Fit mit vierzig - Interview mit Dr. Sabine Voermans

Was ist das größte Problem, wenn man vierzig wird?

Dr. Voermans, Leiterin des TKGesundheitsmanagements: "Das Problem beginnt im Kopf. Vielen wird rund um dieses Datum bewusst, dass die zweite Lebenshälfte definitiv begonnen hat. Die Folge ist, dass man sich kritischer beobachtet. Hinzu kommt, dass sich in der Lebensphase um die Vierzig die Belastungen verdichten - das Engagement im Beruf, die Familie mit Kindern und auch die Sorge um die eigenen Eltern, die ja schließlich 25 bis 35 Jahre älter sind als man selbst. Plötzlich treten Krankheiten wie Krebs oder Demenz auf und schon verlagert sich die Verantwortung innerhalb der Familie. Es ist der Generationenwechsel, der spürbar wird und oftmals auch schmerzt."

Welche Wege führen aus so einer Midlife-Crisis?

"Eigentlich ist ja der 40. Geburtstag kein wirklicher Anlass zur Sorge. Allerdings verändert sich der Körper: Das Immunsystem lässt nach, die Gelenke werden steifer und die Muskulatur schwächer. Dadurch schlauchen tägliche Belastungen mehr als früher. Dieser Prozess geht allerdings sehr langsam und lässt sich verzögern, wenn man aktiv etwas dagegen tut. Deshalb ist mein Rat: Wer ins Grübeln verfällt, sollte versuchen, konstruktiv mit der Krise umzugehen. Krise heißt ja nicht zwangsläufig, dass sich etwas zum Schlechteren verändert. Viele finden jetzt die Kraft, lange vor sich hergeschobene Veränderungen anzupacken. Für die Gesundheit bedeutet das ganz konkret, den inneren Schweinehund zu überlisten und sich Zeit für Bewegung, gesunde Ernährung und auch Entspannung zu nehmen.

Das klingt nach Spaßbremse...

Überhaupt nicht. Wer sagt eigentlich, dass Gesundheit keinen Spaß machen kann? Natürlich ist es für viele lästig, bei Wind und Wetter zum Joggen oder Nordic Walking rauszugehen. Allerdings schenkt einem die Morgenluft echtes Lebensgefühl, das man sonst einfach verschlafen würde. Und gerade bei der Ernährung gilt, dass Gesundes eine Bereicherung ist: Frische Salate mit leckerem Dressing, ein mageres Steak oder eine gutes Glas Wein - das alles ist ja nicht verboten. Ganz im Gegenteil - alles, was wir mit Bedacht und achtsam zu uns nehmen, ist entweder gesund oder Balsam für die Seele. Die Gefahren lauern nicht im Genuss, sondern in den schlechten Gewohnheiten; wenn Fastfood oder schlechtes Kantinenessen Tag für Tag achtlos konsumiert werden und man abends schon nicht mehr weiß, was man mittags gegessen hat. Dies belegt auch eine Studie, die wir im letzten Jahr veröffentlicht haben: Es sind die Versuchungen des Alltags, die der Gesundheit schaden - sei es das schnelle Brötchen im Gehen am Bahnhof, der Hamburger mit Pommes als Mittagessen-Ersatz oder das tägliche Feierabend-Bier, das nicht in gemütlicher Runde mit Freunden, sondern allabendlich mit Kartoffelchips vor dem Fernseher konsumiert wird.

Was raten Sie solchen Couch-Potatoes?

Weniger ist mehr. Es bringt gar nichts, sich das Joggen oder das Fitnessstudio vorzunehmen, und nichts davon einzuhalten. Besser sind kleine Schritte – also Rolltreppe auslassen und die Treppe benutzen, Alkohol durch alkoholfreie Drinks zu ersetzen oder einfach mal das Fleisch oder die Wurst wegzulassen. Mit den ersten kleinen Erfolgen wächst das Selbstbewusstsein und der Mut, mehr zu machen. Wir reden hier nicht über eine Diät, sondern über eine langfristige Umstellung von Gewohnheiten.

Was kann man zusätzlich tun?

Spätestens ab diesem Alter wird es höchste Zeit, mehr auf sich zu achten und auf die innere Stimme zu hören. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sollten jetzt Pflicht sein. Für Frauen ab 40 ist die Brustkrebsvorsorge besonders wichtig. Männer sollten ab dem 45. Geburtstag regelmäßig zur Prostatakrebsvorsorge gehen. Die Darmkrebsfrüherkennung ist für Männer und Frauen ab 50 besonders wichtig. Außerdem gibt es vorbeugende Gesundheitskurse, die von den Krankenkassen auch übernommen werden. Rückenschulen und Stressabbaukurse zeigen, wie man die beruflichen Belastungen mildert, Bewegungskurse zeigen einfache Wege zu mehr Fitness und Ernährungskurse helfen dabei, gesünder zu essen, ohne auf Genuss zu verzichten. All das kann man neuerdings übrigens auch im Urlaub lernen - die TK bezuschusst Aktivreisen mit Gesundheitsprogramm, so dass sich eine Aktivreise durchaus rechnet.

Was tun Sie persönlich für Ihre Gesundheit?

Zwei bis dreimal pro Woche gehe ich morgens vor der Arbeit laufen. Mein kleiner Trick: Ich verabrede mich zum Joggen, dann weiß ich, dass jemand wartet und ich keine Wahl habe. Während der Woche achte ich vor allem im Alltag darauf, mich vitamin- und ballaststoffreich zu ernähren. Das Wochenende gehört der Seele - ich entspanne mich beim Kochen oder bei langen Spaziergängen.