Untersuchungen beim Frauenarzt - Grunddiagnostik

Die Grunddiagnostik

Die körperliche Untersuchung erfolgt auf dem berühmt-berüchtigten gynäkologischen Stuhl. Auch wenn seine Form eher abschreckt und er - v.a. durch seine Beinhaltevorrichtungen – vielen Frauen ein Gefühl des Ausgeliefertseins vermittelt, ermöglicht er sowohl dem Untersucher als auch der Patientin so die bestmögliche Position in dieser Situation: Die Bauchdecke wird durch die leichte Erhöhung des Oberkörpers entlastet und dadurch weich und gut tastbar, die Polsterung des Stuhls auch im Rückenbereich wirkt einem Hohlkreuz entgegen und unterstützt die Patientin dabei, möglichst zu entspannen, und das Spreizen der Beine gibt dem Arzt die Möglichkeit, die Vaginalregion gut einsehen und abtasten zu können. Unmittelbar vor Beginn der Untersuchung sollte die Patientin noch einmal die Toilette aufsuchen – nur bei einer entleerten und damit kleinen Harnblase kann der Arzt die Region richtig beurteilen.

Untersuchungen mit dem Spekulum

Zunächst wird der Arzt nach äußerlich sichtbaren Krankheitszeichen suchen (Inspektion), z.B. Rötungen, kleine Pusteln oder Schleimabsonderungen an den äußeren Geschlechtsteilen. Dann spreizt der Arzt mit zwei Fingern vorsichtig die Schamlippen und begutachtet die Innenseite der Vagina (Scheide). Anschließend führt er das Spekulum (Scheidenspiegel) ein. Dies ist ein Untersuchungsinstrument aus Metall, mit dem die Scheide etwas aufgespreizt wird und so Scheidenwand und Gebärmutterhals beurteilt und - z.B. im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung - Abstriche für die mikroskopische Untersuchung entnommen werden können. Je nach Fragestellung kann der Arzt im gleichen Untersuchungsgang ein Kolposkop benutzen, eine Lupe mit Lichtquelle, die vor dem Scheideneingang platziert wird und mit der sich die inneren Strukturen in 10-40facher Vergrößerung beurteilen lassen. Bei speziellen Untersuchungen wie dem Essigsäuretest wird die Schleimhaut mit einer Tinktur benetzt und verfärbt sich dann je nach Zellart. So lassen sich verdächtige Bezirke besonders gut darstellen und daraus Gewebeproben entnehmen. Da die Spekulumgröße ja nach Größe der Scheide ausgewählt wird, sind diese Untersuchungen normalerweise nicht schmerzhaft, allenfalls unangenehm. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es der Patientin gelingt, ihren Beckenbodenbereich zu entspannen.

Tastuntersuchung

Im nächsten Schritt erfolgt das Abtasten (Palpation) der inneren Geschlechtsorgane mit zwei Händen ("bi-manuell"). Dazu werden - je nach Scheidengröße - nur der Zeigefinger oder Zeige- und Mittelfinger der einen Hand (mit Handschuh und Gleitgel) in die Scheide eingeführt, mit der anderen Hand drückt der Arzt von außen oberhalb des Schambeins dagegen. So kann er zwischen seinen Händen die Scheide, den Gebärmutterhals, die Gebärmutter und die Eileiter tasten. Diese bimanuelle Palpation empfinden viele Patientinnen als unangenehmen Druck; schmerzhaft sollte sie allerdings nicht sein. Im Rahmen der Krebsfrüherkennung kann der Arzt auch noch eine rektale Tastuntersuchung anschließen, bei der durch Abtasten des Enddarms dort lokalisierte Tumoren entdeckt werden können. Auch lassen sich durch die gleichzeitige Untersuchung von Enddarm und Scheide mit jeweils einem Finger die Haltebänder der Gebärmutter und der Beckenwand gut beurteilen (bidigitale rektovaginale Untersuchung).
Während der Schwangerschaft kann der Arzt mit bestimmten Handgriffen (Leopold-Handgriffe) von außen den Bauch abtasten und so verschiedene Informationen z.B. über Lage und Größe des Kindes gewinnen. Daneben untersucht er auch von der Scheide und - später - vom Darm aus.

Brustuntersuchung (Mammadiagnostik)

Bestandteil der frauenärztlichen Untersuchung vor allem im Hinblick auf die Krebsfrüherkennung ist die Berteilung der Brüste mittels Anschauen (Inspektion) und Abtasten (Palpation). Geachtet wird u.a. auf die Symmetrie der Brüste, die Haut, die Brustwarzen, Absonderungen, Knoten oder Verwachsungen, fehlende Beweglichkeit beim Anheben der Arme, Druckschmerzhaftigkeit und Lymphknotenvergrößerungen. Je nach Bedarf können sich bildgebende Verfahren wie Mammografie, Ultraschalluntersuchung oder Kernspintomografie anschließen.

 
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