Wechseljahre - Komplikationen und Therapie

Postmenopausal - also nachdem die Zeit der Regelblutung zu Ende gegangen ist - steigt das Risiko für Erkrankungen wie Osteoporose, Herz- und Gefäßerkrankungen, Altersdiabetes oder Brustkrebs an.
Verändertes Risikoprofil
Osteoporose
Bei der Inzidenz Osteoporose-typischer Knochenbrüche sind eindeutige Geschlechtunterschiede zu erkennen: Frauen haben ein zwei- bis dreifach höheres Frakturrisiko als Männer. Die Frakturraten steigen expoentionell im höheren Lebensalter an. Östrogene begünstigen den Aufbau von Knochensubstanz, indem sie den Knochenstoffwechsel anregen. Sind nach der Menopause weniger Östrogene vorhanden, ist der Gesamteffekt um den entsprechenden Faktor vermindert.
Herz- und Gefäßerkrankungen
Auch das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen nimmt altersabhängig zu, wenn weniger natürliche Östrogene im Blut zirkulieren. Östrogene schützen die Gefäße, weil sie den Anteil des "guten" HDL-Cholesterins (High Density Lipoprotein) erhöhen, was Arteriosklerose und Herzinfarkt vorbeugt. In Deutschland sterben jährlich 240.000 Frauen und 167.000 Männer an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Bei Frauen stellen sie zahlenmäßig die Hauptursache schwerwiegender Erkrankungen und jede zweite Todesursache dar. Frauen in der Postmenopause sind häufiger betroffen als Frauen vor den Wechseljahren. Der gefäßschützende Effekt kann nur bei körpereigenen Östrogenen nachgewiesen werden. Die Einnahme von synthetischen Östrogenen beugt Herz- und Gefäß-Erkrankungen nicht vor. Hingegen wurde sogar die WHI-Studie (Women’s Health Initiative), eine breit angelegte Untersuchung zur Hormontherapie, die eigentlich zum positiven Nachweis dieser Therapieform durchgeführt wurde, abgebrochen. Unter Östrogentherapie erhöhte sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Körpergewicht
Der veränderte Fettstoffwechsel beeinflusst auch das Körpergewicht, da der Kalorienbedarf in den Wechseljahren sinkt. Ändern die Betroffenen nicht ihre Ernährungsgewohnheiten oder erhöhen den Energieverbrauch, indem sie sich mehr bewegen, nehmen sie an Gewicht zu. Während beispielsweise in Nordrhein-Westfalen 22,8 Prozent der Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren übergewichtig sind (Body Mass Index, BMI > 29), ist dies bei 31,1 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und bei 38,0 Prozent der 60- bis 69-Jährigen der Fall. Das Risiko, einen Altersdiabetes zu entwickeln, erhöht sich.
Brustkrebs
Brustkrebs ist bei Frauen in Deutschland das häufigste Krebsleiden und die häufigste Krebstodesursache. Statistisch ist jede achte bis zehnte Frau im Laufe ihres Lebens betroffen, das durchschnittliche Alter bei der Erstdiagnose liegt bei 63 Jahren. Nach den aktuellsten Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkranken in der Bundesrepublik jährlich über 47.300 Frauen an Brustkrebs, davon etwa 19.300 im Alter unter 60 Jahren. Fehler in der Zellteilung werden mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher. Familiäre Vorbelastung, Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht sind relevante Faktoren, die das Erkrankungsrisiko vergrößern. Ebenso führt die Hormontherapie zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko. Die Million Women Study, bei der eine Million Britinnen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren zu ihrem Gebrauch von Sexualhormonen befragt wurden, wies eindeutig nach, dass durch eine Hormonbehandlung das Risiko für Brustkrebs im Verhältnis zur Dauer der Einnahme steigt.
Strategien gegen Wechseljahresbeschwerden
Der Bedarf an professioneller Hilfe bei Wechseljahresbeschwerden ist groß. Nahezu drei Viertel der betroffenen Frauen sucht aus diesem Grund einen Frauenarzt auf. Die Anzahl der Besuche nimmt sowohl mit der Vielfalt als auch mit der Intensität der Beschwerden kontinuierlich zu. Obwohl die Frauen mit der ärztlichen Betreuung im Durchschnitt zufrieden sind, gibt es doch eine Ausnahme: die Beratung und das Angebot an alternativen Heilverfahren und Heilmitteln, um klimakterische Beschwerden zu behandeln. Fast ein Drittel der Frauen ist in diesem Bereich unzufrieden mit den Leistungen ihres Arztes. Während ihrer regulären Praxistätigkeit können Ärzte es zeitlich oft gar nicht leisten, auf den besonderen Gesprächsbedarf von Frauen in den Wechseljahren einzugehen. Deshalb müssen ergänzende Angebote geschaffen werden, die dem Bedürfnis der Frauen nach individueller, medizinisch-kompetenter, ganzheitlicher Beratung und Betreuung nachkommen.
So unterschiedlich die Ursachen von Wechseljahresbeschwerden sind, so vielfältig sind auch die Lösungsansätze. Diese hängen von der Art und Intensität der Beschwerden, von Risikofaktoren für Osteoporose oder Herz- und Gefäßerkrankungen, von Vorerkrankungen und davon ab, welche Behandlungsalternativen die Frau bevorzugt oder ablehnt. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist, den Frauen bewusst zu machen, dass sie für ihre eigene Gesundheit selbst verantwortlich sind und eigenständig etwas dafür tun können. Empfehlungen zu einer bewussten Lebensweise, also sich ausgewogen ernähren, regelmäßig Sport treiben und Stress vermeiden, sollten daher Grundlage aller Therapieansätze sein. Eine gesunde und vollwertige Ernährung kann nicht nur helfen, Beschwerden zu lindern, sondern auch Osteoporose oder Herz- und Gefäßkrankheiten vorbeugen. Ebenso günstige Effekte hat körperliche Bewegung: Bereits zwei- bis dreimal pro Woche 30 Minuten Schwimmen oder Radfahren lindern Hitzewallungen und Schweißausbrüche, steigern das Immunsystem und verbessern den Schlaf.
Zusätzlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten aus den Bereichen Naturheilkunde und Schulmedizin, um die vegetativen Beschwerden zu lindern. Im Vordergrund stehen alternative Verfahren wie Phytoöstrogene und Pflanzenpräparate. Aber auch homöopathische Mittel sowie orthomolekulare Medizin bringen die gewünschte Erleichterung. Während sich die alternativen Verfahren bei den Frauen zunehmend größerer Beliebtheit erfreuen, ist die Akzeptanz der Hormontherapie (HT) mit Östrogenen oder Östrogen-Gestagen-Kombinationen in den vergangenen Jahren aufgrund negativer Studienergebnisse der Women’s Health Initiative in 2002/2003 und der Million Women Study in 2003 deutlich zurückgegangen. In 2004 sank im Verhältnis zu 2003 die Zahl der hierzulande verordneten Hormonpräparate um fast 34 Prozent, seit Erscheinen der WHI-Studie im Sommer 2002 ist sogar ein Rückgang um nahezu 50 Prozent zu verzeichnen. Aufgrund der nachweisbaren Nebenwirkungen erarbeitete die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Leitlinien, die eine Hormontherapie im Klimakterium nicht mehr als "Routinemethode" vorsehen, sondern die individuelle Abwägung empfehlen. Ziel dieser Leitlinien ist, für jede Frau das spezifische Risiko-Nutzen-Verhältnis genau zu bewerten. Zwar ist die Hormontherapie die schnellste und effektivste Methode, vegetative Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu lindern, aber auch diejenige mit den größten Nebenwirkungen.
Autor/Quelle: Care for Women Deutschland GmbH i.G.
