Kinder und Internetsicherheit - Keine Angst vorm WWW

Wir leben in einer multimedialen Welt - mit all ihren Vorzügen und Nachteilen. Vor allem das Internet bietet eine Informationsvielfalt, die kaum zu überblicken ist. Damit sich Kinder im Netz nicht verlieren, müssen sie lernen, mit der Informationsflut kompetent und kreativ umzugehen.

Laut einer Studie (KIM: Kinder und Medien 2005) haben über die Hälfte der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren bereits Erfahrungen im Internet gemacht, zwei Drittel von ihnen sind regelmäßig und begeistert online. Glücklicherweise gehören zu den am häufigsten besuchten Seiten spezielle Kinderangebote im Netz, vor allem Webangebote von Kindersendungen. Häufig werden dort Informationen für die Schule gesucht. Eltern stehen dieser Internetbegeisterung oft mit Sorge gegenüber. Wird die Beschäftigung mit dem Computer noch als nützlich empfunden, bestehen gegenüber dem Internet größte Vorbehalte. Zu Recht! Denn wenn die Kinder das Internet unreflektiert und ohne Orientierung nutzen, können sie überall auf Seiten stoßen, die Gewalt verherrlichen, pornografische oder rechtsextreme Inhalte verbreiten. Schutzprogramme, mit denen Eltern unerwünschte Seiten - jedenfalls zum Teil - ausschalten können, gibt es! Nur leider sind diese Programme - auch das ergab die Studie - auf kaum einem von Kindern genutzten Rechner installiert.

Medienkompetenz vermitteln, aber wie?

Unsere Kinder wachsen - für sie selbst ganz selbstverständlich - in einer multimedialen Gesellschaft auf. Gut, wenn sie frühzeitig lernen, mit den Medien kompetent umzugehen. Die Erwachsenen sind gefordert, ihre Erziehung diesen Anforderungen anzupassen: Sie sollten Normen und Werte für den richtigen Umgang mit dem Internet vermitteln, den Kindern die Grenzen und Gefahren, aber auch seine Möglichkeiten nahe bringen. Denn das Internet bietet nicht nur Sex und Gewalt. Für Kinder gibt es zahlreiche Möglichkeiten spielend zu lernen, kreativ zu gestalten und sich wichtige Informationen zu beschaffen. Eltern, die das Internet verteufeln oder mit Technikfeindlichkeit reagieren, werden leicht zu Spielverderbern. Wenn sie das Internet verbieten, ohne selbst allzu viel Ahnung davon zu haben, können ihre Kinder sie nicht ernst nehmen. Besser ist es deshalb, das Interesse der Kinder zu teilen und auch einmal "mitzumachen"; auch um den Preis, dass sie gelegentlich ihre Unkenntnis zugeben müssen. Zum Trost: Kindern tut es auch einmal gut, wenn sie ihren Eltern etwas beibringen können.

Wichtig:

Natürlich darf das Internet nicht zur alles beherrschenden Ganztagesaktivität werden. Im Tagesablauf sollten auch andere Spiel- und Lernanreize geboten werden. Und auch das soziale Lernen im Spiel mit anderen Kindern darf nicht vernachlässigt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was im Netz erlaubt ist und was nicht. Stellen Sie gemeinsame Regeln auf, vor allem, was die Nutzungszeiten und Inhalte betrifft.

Altersgerechte Nutzungszeiten

Viele Eltern fragen sich, wie oft und wie lange sie ihre Kinder ins Internet lassen dürfen, ohne dass es ihnen schadet. Hierzu gibt das Bundesfamilienministerium Tipps für verschiedene Altersstufen:

  • Kinder bis 3 Jahre: Die virtuellen Welten werden in diesem Alter nur am Rande wahrgenommen. Tipp: Spaß macht es, gelegentlich für etwa 5-10 min. kleine Entdeckungstouren am PC zu machen, z.B. mit der Tastatur zu spielen, Musik zu hören oder Bilder anzusehen.
  • Kinder von 4-6 Jahren: Das Interesse an Lern- und Spielprogrammen wächst. Gemeinsame (!) Ausflüge auf spezielle Kinderseiten helfen, die komplexe Medienwelt zu begreifen. Tipp: Nicht mehr als 30 Minuten täglich.
  • Kinder u. Jugendliche von 7-11 Jahren: Das Internet kann jetzt von so großem Interesse sein, dass die Kinder Stunden damit zubringen möchten. Eltern sollten darauf achten, dass die im Internet verbrachte Zeit in einem gesunden Verhältnis zu anderen Aktivitäten steht. Tipp: An besonderen Tagen darf auch mal länger gespielt oder geforscht werden. Aber: Lassen Sie Ihr Kind anfangs nicht allein. Helfen Sie z.B. bei der Informationsbeschaffung noch mit. Mit zunehmendem Alter kann das Kind immer komplexere Inhalte selbst suchen.
  • Jugendliche ab 12 Jahren: Die Jugendlichen sind geistig in der Lage, alle Möglichkeiten des Netzes zu nutzen, z.B. virtuelle Kontakte aufzunehmen, Musik aus dem Netz zu ziehen, Filme zu kopieren. Die Verlockung ist groß, ganze Nachmittage in diese faszinierende "Parallelwelt" abzutauchen. Tipp: Versuchen Sie Verständnis aufzubringen und sich vorzustellen, wie es ist, wenn man z.B. einen Krimi an einem Nachmittag "verschlingt". Solange Freunde, Schule und Familienleben nicht oder nur zeitweise vernachlässigt werden, besteht kein Grund zur Sorge. Aber: Bleiben Sie "am Ball" und lassen Sie sich zeigen, wofür Ihr Kind sich interessiert.

Achtung:

Das Internet kann jetzt zu einem beachtlichen Kostenfaktor werden. Wenn Sie und Ihre Familie häufig im Internet sind, kann eine Flatrate (Internet zum monatlichen Pauschalpreis) sinnvoll sein. Infos hierzu z.B. unter www.teltarif.de.

Verloren im Netz?

Wenn Eltern feststellen, dass ihre Kinder ihre Freizeit fast nur noch am Computer verbringen, kaum noch Freundschaften pflegen und keine anderen Hobbys haben, ist Ursachenforschung angesagt. Meist ist der soziale Rückzug nicht durch den Medienkonsum verursacht, sondern umgekehrt: Aus Mangel an guten Freunden und Interessen ziehen sich Jugendlich "ins Netz" zurück und bauen sich eine parallele, virtuelle Welt auf. Der Rückzug kann ein Hilferuf sein, auf den die Eltern einfühlsam reagieren sollten.

Anonyme Bekanntschaften

Chats im Internet bieten den Nutzern nicht nur die Möglichkeiten, sich darzustellen, sondern auch, sich zu verbergen und in eine neue Identität zu schlüpfen. Kinder und Jugendliche können nicht einschätzen, ob hinter ihrer neuen Bekanntschaft auch der Mensch steckt, für den er sich ausgibt. Machen Sie ihre Kinder deshalb auf die Gefahren aufmerksam, die sich aus einem Treffen mit einer unbekannten Chat-Bekanntschaft ergeben können. Auch die Weitergabe der eigenen Telefonnummer und Adresse an anonyme WEB-Bekanntschaften sollte tabu sein.

Keine Hexerei: mehr Sicherheit auf dem Rechner

Im Internet lauern viele Gefahren. Und Kinder sind ihnen in ihrer Naivität oft hilflos ausgeliefert. Um Ihren Rechner kindersicherer zu machen, sollten Sie sich ein bisschen mit den sicherheitstechnischen Möglichkeiten Ihres PCs beschäftigen und ihn regelmäßig "pflegen": Aktualisieren Die Hersteller von Software bieten ständig aktuelle Programmergänzungen (Updates) an, die die Sicherheit des PCs erhöhen. Aktualisieren Sie deshalb regelmäßig Ihre Software, v.a. Betriebssystem, Browser, E-Mail-Programm, Virenschutz (täglich!). Die Aktualität der Windows-Systeme kann z.B. unter windowsupdate.microsoft. com überprüft werden. Man kann den PC auch so einstellen, dass die Updates automatisch zum Download angeboten werden. Browser kindgerecht einstellen Richten Sie als Startseite im Browser eine geeignete Kinder-Site ein (z.B. www.kindernetz.de oder die Suchmaschine www.blinde-kuh.de). Im Internetexplorer wird die gewünschte Startseite im Menü "Extras" unter "Internetoptionen" eingetragen. Filterprogramme Richten Sie ihrem Kind einen geschützten Raum ein, indem sie Positivlisten mit empfehlenswerten Kinderangeboten erstellen: im Menü des Internetexplorers unter "Extras/Internetoptionen/Inhalte" den "Inhaltsratgeber" aktivieren und dort in der Registerkarte "Gebilligte Sites" alle Adressen eintragen, die das Kind besuchen darf. Für ältere Kinder und Jugendliche eignen sich Filterprogramme, die problematische Angebote aus dem Netz blockieren (Sperrlisten). Gute Programme anzubieten, ist übrigens für die Filterhersteller nicht ganz einfach. Denn auch sie sind mit der Schnelligkeit und Unüberschaubarkeit des Internets konfrontiert. Derzeit kann man davon ausgehen, dass die modernen Filtersysteme zwar im Bereich Sex/Pornografie gut Ergebnisse erzielen, im Bereich von Hass und Gewalt aber noch deutliche Mängel haben. Seit dem 1.4.2003 ist gesetzlich vorgesehen, dass die Eignung von Filterprogrammen von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) geprüft wird. Wichtig: Da über die derzeitigen Filtersysteme nicht alle bedenklichen Inhalte erfasst werden können, spielt die Vermittlung von Medienkompetenz durch Eltern und Lehrer eine zentrale Rolle. Sicherheitssoftware gegen 0190-Dialer und Viren Kinder sind neugierig und oft können sie Werbung nicht von redaktionellen Inhalten unterscheiden. Tauchen Pop-Ups und Werbebanner auf, die zum Download auffordern, klicken sie oft unbedenklich auf "Ja" und installieren Viren und Dialer auf dem Rechner. Erst eine überhöhte Telefonrechnung oder abstützende Computerprogramme machen auf die unliebsamen Besucher aufmerksam. Verschiedene Telefondirektanbieter bieten zum Schutz davor eigene Sicherheitssoftware und Dialer-Sperren an. E-Mail Der Datenschutz wird im Netz nicht gerade groß geschrieben. Oft wird man aufgefordert, Name und Anschrift preiszugeben; mit dem Ergebnis, dass man mit Spam und Werbung bombardiert wird. Richten Sie ihrem Kind deshalb zwei E-Mail-Adressen ein. Eine offizielle für die Anmeldungen und Registrierungen, die sie selbst verwalten und kontrollieren sowie eine zweite (mit einem Fantasienamen), die das Kind selbst zum E-Mail-Schreiben nutzt.

Übrigens

Die meisten Viren, Würmer und Trojaner werden per E-Mail verbreitet. Achten Sie deshalb bei der Eingabe persönlicher Daten im Internet grundsätzlich darauf, dass Sie diese bei verschlüsselten, sicheren Verbindungen tätigen (-> "https" in der Browserleiste). Schärfen Sie auch ihrem Kind ein, dass es E-Mail-Anhänge nur dann öffnen darf, wenn Ihm der Absender bekannt ist.

 

Quelle: Bundesfamilienministerium