Kind krank, da Mutter berufstätig?

Die meisten Unfälle geschehen nicht im Straßenverkehr, sondern zu Hause, in der Freizeit und beim Sport. Eine neue Studie hat die Häufigkeit medizinischer Notfälle bei Schulkindern untersucht und zeigt, dass Kinder arbeitender Mütter stärker gefährdet sind. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Presseerklärung der North Carolina State University in den USA zu der Studie vor, die das beunruhigende Phänomen beschreibt.
Mutter berufstätig, Kind krank
Kinder arbeitender Mütter haben deutlich häufiger Gesundheitsprobleme wie Asthma und Unfälle als Kinder von Müttern, die nicht arbeiten. Das ist das Ergebnis einer Forscherin an der North Carolina State University in den USA. Die Autorin der Studie Dr. Melinda Morrill, eine Assistenzprofessorin für Ökonomie an der NC State warnt jedoch davor, „ dass irgendjemand pauschale Werturteile darüber abgeben sollte, ob sich eine Mutter entscheidet zu arbeiten oder nicht“. Morill fügt jedoch hinzu: „Aber es ist wichtig, dass wir uns der Kosten und Nutzen bewusst sind, die damit verbunden sind, wenn sich eine Mutter entscheidet, arbeiten zu gehen.“
Gesundheitsrisiko verdoppelt sich
Die Forscherin untersuchte die Gesundheit von Kindern, die zur Schule gingen und ein oder mehrere jüngere Geschwister hatten. Laut Morill verdoppelt sich das Gesundheitsrisiko des Kindes für alle drei der hier untersuchten Notfälle, wenn eine Mutter arbeitet. Zu den Notfällen zählen Übernachtungen im Krankenhaus, Asthmaanfälle und Verletzungen oder Vergiftungen. Frühere Studien haben gezeigt, dass Kinder im Durchschnitt gesünder sind, wenn ihre Mutter arbeiten geht. Diese Ergebnisse wurden mit Faktoren wie einem höheren Einkommen, einer besseren Krankenversicherung und einem höheren Selbstwertgefühl der Mutter erklärt.#
Studien widersprechen sich
Dagegen kam Morrills Studie zu einem anderen Ergebnis. Die Wissenschaftlerin benutzte aufwändige statistische Methoden, um gezielt den Kausalzusammenhang zwischen der Berufstätigkeit von Müttern und der Gesundheit ihrer Kinder zu untersuchen. Dabei berücksichtigte Morrills Ansatz eine Reihe von potenziellen Unsicherheitsfaktoren wie zum Beispiel den Einfluss, den die Gesundheit eines Kindes darauf hat, ob die Mutter arbeiten gehen kann. Wenn ein Kind sehr krank ist, wird die Mutter eher zu Hause bleiben.
Einfluss von Berufstätigkeit der Mutter
„Ich wollte Mütter untersuchen, deren Entscheidung zu arbeiten unabhängig von der Gesundheit ihrer Kinder war”, so Morrill und erklärt weiter: „Wenn das jüngste Kind einer Mutter im Kindergartenalter ist, kann das einen Einfluss darauf haben, ob sie in den Beruf zurückkehren kann.“ Deshalb untersuchte Morrill ausschließlich die Gesundheit von älteren Kindern, die sieben bis siebzehn Jahre alt waren, schon zur Schule gingen, und deren jüngste Geschwister gerade das Kindergartenalter erreicht hatten. Die Studie analysierte Daten der National Health Interview Survey, einer USA-weiten Gesundheitsbefragung, die die Centers for Disease Control and Prevention über zwanzig Jahre durchgeführt hatten. Die Daten der etwa 89 000 untersuchten Kinder wurden in den Jahren 1985 bis 2004 gesammelt.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
