Wechseljahre (Klimakterium): Beschwerden und Ursachen
Die Wechseljahre sind ein physiologischer Umstellungsprozess. Die massiven Schwankungen des Östrogenspiegels äußern sich oft als Unregelmäßigkeiten in der Temperaturregulierung und werden in Form von Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Rotwerden wahrgenommen. Daneben können vegetative Veränderungen auftreten, also Veränderungen im Bereich des Nervensystems, welches nicht willentlich gesteuert wird und Lebensfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel reguliert.
Progesteron und Östrogene üben einen entgegen gesetzten Einfluss auf das vegetative Nervensystem aus. Bei vielen Frauen geht das sich stets verändernde Konzentrationsverhältnis der Hormone mit Herzrasen, gesteigerter Nervosität, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen einher. Die echten Östrogenmangel-Symtome treten erst in der Postmenopause auf. Sie betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane, die Hauptzielorgane der Östrogene und können sich als trockene Scheide, Blasenschwäche und veränderte Sexualität zeigen. Wie häufig die unterschiedlichen Wechseljahresbeschwerden auftreten, ist in folgender Tabelle aufgeführt:
| Häufigkeit klimakterischer Beschwerden bei Frauen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren | Prozent |
| Nervosität, Reizbarkeit | 90% |
| Müdigkeit, Lethargie, Leistungsabfall | 80% |
| Hitzewallungen, Schweißausbrüche | 70% |
| Depressive Verstimmung, Weinkrämpfe | 70% |
| Kopfschmerzen | 70% |
| Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche | 65% |
| Gewichtszunahme | 60% |
| Schlafstörungen | 50% |
| Gelenk- und Muskelschmerzen | 50% |
| Obstipation | 40% |
| Herzbeschwerden | 40% |
| Libidoverlust (verminderte sexuelle Lust) | 30% |
| Parästhesie (Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl) | 25% |
| Schwindel | 20% |
Die charakteristischen Wechseljahresbeschwerden sind nicht nur hormonell zu erklären. Zwar spiegeln Stimmungsschwankungen tatsächlich auch die Berg- und Talfahrt der Hormonkonzentrationen wider, doch sind die Ursachen vielfältiger. Individuelle Konstitution, familiäre Situation, aber auch Lebensgeschichte und sozio-ökonomische Faktoren sind mitbestimmend, wie Frauen die klimakterische Übergangsphase individuell erleben und bewältigen. Zusätzlich zu den körperlichen Veränderungen, die häufig mit einer besonderen seelischen Empfindsamkeit verbunden sind, ist die Phase der Wechseljahre eine Zeit, in der viele Einschnitte in der persönlichen und familiären Umgebung erfolgen. Einige Beispiele hierfür sind:
- Die Kinder gehen aus dem Haus (Leeres Nest-Syndrom)
- Eltern werden krank, pflegebedürftig oder sterben
- Krisen in der Partnerschaft
- Probleme beim Wiedereinstieg in den Beruf(Veränderung/Weiterentwicklung des Arbeitsplatzes)
- "Altersbedingte" Schwierigkeiten beim Jobwechsel
Dass sich solche Faktoren auf die psychische Gesundheit auswirken, belegt die Arbeitsunfähigkeitsstatistik: Während bei allen anderen Krankheitsarten die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) rückläufig sind, steigen diese bei Krankheiten, die die Psyche betreffen, an – in 2004 im Vergleich zu 1994 um fast die Hälfte auf 144,7 Prozent. Dabei ist nachgewiesen, dass psychische Erkrankungen bei Frauen (Rang 3 der AU-Tage) häufiger vorkommen als bei Männern (Rang 6).
Autor/Quelle: Care for Women Deutschland GmbH / Überarbeitung: Nathalie Blanck


