Schwangerschaft bei Teenagern - Herausforderung für Eltern

Loslassen und zugleich Halt geben

Wichtig sei, dass Eltern dieses Verhalten nicht als persönlichen Affront begriffen, rät der Psychologe. Mütter und Väter müssen lernen, ihre Kinder loszulassen und ihnen dennoch weiterhin Halt zu geben. Dabei sollten die Erwachsenen in Auseinandersetzungen jedoch nicht einfach klein beigeben. Weiterhin müssen sie den Heranwachsenden Grenzen aufzeigen, denn übertriebene Toleranz und zu lasche Regeln bieten keine Grundlage für Reibungen und Auseinandersetzungen. "Werden Konflikte aber nicht ausgetragen, können die Teenager sich nicht ausprobieren und behaupten", ist Psychologe Zimmermann überzeugt.

Herausforderung für Eltern

Gibt es nicht ausreichend Reibungspunkte, suchen sich Pubertierende andere Wege der Provokation, mittels derer sie ihre Grenzen ausloten können – etwa durch mangelndes Engagement in der Schule oder durch den Konsum von Alkohol oder Drogen. "Die Herausforderung für die Eltern besteht darin, mit Geduld zwischen pubertärem Übermut und eindeutigen Grenzüberschreitungen unterscheiden zu können", sagt der Leiter der Katholischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Köln. Um hier das richtige Maß zu finden, kann es helfen, sich mit Freunden auszutauschen, deren Kinder im selben Alter sind.
"Kommt ein Jugendlicher einmal betrunken von einer Party, kann dies ein einmaliger Ausrutscher sein", meint Zimmermann. Schwieriger wird es, wenn sich dies wiederholt oder wenn Pubertierende sich über mehrere Monate abkapseln. "Dann sollten die Eltern professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, etwa bei einer Erziehungsberatungsstelle", empfiehlt der Psychologe. Dies gilt auch, wenn die Jugendlichen unter Zwängen und Ängsten leiden, gewalttätig sind oder Drogen nehmen.

J1-Untersuchung

Wichtige Hinweise über den Entwicklungsstand und über auffälliges Verhalten der Jugendlichen gibt auch die sogenannte J1-Untersuchung beim Kinderarzt. Im Rahmen dieser Untersuchung werden Zwölf- bis 14-Jährige auf ihren Entwicklungsstand überprüft. Dabei werden die Jugendlichen einem Komplett-Check unterzogen: Neben einer Urinuntersuchung wird der Body-Mass-Index bestimmt.
Bei entsprechender familiärer Vorbelastung veranlasst der Arzt ergänzende Blutuntersuchungen. Zudem werden wichtige Daten zu Erkrankungen, Essverhalten, schulischen Leistungen, Impfstatus, Bewegungs-, Sozial- und Suchtverhalten, aber auch zu sexuellen Erfahrungen erfasst. Abschließend gibt es ein beratendes Gespräch. Dabei entscheiden die Teenager selbst, ob sie dieses allein oder im Beisein ihrer Eltern führen wollen. "Die Erwachsenen sollten ihre Kinder vor dem Arztbesuch darauf vorbereiten, dass sie körperlich untersucht werden. Denn in der Pubertät ist das Schamgefühl bei den Jugendlichen sehr groß", sagt Diplom-Psychologe Zimmermann.

 
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