Tastuntersuchungen der Brust - trotz Mammographie unverzichtbar

Seit einigen Jahren haben in Deutschland alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Anspruch auf ein von den Krankenkassen bezahltes Mammographie-Screnning. Sind Tastuntersuchungen der Brust durch das Röntgen überflüssig geworden?
Tastuntersuchungen überflüssig? – Experten beantworten diese Frage mit einem klaren Nein. Das Abtasten der Brust hat nach wie vor seine Berechtigung und sollte von jeder Frau regelmäßig und konsequent durchgeführt werden. Der Hauptgrund: Während der zweijährigen Screening-Intervalle können schnell wachsende Tumore entstehen; außerdem hat auch die Mammographie Schwächen.
Schwächen der Mammographie
In Abständen von zwei Jahren sollen spezielle Röntgenaufnahmen der Brust den Brustkrebs möglichst rechtzeitig entdecken. Doch selbst wenn sich die Frauen regelmäßig dieser Mammographie stellen, können sie sich nicht völlig auf die Früherkennung von Brustkrebs verlassen. Zwar lassen sich die meisten bösartigen Brusttumoren damit früher als bei der Tastuntersuchung finden. Doch es gibt auch extrem schnell wachsende Geschwülste, die zwischen zwei Mammographieterminen auftreten können. Diese lassen sich bei den regelmäßigen Tastuntersuchungen entdecken – sowohl (im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen) beim Frauenarzt als auch bei der monatlichen Selbstuntersuchung.
Außerdem ergibt bei sehr dichtem Brustgewebe die Röntgenuntersuchung häufig kein klares Bild. In diesem Fall muss sich die Frau durch das regelmäßige Abtasten (Palpation) der Brust absichern. Um sehr dichtes Brustgewebe beurteilen und unsichere Mammographie-Befunde abzuklären, dient die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) als wichtige ergänzende Maßnahme.
Darüber hinaus zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern, dass höchstens 70 % aller zum Mammographie-Screening eingeladenen Frauen regelmäßig an der Röntgenuntersuchung teilnehmen. Außerdem können aufgrund der festgelegten Altersgruppe nur etwa 45 % aller Frauen diese kostenlose Krebsfrüherkennung in Anspruch nehmen. Der Berufsverband der Frauenärzte fordert daher die Ausdehnung des Screenings auf Frauen ab 40 und mindestens bis zum 75. Lebensjahr.
Was bedeutet Früherkennung heute?
Die Krebsfrüherkennung bezieht sich nicht allein auf die Brust, sondern auch auf das äußere Genitale, die Scheide, die Gebärmutter, die Eierstöcke, und den Dickdarm ab 45. Jede Frau, die sorgfältig und verantwortungsbewusst mit sich selbst umgeht, nimmt die Selbstuntersuchung der Brust nach Anleitung durch den Frauenarzt mindestens einmal monatlich vor. Der beste Zeitpunkt für die Selbstuntersuchung liegt innerhalb der ersten zwei Wochen nach Beginn der Regelblutung – dann ist das Brustgewebe weich und meistens wenig druckempfindlich. Ab dem 20. Lebensjahr sollte diese Maßnahme für jede Frau zur Selbstverständlichkeit werden.
Einmal jährlich wird der Krebsabstrich mit der Vorsorgeuntersuchung, die auch das Abtasten der Brust enthält, beim Frauenarzt empfohlen. Eigenverantwortung bedeutet, auf die Signale des Körpers zu hören, jede Veränderung ernst zu nehmen und bei jeder Verunsicherung lieber einmal mehr frauenärztlichen Rat einzuholen.
Autor/Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e. V., überarbeitet: Dagmar Reiche

