Lärmschutz für Kinder: Hörschäden vermeiden

Hörschäden – allgemeine Prävention

Seit 2009 werden bereits bei Babys in den ersten Lebenswochen routinemäßig Hörtests durchgeführt – so lassen sich die meisten angeborenen Hörprobleme frühzeitig erkennen. Um etwas gegen erworbene Hörstörungen zu tun, sollten Kindergärten, Schulen und auch Ärzte vor dem Hintergrund der vielfältigen schädlichen Einflüsse vermehrt über die Gesundheitsvorsorge des Gehörs informieren.
Schädigende Schallquellen sollten durch gesetzliche Regelungen auf ein gesundheitlich erträgliches Level beschränkt werden, beispielsweise durch Schallpegelbegrenzungen in Discos und Konzerten sowie bei MP3-Playern & Co. Die EU-Norm für Kinderspielzeuge sollte evtl. auch überdacht werden: Sie setzt für Kinderspielzeug mit max. 125 dB im Freifeld und im Abstand von 50 Zentimetern einen Grenzwert, der über der Schmerzschwelle von 120 dB liegt und abgesehen davon auch unrealistisch ist – welches Kind hält sich schon einen halben Meter entfernt von seinem Spielzeug auf?

Hörschäden – individuelle Vorbeugung

  • Spielzeug: Kleinkinder können durch zu lautes Spielzeug in ihrer Hörentwicklung bleibend geschädigt werden. Lärmquellen wie Kindertrompeten, Trillerpfeifen, Knackfrösche, Spielzeugpistolen und Feuerwerkskörper sollten unbedingt in diesem Alter vermieden werden – eine Untersuchung hat z. B. gezeigt, dass der Knall einer neben dem Ohr abgefeuerten Spielzeugpistole lauter ist als der von echten Waffen am Ohr des Schützen! Selbst Spieluhren, die zu nahe ans Ohr gehalten werden, können das Gehör schädigen.
  • Musik hören: Kinder und Jugendliche hören Musik meist laut. Vor allem beim MP3-Player mit unbegrenztem Schallpegel (besonders gefährlich mit Kopfhörern im Ohr) kann die Ausnutzung der vollen Verstärkung zu bleibenden Hörschäden führen. Ein aufklärendes Gespräch und die technische Begrenzung der Schallpegel sind hier sinnvoll. Kinovorstellungen, Diskotheken, Musikveranstaltungen in Freizeitzentren, Jugendtreffs sowie Konzerte – Openair oder in Veranstaltungssälen – können mit den meist hohen Schallbelastungen zu Schädigungen des Gehörs führen. Um das Gehör zu schützen, sollte man hier einen Lärmschutz (spezielle Ohrstöpsel) tragen.
  • Umgebungslärm in Wohnbereichen kann zum Teil durch bauliche Veränderungen vermindert werden. Ein Umzug innerhalb der eigenen Wohnung bringt eventuell die Schlafräume in einen lärmberuhigten Bereich.
  • Entzündungsprozesse des Ohrs: Entzündungen der Ohren mit bleibenden Paukenergüssen auf Grund von wiederkehrenden Infektionen, vergrößerten Rachenmandeln, allergischen oder pseudoallergischen Erkrankungen sowie Schädigungen durch toxische Belastung des Umfeldes müssen rechtzeitig erkannt und ärztlich behandelt werden. Nur so können langfristige Gehörschäden vermieden werden.
  • Thermische Schäden: Der unkritische Gebrauch von Handys im Kindesalter, vor allem in geschlossenen Räumen und im Auto, kann das Gehör durch thermische Effekte wegen der zu hohen Wattleistung schädigen.

Ein gesundes Wohnumfeld, gesunde Ernährung, unbelastete Kleidung und aktive Freizeitgestaltung mit möglichst viel Bewegung sind Voraussetzung für eine ungestörte Entwicklung von Kindern – und für ein gutes Gehör.
Quellen:

  • EU-Norm für Kinderspielzeug: DIN EN 71-1:2007-08 (4.20 – Akustische Anforderungen)
  • Fleischer G et al.: Kinderknallpistolen und ihre Wirkung auf das Gehör. HNO. 1998; 46(9)
 
zurück
1 2