Endometriose

Versprengtes Gewebe der Gebärmutterschleimhaut – schätzungsweise jede zehnte Frau in Deutschland leidet darunter. Trotzdem dauert es manchmal Jahre bis die richtige Diagnose gestellt wird. Endometriose leitet sich von Endometrium ab, der Bezeichnung für die Gebärmutterschleimhaut. Normalerweise kleidet diese Schleimhaut das Innere der Gebärmutter aus. Sie kann sich aber auch an anderen Stellen ansiedeln, beispielsweise in den Eileitern oder am Eierstock, im Bauchraum, aber auch tief in der Muskulatur der Gebärmutter. Andere Ort im Körper sind möglich, aber eher selten. Die Endometriose gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Frauen im geschlechtsreifen Alter. Etwa bei jeder dritten Frau, die ungewollt kinderlos bleibt, steckt sie als Ursache dahinter.
Auf- und Abbau in stetem Wechsel
Während der Kindheit ist das Endometrium ein ruhendes Gewebe. Erst mit dem Eintreten der Pubertät und dem zunehmenden Östrogenspiegel im Blut beginnt es zu wachsen, um die Gebärmutter auf die Einnistung eines Kindes vorzubereiten, bis es schließlich zur ersten Menstruationsblutung kommt, bei der die überflüssige Schleimhaut abgestoßen wird. Von da an ist das Endometrium einem ständigen Wechsel unterworfen. Unter dem Einfluss der Östrogene wird während jedes Menstruationszyklus die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut. Sie wächst durch ein Zusammenspiel von Östrogenen und Gestagenen immer weiter, bis sie schließlich zum Zeitpunkt des Eisprungs ausgereift ist. Sie ist nun bereit, ein Ei aufzunehmen. Wird jetzt das Ei befruchtet, kann es sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten und die Entwicklung eines neuen Lebens beginnt. Bleibt eine Befruchtung aus, dann benötigt der Körper diese Schleimhautschicht nicht mehr. Die Hormone fallen ab, die Schicht zerfällt und wird abgestoßen. Dadurch kommt es zu einer Blutung, danach beginnt der Aufbau der Schleimhaut erneut. Erst mit dem Eintreten der Wechseljahre und dem Abfall des Östrogenspiegels hört dieser Kreislauf schließlich auf. Auch die versprengten Endometriumherde reagieren wie die normale Gebärmutterschleimhaut auf die Hormone im Blut, verändern sie sich also während jedes Menstruationszyklus. Allerdings kann das dann gebildete Blut zur Abstoßung des Gewebes den Körper nicht wie normal durch die Scheide verlassen. Stattdessen fließt es beispielsweise in die Bauchhöhle. Von dort wird es zwar langsam vom Körper wieder aufgenommen, aber durch den immer wiederkehrenden Gewebezerfall außerhalb der Gebärmutter kommt es zu Reizungen und Entzündungen. Langfristig führt dies zu Verwachsungen und Veränderungen in den betroffenen Bereichen. Staut sich das Blut in einem Organ auf, führt dies etwa an den Eierstöcken zu so genannten Schokoladenzysten. Das sind mit geronnenem, alten Blut gefüllte Hohlräume, die bräunlich erscheinen – daher der Name.
Wie entstehen die Endometrioseherde?
Es gibt bis heute nur Theorien zur Entstehung einer Endometriose. Diskutiert wird beispielsweise, dass die Erkrankung die Folge eines unkontrollierten Wachstums ist, wodurch die Schleimhaut in die Tiefe der Gebärmuttermuskulatur hineinwächst oder auf andere Organe übergreift. Und es wird angenommen, dass durch einen Rückfluss des Menstruationsblutes Endometriumgewebe in den Bauchraum verschleppt werden kann und sich dann dort ansiedelt. Eine andere Hypothese geht davon aus, dass sich Zellen, die aus dem gleichen Urgewebe im Mutterleib hervorgegangen sind, in Endometrium umwandeln können und so zu einer Endometriose führen. Die Erkrankung tritt außerdem in machen Familien gehäuft auf, so dass eine erblcihe Komponente angenommen werden muss. Keine der derzeitigen Theorien kann jedoch alle Phänomene einer Endometriose hinreichend erklären.
Autor/Quelle: Dagmar Reiche

