Adipositas: Raus aus dem Teufelskreis!

Keine Lust zum Toben, aber Hunger auf Snacks aller Art. Bewegungsmangel und falsche Ernährung treten häufig im Doppelpack auf. Was können Eltern tun, damit ihr Kind fit und gesund bleibt? Laut Deutscher Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin haben rund 15 Prozent unserer Kinder und Jugendlichen Übergewicht. Sie essen zu fetthaltige Snacks, zu wenig Gemüse und bewegen sich kaum. Mit steigenden Pfunden werden die Kids schwerfälliger und auch Hänseleien von Mitschülern nehmen zu. Die häufige Folge: Frust-Essen. Eltern können diesen Teufelskreis mit einer ausgewogenen Ernährung, mehr Bewegung und – ganz wichtig – durch ihre Vorbildfunktion durchbrechen. "Eltern sollten beim Einkauf versteckte Fette meiden. Schließlich können sich Kinder nur das aus dem Kühlschrank nehmen, was die Eltern vorher hineingepackt haben", so Corinna Schrader, Ernährungsberaterin am Hamburger Kinderkrankenhaus Wilhelmsstift. Gut zum Einstieg eignen sich fettarme Milch und Joghurts (1,5 %), Käse unter 35 % Fett und Geflügelwurst.

Erlaubt: Süßigkeiten in Maßen

Rigide Maßnahmen wie ein absolutes Schokoladenverbot haben meist nur kurzfristig Erfolg. Kinder dürfen ruhig Süßigkeiten naschen, wenn sie auch ausreichend Obst und Gemüse essen. "Wichtig ist die Überzeugung und Anleitung zu einer ausgewogenen Ernährung durch die Eltern", erläutert Gothaer- Experte Dr. Martin Pollak. Wer viele zuckerreiche Lebensmittel und Softdrinks zu sich nimmt, tappt in eine Falle: Der Blutzuckerspiegel steigt kurzfristig, fällt dann schnell wieder ab und schon kommt der nächste Heißhunger - obwohl man gerade erst etwas gegessen hat.

Bewusst essen und mehr Bewegung

Nebenbei essen, vor dem Fernseher "picknicken"– viele Kinder spüren kaum noch einen Unterschied zwischen Hunger und satt sein. "Nehmen Sie sich daher Zeit zum Essen. Wählen Sie eine ruhige Umgebung und schalten Sie den Fernseher aus", rät Dr. Pollak. Mindestens ebenso wichtig wie gesunde Ernährung ist der Fitness-Faktor. Eltern sollten ihre Kinder daher regelmäßig zu mehr Bewegung animieren. Im Alltag trägt beispielsweise Treppen laufen spielerisch zur Gewichtsreduzierung bei. Im Sportverein können Kinder zudem ein vielfältiges Angebot nutzen und sich ausprobieren. Oft ist es sehr hilfreich, sich Verbündete zu suchen. Fühlen sich Eltern der Situation allein nicht mehr gewachsen, können sie sich Hilfe bei professionellen Ernährungsberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen holen.

Zu dick, zu dünn, normal?

Der Body-Maß-Index (BMI) ist für Kinder viel mehr noch als für Erwachsene ein guter Richtwert. Er weist das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße aus. Anders als bei Erwachsenen verändern sich bei Kindern die Normalwerte mit dem Alter. Eltern können mit der Tabelle sehen, ob ihr Nachwuchs zu dick oder zu dünn ist. Liegt der errechnete Wert ihres Kindes im grünen Bereich, gilt das Gewicht als normal. Ein Beispiel: Ein zehnjähriges Mädchen wiegt 36 Kilogramm und ist 1,45 Meter groß. Dann ist ihr BMI-Wert: 36 / 1,452 = 16,9. Der Wert liegt im grünen und damit normalgewichtigen Bereich. Würde dasselbe Mädchen zehn Kilo mehr wiegen, wäre es zu dick. Mit 29 Kilo wäre es zu dünn. Aber nicht nur Einzelwerte sind wichtig, sondern auch deren Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Untypische Veränderungen können auf Erkrankungen hinweisen. Eltern sollten den BMI ihrer Kinder daher im Blick haben und gegebenenfalls einen Kinderarzt um Rat fragen.