischen den Gefühlen "ich bin groß und stark" und "ich bin klein und hilflos". Aus diesen Gegenpositionen resultieren entsprechend widersprüchliche Botschaften an Eltern und Bezugspersonen. Psychologen und Pädagogen geben Eltern den Rat: Locker bleiben, klare Regeln aufstellen und nichts persönlich nehmen. Vor allem aber die kuscheligen und anschmiegsamen Phasen des Kindes wahrnehmen und nutzen, um auf diese Weise viel Wärme und Geborgenheit zu vermitteln.Ein regelmäßiger Tagesablauf gibt Sicherheit und Struktur, vor allem weil Kinder noch kein Zeitgefühl besitzen.
  • Das Spielzeitende und das Zubettgehen rechtzeitig ankündigen, so können sich Kinder besser an die Zeitabschnitte gewöhnen.
  • Klare, feststehende Regeln. Dafür aber nur so viele Verbote wie nötig und so viel Freiheit wie möglich.
  • Wünsche und Anordnungen in kurzen, klaren Sätzen formulieren.
  • Das Kind durch viel Lob und Anerkennung bestärken.
  • Genügend Raum zum Austoben bieten - nicht nur im Haus.
  • Kinder mitentscheiden lassen, so kann etwa jeder einmal pro Woche ein Mittagessen bestimmen.

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