Hirsutismus - Leben mit unerwünschter Körperbehaarung

Frauen mit Bärten galten schon vor langer Zeit als kuriose Laune der Natur. Oft wurden sie als "bärtige Damen" auf Jahrmärkten zur Schau gestellt und dem Spott anderer preis gegeben. Auch heute im 21. Jahrhundert können viele Betroffene kaum ein normales Leben führen. Sie verstecken sich, schämen sich für ihr Aussehen, ein normales Sexualleben ist für viele Betroffene von Hirsutismus nur ein unerfüllbarer Traum. Dabei ist Hirsutismus – ein hormonell bedingter übermäßiger Haarwuchs an bestimmten Körperpartien – ein medizinisches Problem, das durchaus zu behandeln ist.

Der schwere Gang zum eigenen Spiegelbild

Für Anja F. war ein Blick in den Spiegel lange Zeit eine schwere Prüfung. Auf der Oberlippe zeigte sich ein dunkler Damenbart, der Haaransatz zog sich langsam aber sicher immer weiter nach oben und hinten zurück. Am Körper nahm die Behaarung immer mehr zu: auf den Armen, auf der Brust, am Rücken. "Ich sehe aus wie ein hässlicher Mann", dachte Anja oft beim Blick in den Spiegel.

Zudem kämpfte sie mit allen möglichen Mitteln, Salben und Vitaminpräparaten gegen Akne, ein Hautproblem, das die meisten Menschen mit der Pubertät hinter sich lassen. Anja leidet unter Hirsutismus. Heute, mit 34 Jahren und unter der Therapie, die ihr Frauenarzt gemeinsam mit einem Hautspezialisten angeordnet hat, fühlt sich Anja endlich wohl in ihrer Haut.

Mit der Pubertät beginnt der Haarwuchs

Hirsutismus beginnt bei den meisten Betroffenen schleichend: Die ersten Zeichen zeigen sich in typischen Fällen während die Hormone ihre erste Wirkung entfalten und die Pubertät einsetzt. Die Zunahme unerwünschter Behaarung im Gesicht, Haarwuchs an den Beinen und oft sogar am ganzen Körper verstärkt sich im Laufe der Zeit.

Die Frauen haben das Gefühl, mit ihren Versuchen der Behandlung wie Enthaarungscremes oder dem Bleichen der Haare im Gesicht und an den Armen den Haarwuchs nur zu verstärken. Dies hat allerdings nichts mit dem Eingreifen der Betroffenen zu tun, sondern viel mehr mit der Wirkung der körpereigenen Hormone.

Wie der Körper jeder Frau so produzieren auch die Hormondrüsen der Hirsutismus-Patentinnen sowohl weibliches, als auch kleinste Mengen männliches Hormon (Testosteron). Die Ursachen des Hirsutismus liegen in 95 Prozent der Fälle im Bereich dieser hormonellen Steuerung. Dabei schüttet der Körper dieser Frauen nicht übermäßig viel Teststeron aus, wie die Medizin lange Zeit dachte. Vielmehr reagiert die Haut in solchen Fällen einfach ausgesprochen stark auf diese eigentlich normalen Testosteron-Mengen.

Hirsutismus: Körperbehaarung als Leidensfaktor

Die Folgen dieser übersensiblen Haut machen für die betroffenen Frauen oft das ganze Leben kompliziert. Gerade in einem Alter, in dem Mädchen lernen müssen, mit den körperlichen Folgen der Pubertät umzugehen und erste Erfahrungen mit der Sexualität machen möchten, werden Betroffene von Hirsutismus oft ins soziale Abseits gedrängt. Akne im Gesicht und starke Körperbehaarung, nicht nur in der Schamgegend, sondern auch an den Beinen, im Gesicht, in schlimmen Fällen sogar Haarwuchs auf Brust und Rücken machen einen entspannten Umgang mit der eigenen Körperlichkeit nahezu unmöglich.

Auch Anja erinnert sich: "Der Schulsport war die reinste Quälerei. Besonders die Sportarten, die wir mit den Jungs gemeinsam hatten." Die Akne, die oft neben dem Gesicht auch Brust und Rücken befällt, wird oft mit Hygienemängeln verwechselt. "Ich wurde gehänselt, ob ich mich nicht waschen könnte." Nie hätte Anja sich getraut, einen Jungen anzusprechen. In der Tanzstunde war es immer sie, die als Einzige ohne Tanzpartner sitzen blieb.

PCO Syndrom als eine der Ursachen

Doch der Hirsutismus ist kein Schicksal, das einfach hingenommen werden muss. Es gibt mehrere Behandlungsansätze, um dem Haarwuchs entgegen zu wirken. Als Erstes muss sichergestellt werden, dass die Probleme der Patientin wirklich von einer übermäßigen Reaktion auf normale Testosteron-Mengen stammt. Ein einfacher Bluttest kann dies belegen. Anja leidet unter der zweithäufigsten Ursache für Hirsutismus: dem so genannten Polyzystische Ovarsyndrom (kurz: PCO Syndrom, PCOS). Diese Fehlfunktion der Eierstöcke kann in einer frauenärztlichen Untersuchung mit Ultraschall festgestellt werden.

Wie bei Anja geht das PCO Syndrom (PCOS) oft mit Übergewicht und Störungen des Stoffwechsel Hand in Hand. Die Überempfindlichkeit und das PCO Syndrom (PCOS) zusammen machen rund 95 Prozent aller Fälle von Hirsutismus aus. Oft tritt dieses Krankheitsbild auch in den Wechseljahren auf, wenn die eigene Hormonproduktion nachlässt. Andere Ursachen, zum Beispiel ein Hirustismus, der in der Schwangerschaft auftritt, oder Zubildungen, die Hormone produzieren, sind ausgesprochen selten.