Übergewicht und Adipositas - Vorbeugung und Therapie beim Frauenarzt

Die Bundesregierung hat im Juni 2008 den Nationalen Aktionsplan "IN FORM“ beschlossen. Damit will sie bis 2020 "sichtbare Erfolge im Kampf gegen Überernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Adipositas und damit zusammenhängende Krankheiten“ erzielen. Trotz einer Unzahl von Ernährungsempfehlungen und mindestens 160 gängigen Diätvorschlägen von A wie Ananas bis Z wie Zitrone sind die Bundesbürger mittlerweile zu den dicksten Menschen in Europa avanciert.
Knapp drei Viertel der Männer und fast die Hälfte der Frauen sind übergewichtig und mindestens jeder fünfte Erwachsene gilt als adipös. Änderungen des Lebensstils tun Not, denn die Folgekosten durch weitgehend hausgemacht. Erkrankungen belaufen sich bereits auf 30% aller Gesundheitsausgaben und somit auf mindestens 70 Milliarden Euro im Jahr.
Aufklärung und Motivation statt Verbote
Die hinlänglich bekannten Empfehlungen zur Therapie und Prävention von Übergewicht und Adipositas lassen sich kurz und knapp zusammenfassen: Weniger und gezielter essen sowie mehr bewegen.
Allerdings übersteigt dieser Hinweis zur Kurskorrektur eines krank machenden Lebensstils vielfach die Möglichkeiten derjenigen, die zu viele Pfunde mit sich herumschleppen. Letztendlich haben pauschale Kampagnen und Aktionspläne zur Änderung der Essgewohnheiten bisher nicht wirklich etwas gebracht, denn Erwachsene lassen sich ungern erziehen und belehren, wie viel Wurst und Butter auf dem Frühstücksbrot liegen dürfen. Das evolutionär geprägte Essverhalten wird von Augen, Mund und Nase und nicht über den Kopf gesteuert. Wer die Motivation für eine gesunde Lebenswelt langfristig in die Tat umsetzen möchte, benötigt als Partner Ärzte mit ernährungsmedizinischen Kenntnissen. Niemand kann heute die Betroffenen mit dem abgegriffenen Hinweis zur Eigenverantwortung abspeisen oder Diäten mit 1.000 - 1.200 kcal/Tag empfehlen, die mit einem spürbaren Verlust an Lebensqualität verbunden sind, demotivierend wirken und einen dauerhaften Erfolg in Frage stellen. Was bedeutet schon der Begriff ausgewogene Ernährung, wenn ein durchschnittlicher Supermarkt mehr als 30.000 Artikel anbietet und die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe viel zu klein gedruckt und obendrein noch unverständlich ist?
Wichtig wäre, z.B. das bereits praktizierte britische Ampelsystem zu übernehmen, bei dem auf der Tiefkühlpizza bis hin zum Bio-Hähnchen Farbwappen kleben, die den Fett- Zucker und Energiewert erklären.
Von Kindesbeinen an essen Männer und Frauen unterschiedlich
Die Nationale Verzehrstudie (NVS, II) beweist, dass Männer gern große Fleisch- und Wurstportionen essen und ihr Brot lieber mit Fettigem belegen als Frauen. Die meisten von ihnen verschmähen Obst und Gemüse nicht grundsätzlich, jedoch haben Frauen bei diesen Lebensmitteln die Nase vorn. Von wegen "five a day", die Hälfte bis zwei Drittel aller Bundesbürger essen deutlich weniger als dreimal täglich eine Portion Obst und Gemüse. Auch Seefisch wird von den Wenigsten zweimal wöchentlich konsumiert. Physiologisch betrachtet ist es sinnvoll, dass Frauen anders essen als Männer. Bedingt durch die geringere Muskelmasse hat das weibliche Geschlecht einen niedrigeren Grundumsatz. Das bedeutet: Frauen verbrauchen in Ruhe weniger Energie. Zudem sind sie vielfach kleiner und leichter.
Unabhängig davon brauchen sie jedoch die gleiche Menge an Vitaminen sowie Mengen- und Spurenelemente aus Mineralmaterie wie die Männer. Dazu sagt Prof. Dr. Günther Wolfram von der TU München: "Frauen müssen mehr hochwertige Lebensmittel essen mit einem hohen Anteil an Vitaminen und weniger Kalorien." Letztendlich wird der Bedarf an Kalzium und Pantothensäure (Vitamin B5) in unseren Breiten nur zu fünf Sechstel über die Nahrung gedeckt. Von vielen anderen Vitaminen und Mineralien nehmen Frauen sogar nur die Hälfte der benötigten Menge auf. Besonders wichtig ist die optimale Versorgung mit Mikronährstoffen vor und während der Schwangerschaft. Dies gilt insbesondere für Folsäure, Jod und Vitamin D3 sowie ungesättigte Fettsäuren.
Autor/Quelle: Berufsverband der Frauenärzte e.V.

