Keine Chance dem Eva-Infarkt: Initiative Frauenherz gegründet

"An einem Herzinfarkt sterben in Deutschland weit mehr Frauen als an Brustkrebs", so Thomas Wendt, Leitender Arzt des Reha-Zentrums der BfA in Bad Nauheim. "Über ihre besondere Infarktgefährdung wissen die Frauen jedoch viel zu wenig".
Der Herzinfarkt wird noch immer als typische Männerkrankheit angesehen. Das belegt eine Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der Initiative Frauenherz bei 531 Frauen zwischen 45 und 75 Jahren. Danach betrachten 61 Prozent den Herzinfarkt als typisch männliches Problem und wissen nicht, dass Frauen häufiger daran sterben als Männer. "Vier von fünf Frauen gehen davon aus, dass sie die gleichen oder sogar bessere Chancen haben, einen Infarkt zu überstehen", erläuterte Professor Bernd Tischer vom Emnid-Institut in Pullach. Auch das ist ein Irrtum: Tatsächlich sind ihre Überlebenschancen deutlich geringer.

Woran der Eva-Infarkt zu erkennen ist

"Der Hauptgrund für die höhere Sterblichkeit von Frauen sind die eher untypischen Anzeichen des weiblichen Herzinfarktes", erklärte Professorin Verena Stangl von der Charité Berlin. Die betroffenen Frauen, aber auch manche erstbehandelnden Ärzte, deuten die Beschwerden teilweise falsch. "Die besonderen Symptome des weiblichen Infarktes sind zu wenig bekannt", so die Herzspezialistin. Dies bestätigt auch die Emnid-Studie: Die Mehrheit der Frauen nennt Anzeichen wie Engegefühl in der Brust und ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm. Dazu Stangl: "Bei vielen Frauen treten diese Beschwerden jedoch überhaupt nicht auf."

Frauen klagen häufiger über weniger eindeutige Symptome, sind öfter kurzatmig und ungewöhnlich müde, fühlen sich schwach, leiden unter anhaltenden Schlafstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Diesen Symptomenkomplex bezeichnen die Experten als "Eva-Infarkt". Seine Mehrdeutigkeit hat für Frauen fatale Konsequenzen: Sie kommen zu spät oder gar nicht in die Klinik. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, die oft über Leben und Tod entscheidet.

Besondere Risikofaktoren

Dass Frauen besondere Risiken für eine Herzkreislauferkrankung haben, wissen laut Emnid-Umfrage lediglich zwei Prozent. Ihnen sind zwar allgemeine Risiken wie Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht oder Stress bekannt, nicht aber, dass einige Faktoren für Frauen besonders bedeutsam sind. Als Beispiel nennt Verena Stangl die Zuckerkrankheit: "Frauen, die an Diabetes mellitus leiden, haben verglichen mit zuckerkranken Männern ein dreifach erhöhtes Risiko, eine Herzkreislauferkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden."

Bessere Aufklärung

Frauen, aber auch Ärzte über die Besonderheiten des weiblichen Herzens und der Herzkreislauferkrankungen bei Frauen aufzuklären, ist das Ziel der Initiative Frauenherz, zu der sich ein fachübergreifendes Team aus Herzspezialisten in Kliniken und Reha-Einrichtungen, Hausärzten, Ernährungs- und Sportmedizinern zusammengeschlossen hat. "Wir wollen den Dialog zwischen behandelnden Ärzten und Patienten fördern und langfristig dazu beitragen, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate zu senken", sagte Professor Heinz Völler, Ärztlicher Direktor der Klinik am See in Rüdersdorf bei Berlin.
Zu den Schwerpunkten der Initiative Frauenherz zählt die Prävention. Frauen sollen ausführlich darüber informiert werden, was sie tun können, um sich besser vor dem "Eva-Infarkt" zu schützen. Im Mittelpunkt einer wirksamen Vorbeugung stehen ein gesunder Lebensstil und die Reduktion von Risikofaktoren, etwa das Rauchen aufzugeben oder sich mehr zu bewegen und Übergewicht abzubauen. "Schon mit 30 Minuten aktiver täglicher Bewegung können Frauen ihr Herzinfarktrisiko um 30 Prozent senken", so Völler.

Herzgesunde Ernährung

Von entscheidender Bedeutung ist es auch, sich gesund zu ernähren. "Eine herzgesunde Ernährung", erläuterte Ernährungsmedizinerin Professor Christine Metzner vom Universitätsklinikum Aachen, "ist ausgewogen, abwechslungsreich, enthält ausreichend Gemüse, vor allem grünblättrige, und Obst, Seefisch, mageres Fleisch, Vollkorn- und Sojaprodukte." Wichtig seien ungesättigte Fettsäuren vor allem pflanzlichen (zum Beispiel Rapsöl) und maritimen Ursprungs (Omega-3-Fettsäuren, zum Beispiel aus fettem Seefisch) sowie eine optimale Zufuhr von Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe).