Der erste Besuch beim Frauenarzt - Junge Patientinnen brauchen einfühlsame Beratung

In Frauenarzt-Praxen, die spezielle Angebote für Mädchen haben, fühlen sich junge Patientinnen deutlich wohler. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Online-Umfrage der Initiative Mädchen-Sprechstunde bei mehr als 2.000 Teenagern: Die Ärztin bzw. der Arzt hat mehr Zeit, die Praxis-Atmosphäre ist angenehmer und "schwierige" Themen rund um Liebe, Sexualität und Hygiene lassen sich leichter ansprechen. Auch in punkto Verhütung sind die Mädchen besser informiert.
Jedes Mädchen hat es irgendwann vor sich: Den ersten Besuch beim Frauenarzt. Ein Thema, dass auch bei Teenagern von heute noch immer Herzklopfen verursacht und mit vielen Fragezeichen besetzt ist. Besonders der Gedanke an die erste gynäkologische Untersuchung löst oft Unsicherheit und Ängste aus.
Mit welchen Wünschen und Erwartungen die Jugendlichen das erste Mal eine Frauenarzt-Praxis aufsuchen und wie sie ihren ersten Besuch beurteilen, hat die Initiative Mädchen-Sprechstunde in einer großen Online-Befragung bei 2.177 Mädchen (Alter: bis 19 Jahre) auf der Website www.maedchensprechstunde.de untersucht und ausgewertet. Die ausführlichen Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift "Frauenarzt" (Ausgabe 04/2006) veröffentlicht.
Spezielle Mädchen-Angebote hoch im Kurs
Jugendliche, die bei ihrem ersten Frauenarzt-Besuch eine spezielle Mädchen-Sprechstunde und/oder eine Praxis mit Info-Material der Initiative Mädchen-Sprechstunde aufgesucht hatten, waren im Durchschnitt deutlich zufriedener als Besucherinnen einer "normalen" Praxis ohne spezielle Angebote für Mädchen. Vor allem die Verhütungsberatung, die Mitgabe von Info-Material, die Praxis-Atmosphäre und die Zeit, die sich die Ärztin bzw. der Arzt genommen hatte, bewerteten die Mädchen positiver. Schambesetzte Themen wie Liebe und Sexualität, sexuell übertragbare Krankheiten oder die Verwendung von Tampons wurden in diesen Praxen häufiger besprochen.
Der Beratungsbedarf ist groß
Verhütungsberatung und Beschwerden waren die Hauptgründe für den ersten Besuch beim Frauenarzt. Laut Umfrage können sich Jugendliche, die noch nicht beim Frauenarzt waren, aber auch konkrete Fragen zur körperlichen Entwicklung oder ein allgemeines Info-Gespräch als Anlass vorstellen, um erstmalig eine gynäkologische Praxis aufzusuchen. Die Mehrzahl der jungen Mädchen möchte sich beim ersten Mal lieber bei einer Frauenärztin vorstellen und ein Drittel würde gerne eine spezielle Sprechstunde für Mädchen besuchen. Diese Praxen sind aber noch in der Minderheit: Nur acht Prozent der Jugendlichen, die den ersten Frauenarzt-Besuch bereits hinter sich hatten, gaben an, dass sie in einer Mädchen-Sprechstunde waren und etwas mehr als 20 Prozent in Praxen mit dem Info-Material zur Initiative Mädchen-Sprechstunde. Von den restlichen Befragten hätten rückblickend vor allem die ganz jungen Patientinnen (bis 15 Jahre) gerne solche speziellen Gesprächsangebote wahrgenommen. Es stellte sich heraus: je jünger die Mädchen sind, desto größer ist der Wunsch nach solchen Angeboten.
Das "Erste Mal" – oft ungeschützt
Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche unter Minderjährigen ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Den großen Bedarf nach Aufklärung und Verhütungsberatung in dieser Altersgruppe bestätigt auch die Online-Befragung: Rund 38 Prozent der Mädchen hatten bereits Geschlechtsverkehr. Davon hatte jedoch nur ein Drittel vor dem "ersten Mal" eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt aufgesucht. Bei den restlichen Befragten, die keine Praxis aufgesucht hatten, wurde oft gar nicht verhütet. Besonders kritisch stellt sich die Situation bei den ganz jungen Mädchen (< 14 Jahre) ohne Frauenarzt-Besuch dar: Hier hatten 70 Prozent beim "ersten Mal" keinen oder nur einen sehr unzureichenden (Coitus interruptus) Verhütungsschutz.
Die Initiative Mädchen-Sprechstunde
Bei Themen wie Sexualität, Verhütung und die eigene körperliche Entwicklung sind junge Mädchen auf der Suche nach einer vertrauenswürdigen Beratung, die ihnen Orientierung und Handlungskompetenz vermittelt. Frauenärzten/innen können kompetente und einfühlsame Betreuung bei den Mädchen leisten. Besonders ganz junge Patientinnen wünschen sich Gesprächsangebote, die an ihre speziellen Bedürfnisse angepasst sind.
Bewährt hat sich bisher das Konzept der Initiative Mädchen-Sprechstunde, die gynäkologische Praxen darin unterstützt, auf die besonderen Bedürfnisse der jungen Mädchen einzugehen. Neben bundesweiten Fortbildungsveranstaltungen für Gynäkologen/innen und speziellem Info-Material bietet die Initiative auch eine eigene Website an (www.maedchensprechstunde.de). Hier können sich Jugendliche über den Besuch beim Frauenarzt informieren und nach Adressen von Frauenarztpraxen mit speziellen Angeboten für Mädchen suchen.
Autor/Quelle: Quelle: Grünenthal GmbH
