Tierkontakt im Kindesalter - Nachhilfe für das Immunsystem?
Einen kleinen Hund - nichts wünscht sich die sechsjährige Tamara mehr. Einen vierbeinigen Freund, der sie und ihre Mutter begleitet, wenn sie mit dem Baby spazieren gehen. Doch ihre Eltern sind skeptisch. Was, wenn ein Familienmitglied, am Ende eins von den Kindern, eine Tierhaarallergie entwickelt? Und die Krankheiten, die so ein Tier mitbringen kann, jetzt, wo das Baby noch so klein ist...
Kein Problem, sagen Studien aus den USA. Je früher ein Kind Kontakt zu Tieren bekommt, desto geringer ist sein Risiko, an einer Allergie zu erkranken.
Ein Tier anzuschaffen, ist immer eine große Entscheidung. Die Bedenken, die Tamaras Eltern dabei in Bezug auf mögliche Allergien haben, sind unbegründet. Im Gegenteil: Kinder, die in den ersten Lebensjahren Kontakt zu Tieren haben, deutlich weniger Allergien entwickeln als Kinder aus Haushalten ohne ein Heimtier. Dr. Marshall Plaut, Leiter des US-amerikanischen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, bestätigt dies: "Kinder, die mit zwei oder mehr Heimtieren leben, scheinen auch gegen andere Allergien, z.B. gegen die Hausstaubmilbe oder Gräserpollen, geschützt zu sein.
"Eine andere US amerikanische Studie belegte sogar ein bis zu 50 Prozent geringeres Allergierisiko für Kinder, die in Haushalten mit Tieren leben. "Diese Daten haben uns völlig verblüfft", berichtet Dr. Dennis R. Ownby, der Leiter der Abteilung Allergie und Immunologie des Medical College of Geor gia. "Es war genau das Gegenteil von dem, was wir erwartet hatten."
Das Immunsystem reift
Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist sein Immunsystem noch unreif. Erst im Laufe der nächsten Wochen und Monate lernt es, Gefährliches von Harmlosem zu unterscheiden. Im Falle einer Allergie reagiert das Immunsystem auf einen ungefährlichen Stoff, zum Beispiel Tierspeichel oder ein Lebensmittel, wie auf einen gefährlichen Gegner. Je nach Allergietyp kommt es zu Hautschlag, tränenden Augen und tropfenden Nasen bis hin zu Asthma oder einem allergischen Schock. Ob Speichel oder Hautschuppen der Tiere selbst das kindliche Immunsystem in die richtigen Bahnen lenken, oder ob die positive Wirkung an den Bakterien liegt, die ein Tier mit sich herum trägt, ist noch nicht erwiesen. "Wenn wir dieses Prinzip durchschaut haben", sagt Dr. Ownby, "könnte auf diesen Erkenntnissen eine ganz neue Art der Allergieprophylaxe entwickelt werden."
Wenn die Mütter bereits allergisch sind
Doch nicht jedes Kind reagiert positiv auf ein Haustier. Eine Ausnahme bilden Kinder, deren Mütter schon selbst an Asthma erkrankt sind. Wiederum war es die Forschergruppe von Dr. Marshall Plaut, die herausfand, dass diese Kinder besser keine Tiere halten sollten, um sich vor Allergien und Asthma zu schützen. "Asthma ist eine sehr komplexe Krankheit", erklärt Dr. Plaut. "Wieviel die erbliche Komponente ausmacht und wie sehr die Umwelt Schuld an ihrem Ausbrechen hat, muss in weiteren Studien noch erforscht werden."
Um Kind und Haustier ein gemeinsames L eben zu ermöglichen, müssen beide lernen miteinander auszukommen. Hunde sind sehr intelligent und können unter fachgerechter Anweisung mit wenig Aufwand zu gehorsamen Mitbewohnern erzogen werden. Auch Hunde, die nicht von Natur aus kinderlieb sind, können lernen, Babys und Kleinkinder als ranghöhere Wesen zu akzeptieren. Gute Grundausbildungen bieten meistens Rettungshunde-Staffeln an. Achten Sie auf persönliche Betreuung! Stures Im-Kreis-Marschieren, während ein Ausbilder von der Kreismitte aus Kommandos brüllt, bringt weder Sie noch Ihren Hund weiter. Auch Katzen können Regeln lernen. So hat ein Vierbeiner nichts am oder auf dem Tisch verloren, wenn dort Lebensmittel stehen. Auch die Schlafplätze von Mensch und Tier sollten in jedem Fall getrennt bleiben. Ein gesundes Tier überträgt keine Krankheiten, darum ist der regelmäßige Gang zum Tierarzt obligatorisch.
Auch Meerschweinchen, Hamster oder Ziervögel können Krankheiten haben, die auf Menschen übergehen. Vor allem wenn die Kinder im Krabbel- und "Ich-stecke-alles-in-den-Mund"-Alter sind, sind für Hund und Katz' Wurmkuren und Flohbekämpfungsmittel, die mit dem Futter gegeben werden können, alle vier bis sechs Wochen anzuraten.
Die wichtigste Regel, die Eltern einhalten müssen, ist: Lassen Sie nie ein kleines Kind mit dem Tier alleine. Einerseits um das Kind vor Verletzungen durch das Tier zu schützen. Andererseits ist auch schon vielen Heimtieren bös mitgespielt worden, weil der Forscherdrang der Jungbesitzer zu groß wurde - Erwachsene wissen, dass ein Wellensittich nicht schwimmen kann, ein Kind will das vielleicht erst einmal ausprobieren...
