Wie Zimmerpflanzen Raumluft reinigen

Kopfschmerzen, Atemnot, Schwindel und Dauermüdigkeit nach einigen Stunden im Büro – Schuld sind häufig flüchtige Chemikalien in der Raumluft. Ganz oben auf der Liste der Schadstoffe steht Formaldehyd, eine Allround-Chemikalie, die noch in vielen Möbeln steckt. Doch Zimmerpflanzen können Gifte in Möbeln, Teppichen und Computern filtern. Die dicht belaubte Birkenfeige, der robuste Drachenbaum oder der herzförmige Philodendron sehen nicht nur gut aus und bringen etwas Natur in nüchterne Büros, sie leisten darüber hinaus auch gute Dienste als Giftfilter.

Orchidee, Efeu und Co. filtern Schadstoffe

Seit rund zwanzig Jahren untersuchen Wissenschaftler die Wirkung von Pflanzen in Innenräumen. Den ersten richtigen Durchbruch erlangte eine Studie der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA - die Erkenntnis nämlich, dass die Luft durch Pflanzen sauber wird. Die Forschungsergebnisse des John C. Stennis Space Centers haben ergeben: besonders Orchidee, Gerbera, Efeu und Arecapalme oder Betelpalme filtern Schadstoffe aus der Luft. Für Raucher sind vor allem Birkenfeige und Grünlilie zu empfehlen.

Gutes Betriebsklima

Spezielle Enzyme wandeln aufgenommene Gifte in ungefährliche Stoffe um, die von der Pflanze weiterverwertet werden. Zwar können Grünpflanzen die Luft stark belasteter Räume nicht komplett reinigen, aber in genügender Zahl und Größe das "Betriebsklima" wesentlich verbessern – mit einem kleinen Pflänzchen in der Ecke ist es also nicht getan. Außerdem sind viele Pflanzen optimale Luftbefeuchter. Sie sorgen dafür, dass sich die Bewohner auch bei trockener Hitze wohl fühlen.

Sick Building Syndrome

Nach einer Studie des Umweltbundesamtes halten wir uns täglich etwa 20 Stunden in geschlossenen Räumen auf. Flüchtige Lösemittel, wie sie fast immer in Farben und Lacken stecken, lösen häufig Symptome wie Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme aus. Bekannte Beispiele sind Formaldehyd in Teppichböden, Spanplatten oder Isolierschäumen, aber auch in Tabakrauch, Holzschutzmittel oder asbesthaltigen Dämmstoffen und Schimmel.

Ein direkter Zusammenhang zwischen Krankheitssymptomen und Schadstoffaufnahme ist meist nicht unmittelbar zu erkennen. Umweltmediziner haben dafür einen Fachausdruck: "Sick Building Syndrom", "krankmachendes Gebäude-Syndrom". Viele Beschwerden sind unspezifisch. Das erschwert die Diagnose, die in der Regel ein Umweltmediziner stellt. Auf ein "Sick Building Syndrom" weist hin, wenn der Betroffene in bestimmten Räumen Symptome verspürt, die abklingen, sobald er an der frischen Luft ist.

Das Allroundgift Formaldehyd wird unschädlich

Formaldehyd als Bindemittel wird überwiegend in Holzwerkstoffen, also Spanplatten, Sperrholz und Tischlerplatten eingesetzt. Spanplatten werden für den Innenausbau und für Möbel verwendet – eine Grundausstattung in Büros. Die Chemikalie strömt als flüchtiges Gas aus den verschiedenen Materialien (Holzwerkstoffe, Bodenbeläge, Textilien, u.a.) aus. Wissenschaftlern des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) nahe München haben herausgefunden, dass in den Blättern der Pflanzen ein Eiweißstoff steckt, der Formaldehyd in ungiftige Naturstoffe wie Aminosäuren und Zucker umwandelt. Die Entgiftungsreaktion erfolgt ähnlich den Stoffwechselvorgängen in der tierischen und menschlichen Leber.

In Analogie zur "Grünen Lunge" bezeichnen die GSF-Wissenschaftler daher das pflanzliche Entgiftungssystem als "Grüne Leber". Nicht alle Zimmerpflanzen entgiften jedoch gleich gut. Als besonders effektiv gelten die Birkenfeige, die Strahlenaralie und die Efeutute. Eine vollständige Entfernung von Formaldehyd aus der Raumluft können die lebenden Luftfilter jedoch auch unter optimalen Wachstumsbedingungen nicht leisten.

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Pflanzen sind gut fürs Gehirn

Auch für das menschliche Gehirn wirken Pflanzen wahre Wunder: Schüler lernen besser, wenn Pflanzen im Klassenzimmer stehen. Das haben Forscher der Reading Universität in London herausgefunden. In überfüllten Klassenzimmern beeinträchtigen Kohlendioxide die Konzentration. Zimmerpflanzen wie Yucca-Palmen wandeln das Gas in Sauerstoff um. Pflanzen im Büro können zudem die Arbeitsleistung fördern. Viele Beschäftigte erleben Zimmerpflanzen nicht nur als konzentrationsfördernd, sondern auch stressmindernd.