Großelternglück

Kinder lieben ihre Großeltern – weil sie immer für sie da sind, zuhören und schöne Geschichten erzählen können. Doch auch Oma und Opa profitieren vom Miteinander. Und erleben ihre Enkel als große Bereicherung des Lebens.
Ein Besuch bei Oma und Opa war immer etwas Besonderes: Es gab Kakao satt, wir spielten mit Opa Eisenbahn, mit Oma Karten, und natürlich gab es da den Süßigkeitenschrank. Und der wurde immer geplündert. Denn zu Hause hütete meine Mutter die Dose mit dem Naschzeug wie einen heiligen Schrein. Heute dürfen unsere Kinder ungefragt an die einst bewachten Süßigkeiten. Und während wir als Eltern mahnend die Hand hoch halten, lächelt meine Mutter nur selig dazu. Als Großmutter sieht sie das eben entspannter.
Die gemeinsame Lebenszeit nimmt zu
Großeltern dürfen und sollen ihre Enkel verwöhnen. Egal, ob es um Süßigkeiten, Fernsehen oder längeres Aufbleiben geht. Oma und Opa spielen eine wichtige Rolle für ihre Enkel, und umgekehrt verhält es sich genauso. Das Schöne daran: Weil die Lebenserwartung steigt, nimmt auch die gemeinsame Lebenszeit zu. Mehr als 80 Prozent der heute 10- bis 14-jährigen Kinder haben noch ihre Großeltern. Und die Kids wissen zu schätzen, was sie an ihnen haben.
In einer Befragung des Soziologen François Höpflinger beschreiben 80 Prozent aller Enkel ihre Großeltern als liebevoll, großzügig und gesellig. Oma und Opa haben stets ein offenes Ohr. Anders als Mama und Papa, die durch Haushalt und Job gefordert sind und weniger Zeit haben, sind sie immer für ihre Enkel da: Mit scheinbar endloser Geduld liest Opa immer wieder dasselbe Buch vor und Oma probiert vom in der Sandkiste gebackenen Kuchen. Freizeit ist Oma-und-Opa-Programm, eine Auszeit vom Alltag. Und das lieben alle Kinder.
Familiäre Bezeihungen gewinnen im Alter an Bedeutung
Großeltern wiederum mögen das Gefühl, gebraucht und geliebt zu werden. Gerade mit zunehmendem Alter wird der Freundeskreis kleiner und enge familiäre Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Großeltern können aus ihren Erfahrungen schöpfen und sie weitergeben. Kinder lieben Geschichten darüber, wie Opa Kohlen gemopst und Oma sonntags Badetag hatte. Solche Erzählungen zeigen, wo die familiären Wurzeln liegen.
Zudem sind die Großeltern als Babysitter häufig unersetzlich. Beinahe die Hälfte aller 5- bis 6-jährigen Kinder wird zeitweise von ihren Großeltern betreut. Am meisten eingebunden sind dabei die Großmütter. Und sie erledigen diesen Job gerne. In einer repräsentativen Studie von Herlyn gaben 70 Prozent der befragten Großmütter an, dass sie ihr Oma-Dasein sogar schöner fänden als das Muttersein. Der Vorteil: Sie können an ihre eigene Jugend anknüpfen und wieder ein Kind betreuen, ohne voll verantwortlich zu sein.
Je mehr Zeit Großeltern und Enkel miteinander verbringen, desto inniger ist auch später das Verhältnis. Ältere Kinder und Teenager suchen dann auch ohne ihre Eltern den Kontakt. Jugendliche können sich darauf verlassen, dass Oma und Opa ihnen bei Konflikten beistehen, und weil Großeltern oft größere Distanz haben, sehen sie viele Dinge entspannter.
Gefragt ist Engagement, aber keine Einmischung
Jugendliche wünschen sich, dass ihre Großeltern sie ernst nehmen und immer für sie da sind. Einmischen sollen sie sich aber nicht: Teenie-Themen wie Berufswahl oder Kleiderstil werden lieber mit Freunden ausdiskutiert. Eines dürfen Oma und Opa aber auf jeden Fall: ihre Enkel verwöhnen. Vorlesen, länger aufbleiben, spielen. Das sind später einige der schönsten Erinnerungen an die Kindheit.
Wichtige Tipps:
- Nicht einmischen: Erziehung ist Elternsache, es sei denn, Sie übernehmen einen Großteil der Betreuung. Grundsätzliches sollte dann aber unbedingt mit den Eltern abgesprochen werden.
- Distanz wahren: Tägliche Besuche können den Tagesablauf stören. Immer vorher anrufen.
- Rituale pflegen: Kinder lieben es, wenn sie sich auf etwas verlassen können: vorlesen mit Opa oder schmusen mit Oma.
- Wohlfühlklima schaffen: Damit Ihr Enkelkind sich heimisch fühlt, sollte es persönliche Dinge bei Ihnen vorfinden: ein Kuscheltier, die Spielzeugkiste oder sein persönliches Besteck.
- Verwöhnen: Kleinere Geschenke sind ok, größere sollte es für die Enkel aber nur zu speziellen Anlässen geben.
Autor/Quelle: Katrin Rave
