Die Geschichte des Muttertags - Der Muttertag kommt nach Europa

Der Sprung nach Europa

Die Idee setzte sich schnell durch - besonders bei den Herstellern und Händlern von Blumen, Pralinen und Grußkarten. Anfang der 20er Jahre brachte die Heilsarmee die Idee über den großen Teich nach Europa. Auch in Deutschland wurde das kommerzielle Potenzial schnell erkannt: So verteilte die Blumenindustrie kostenlose Sträuße und betraute kurze Zeit später die "Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung" mit dem Marketing.
In der Verbandszeitung Deutscher Blumenhändler im Jahr 1926 las sich das dann so: "Dieser Arbeitsgemeinschaft wird es hoffentlich gelingen, weite Kreise hierfür zu interessieren, Kirche und Schule zu gewinnen und die Regierung dahin zu bringen, den Muttertag am zweiten Sonntag im Mai als offiziellen Feiertag festzulegen."
Mit Unterstützung der Regierung wurde der Muttertag dann ab 1933 richtig gefeiert - und dessen ursprüngliche Idee dem nationalsozialistischen Ideal eines Frauenbildes untergeordnet. 1939 wurde am Muttertag besonders den gebärfreudigen Frauen gehuldigt und ihnen das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" verliehen.

Nach dem Krieg...

In den Nachkriegsjahren waren Energie und Kraft der Frauen bei der Beseitigung der Trümmer gefragt. In den 50er Jahren stieg dann die Arbeitslosigkeit und die Frauen waren gehalten, sich wieder auf alte Werte rückzubesinnen – Kinder und Heim. Besänftigt wurden sie durch üppige Blumengeschenke zu ihrem Feiertag und durch "Frauengold. Das sinnige Geschenk zum Muttertag" - ein Herz-Kreislauf-Tonikum mit einem Alkoholgehalt von 16,5 Volumenprozent.
In der DDR wurde der Muttertag dagegen abgeschafft und stattdessen der seit 1911 bestehende "Internationale Frauentag" am 8. März gefeiert.

...und heute

Heute ist der Muttertag Teil unseres Festkalenders - bei den meisten ideologiefrei und unpolitisch. Nicht nur die, mit zahlreichen Geschenken bedachten, Mütter profitieren von dem Feiertag, sondern vor allem Blumenhandel, Parfümhersteller, Süßwaren- und Schmuckindustrie. Bereits Anna Jarvis sah diese Entwicklung in den 20er Jahren und versuchte - mit zahlreichen Prozessen gegen die Blumenindustrie – den Muttertag davor zu bewahren, statt eines Gedenktags ein Geschenktag zu werden. Für diese Überzeugung und ihre öffentlichen Proteste ist sie sogar ins Gefängnis gewandert - wie wir heute wissen, hat der Kommerz sie überlebt.

 
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