Wie gut hört Ihr Kind?
Mindestens 500.000 Kinder in Deutschland hören schlecht. Von 1.000 Kindern kommen ein bis drei mit einer gravierenden Hörminderung zur Welt. Bei Frühgeborenen oder Kindern mit Fehlbildungen ist etwa jedes zehnte betroffen. Alle Eltern sollten darauf achten, ob ihr Kind gut hört. "Beim geringsten Verdacht auf eine Hörminderung sollte man mit dem Kind zum Arzt gehen. Sonst besteht die Gefahr, dass eine Hörstörung monate- oder gar jahrelang unentdeckt bleibt", so Dr. Christina Beste, Pressesprecherin der Fördergemeinschaft Gutes Hören. "Darunter leidet dann meist die gesamte Entwicklung des Kindes, vor allem natürlich das Sprechen lernen.
Da es bei uns noch immer keinen obligatorischen objektiven Hörtest für Neugeborene gibt, werden Hörminderungen in Deutschland erst spät entdeckt. So wird eine angeborene Hörminderung im Durchschnitt erst vermutet, wenn das Kind bereits anderthalb Jahre alt ist. Bis zur Bestätigung des Verdachts vergehen weitere neun Monate*. Erst dann kann dem Kind geholfen werden.
Eltern sollten ihr Kind beobachten
Eltern sollten darauf achten, wie ihre Säuglinge sich verhalten. Bei plötzlichen lauten Geräuschen erschrecken Kinder, die normal hören, während der Zuspruch der Eltern beruhigend wirkt. Das stimmhafte Lachen und Brabbeln der Babys sollte im 6. bis 7. Lebensmonat in zweisilbige Äußerungen "Mam-mam", "Ba-ba" übergehen. Die Kinder sollten auch dann auf eine Stimme reagieren, wenn sie den Sprecher nicht sehen. Beim geringsten Zweifel an der Hörfähigkeit des Kindes sollte der Arzt aufgesucht werden, damit eine professionelle Überprüfung des Gehörs in die Wege geleitet wird. Doch auch gut hörende Kinder können im Lauf ihrer Kindheit einen bleibenden Hörschaden bekommen. Ursachen können beispielsweise Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Keuchhusten oder eine Hirnhautentzündung sein. Jede bakterielle Infektion des Mittelohrs kann auf das Innenohr übergreifen und sogar zur Ertaubung des Ohres führen. Auch einige Antibiotika oder Ohrverletzungen können das Gehör bleibend schädigen. Bei Kindern, die häufig Mittelohrentzündungen haben, sollte man darauf achten, ob das Gehör sich nach der vorübergehenden Minderung wieder normalisiert. Bei Hörstörungen, die im Verlauf der Kindheit auftreten, vergeht noch mehr Zeit, bis sie erkannt werden: zwischen der ersten Vermutung und der Versorgung mit Hörsystemen sind es 14 Monate*.
Hörminderung versorgen
Wenn sich der Verdacht auf eine Hörminderung bestätigt, sollten nach medizinischer Abklärung umgehend Hörsysteme angepasst werden. Bei angeborener Hörminderung sollte dies möglichst innerhalb der ersten sechs Lebensmonate sein, in anderen Fällen, sobald das Hörproblem erkannt wurde. Denn diese Kinder sind auf eine optimale Versorgung mit Hörsystemen angewiesen. Die kindlichen Hörbahnen brauchen in den ersten Lebensjahren akustische Reize, um weiter reifen zu können. "In diesen sensiblen Phasen muss das Kind Hörerfahrungen sammeln können", so Prof. Annerose Keilmann von der Klinik für Kommunikationsstörungen in Mainz. "Jedes Kind bedarf eines ausreichenden akustischen Angebots, um eine möglichst normale Entwicklung durchlaufen zu können."
Fast jede Hörminderung lässt sich mit modernen Hörsystemen versorgen. Die fachkundige Anpassung und Betreuung übernehmen eigens dafür qualifizierte Hörgeräte-Akustiker. Bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit kann meist ein Cochlear Implantat helfen. Dieses künstliche Innenohr kann schon innerhalb des ersten Lebensjahres eingesetzt werden. Natürlich sollte auch bei Kindergarten- und Schulkindern darauf geachtet werden, ob sie gut hören. Nur selten ist ein Hörproblem so gravierend, dass es den Eltern sofort auffällt. Drei bis vier Prozent aller Kinder leiden an einer leichtgradigen Hörminderung, die in der Schule zu Verständnis- und Konzentrationsproblemen führen kann. Ein Hörtest schafft Klarheit.
*Ergebnisse der 8. bundesweiten Befragung der Bundesgemeinschaft der Eltern und Freunde hörgeschädigter Kinder.
Weitere Fragen beantwortet das kostenlose Beratungstelefon
Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr stehen Experten für die individuelle Beratung am Telefon bereit: Hörgeräte-Akustiker (0800 - 0112 112) und HNO-Ärzte (0800 - 0112 113). Die Anrufe sind gebührenfrei.
Am 28. Juni ist die Früherkennung von Hörproblemen bei Babys und Kindern das Schwerpunktthema: Hier beraten Pädakustiker. Das sind Hörakustiker-Meister, die in besonderer Weise für die Versorgung von Säuglingen und Kindern qualifiziert sind.
Die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) bietet das Beratungstelefon gemeinsam mit dem Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte und dem Deutschen Grünen Kreuz an.
Autor/Quelle: Fördergemeinschaft Gutes Hören
