Wechseljahre (Klimakterium): Hormontherapie
Der Bedarf an professioneller Hilfe bei Wechseljahresbeschwerden ist groß. Nahezu drei Viertel der betroffenen Frauen sucht aus diesem Grund einen Frauenarzt auf. Die Anzahl der Besuche nimmt sowohl mit der Vielfalt als auch mit der Intensität der Beschwerden kontinuierlich zu.
Fester Bestandteil einer Behandlung der Beschwerden sind die so genannten nicht-medikamentösen Maßnahmen:
- Umstellung auf eine gesunde Ernährung mit wenig Koffein, Alkohol und Nikotin
- Stressvermeidung und mehr Bewegung
- Bewusstes Entspannen z. B. mit Yoga, Akupunktur etc.
Diese Maßnahmen dienen außerdem dem Erhalt von Gesundheit und Wohlbefinden auf lange Zeit.
Hormontherapie
Wenn in erster Linie die nachlassende Hormonproduktion in den Wechseljahren für die körperlichen und seelischen Beschwerden verantwortlich ist, erscheint es sinnvoll und logisch, diese fehlenden Hormone zu ersetzen, um so durch die Hormongabe lästige Beschwerden zu bekämpfen. Eingesetzt werden überwiegend Kombinationspräparate mit einer Östrogen- und einer Gestagenkomponente. Reine Östrogenpräparate werden heute in der Regel nur bei Frauen verordnet, denen die Gebärmutter operativ entfernt wurde. Um die Therapie zu individualisieren, sollte zunächst berücksichtigt werden, in welcher Phase der Wechseljahre sich die Frau befindet.
Studienergebnisse aus den USA und die darüber in den Medien entfachte Diskussion über das Verhältnis von Nutzen und Risiken der Hormon-Ersatztherapie hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veranlasst, folgende Einsatzgebiete und Einsatzbedingungen für die Hormon-Ersatztherapie mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen zu veröffentlichen:
- Bei Wechseljahresbeschwerden: nur bei ausgeprägtem individuellen Leidensdruck, nur nach Ausschluss von Risikofaktoren (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, venöse thromboembolische Komplikationen, Krebs) sowie nach Aufklärung der Patientinnen über die möglichen Risiken; Anwendungsdauer so kurz wie möglich (z. B. 1 bis 2 Jahre und ggf. Auslassversuche); die Östrogen-Dosis ist so gering wie möglich zu wählen.
- Zur Vorbeugung der Osteoporose sollten Östrogen-Gestagen-Kombinationen bei postmenopausalen Frauen nicht mehr eingesetzt werden; bei Frauen mit erhöhtem Osteoporose-Risiko sollten andere zur Verfügung stehende Optionen als Alternative in Betracht gezogen werden.
- Bei Rückbildungserscheinungen an den Harn- und Geschlechtsorganen: topische (auf der Haut) anzuwendende Medikamente wie Pflaster oder Gels in Betracht ziehen.
Zum Thema Schutzfunktion für das Herz-Kreislauf-System stellt das BfArM fest, dass die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten der in Deutschland gebräuchlichen Östrogen-Gestagen-Kombinationen zählt. Aufgrund der aktuellen Datenlage sei die Behandlung zum Zweck der Vorbeugung nicht gerechtfertigt.
Nebenwirkungen einer Hormontherapie
Mögliche Nebenwirkungen sind Thrombosen, Gewichtszunahme, Bluthochdruck, ein erhöhtes Risiko von Gebärmutter- bzw. Brustkrebs (nur bei alleiniger Östrogengabe bei Frauen, deren Gebärmutter noch vorhanden ist), Hautreaktionen, Brustspannungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Leberfunktionsstörungen und gastrointestinale Beschwerden. Als wichtige Kontraindikationen, die einer Hormon-Ersatztherapie entgegenstehen, gelten insbesondere schwere Lebererkrankungen, ein erhöhtes Thromboserisiko, vorausgegangene oder bestehende Thrombosen oder Embolien, östrogenabhängige Tumoren, Endometriose, Diabetes mellitus mit manifesten Gefäßschäden und ein schwer einstellbarer Bluthochdruck.
Autor/Quelle: Care for Women Deutschland GmbH / Überarbeitung: Nathalie Blanck


