Kardiovaskuläre Vorsorge in den Wechseljahren - Kurskorrektur des Lebensstils

Kurskorrektur des Lebensstils

Rechtzeitige und konsequente Änderungen eines krank machenden Lebensstils wirken sich schlicht und einfach als die beste nicht-medikamentöse vorbeugende Risikominderung aus. Empfehlenswert ist eine maßvolle und ausgewogene Ernährung, die reichlich Obst und Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte enthält. Vitamine der B-Gruppe sind "Nervennahrung“. Sie wirken sich beruhigend während der Wechseljahre aus und sind z.B. in Hefeflocken und Vollkornprodukten enthalten. Für Frauen, denen eine konsequente Nahrungsumstellung nicht machbar erscheint, gibt es eine Reihe guter orthomolekularer Nahrungsergänzungsmittel, deren Einnahme mit dem Frauenarzt erörtert werden sollte. Zwei- bis dreimal in der Woche 30 Minuten Ausdauersport wirken sich mit der Gewichtsabnahme auf Bluthochdruck, überhöhte Glukosewerte, Insulinresistenz und niedriges HDL günstig aus. Durch nicht-medizinische Maßnahmen ist meistens ein LDL-Anstieg kaum zu verhindern. Er wird dem Alterungsprozess zugeordnet. Erhöhte LDL-Werte zählen noch vor sehr niedrigem HDL zu den gefährlichsten Risikofaktoren.
Nikotinabstinenz, Alkoholgenuss in kleinen Mengen, ausreichend Schlaf und die Pflege sozialer Kontakte gelten ebenfalls als empfehlenswerte Herzpflege.

Was können Medikamente und Hormone leisten?

Neben der Behandlung mit Antihypertensiva und/oder Lipidsenkern macht Professor Dr. Alfred Mueck, Universitätsklinik Tübingen, auf folgende Therapie aufmerksam: "Bei frühem Beginn einer Hormonersatztherapie (HRT) mit Östrogenen bei Einsetzen der Wechseljahre ist bei Frauen eine Primärprävention der koronaren Herzkrankheit (KHK) möglich“. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Women`s Health Initiative (WHI) hin. Die Studie zeigte, dass bei Frauen unter 60 Jahren das Infarktrisiko um 44% und die Kalzifizierung der Herzkranzgefässe um 50% gesenkt werden konnte. Die Situation bei späterem Beginn der HRT nach der Menopause ist dagegen weniger eindeutig. Mit kombinierter Hormonersatztherapie stieg das Risiko für Herzinfarkte nur bei den wenigen Frauen, die erst 20 Jahre nach der Menopause erstmalig behandelt wurden. Eine andere Studie zeigte, dass postmenopausale Frauen nach einem Herzinfarkt bezogen auf KHK nicht von der Hormontherapie profitierten. Das heißt: "Bei bereits bestehender Arteriosklerose – so Professor Mueck – sei also kein Nutzen zu erwarten“.
Östrogene können das Gesamtcholesterin, HDL und LDL günstig beeinflussen. Muecks Empfehlung lautet daher: Bei kardiovaskulären Risiken mit einer HRT früh zu beginnen, sofern die vorangegangene Risikoanalyse das empfehlenswert erscheinen lässt. Wichtig ist hierbei, die Dosierung mit dem Frauenarzt/ der Frauenärztin genau festzulegen und eine regelmäßige Überwachung zu garantieren. Selbst bei frühem Beginn der Hormongabe bleibt das Risiko einer Thrombose und/oder Embolie bestehen. Eine besondere Risikogruppe sind nach Professor Mueck postmenopausale Bluthochdruckpatientinnen mit ausgeprägtem klimakterischen Beschwerdebild. Hier ist insbesondere das Schlaganfallrisiko keinesfalls zu unterschätzen.

 
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