Musikalische Früherziehung - Durch Singen, Tanzen, Trommeln lernen Kinder ihre Umwelt kennen

Sobald Musik erklingt, beginnt die vierjährige Jana, sich im Rhythmus zu bewegen. Sie macht ein paar Schritte, klatscht in die Hände und versucht dann, ihre Mutter zum Mitmachen zu bewegen. Auch bei kleineren Kindern ist Musik ein Schlüssel zu neuen Erfahrungen.
In Deutschland wird das seit Ende der 60er Jahre durch die "Musikalische Früherziehung" gefördert. "Das Ziel ist, Freude zu wecken an der Musik und musikalische Anlagen früh zu entdecken", erklärt Peter Schmidt, Verwaltungsleiter der Musikschule der Bundesstadt Bonn. "Musik fördert die Kommunikationsfähigkeit und hat positiven Einfluss auf die Entwicklung von Koordination, Lern- und Sozialverhalten bei Kindern."
Der Grundstock
Der deutsche Komponist und Pädagoge Carl Orff (lebte 1895 bis 1982) legte zusammen mit seiner Mitarbeiterin Gunild Keetmann den Grundstock für die "Musikalische Früherziehung". In Deutschland ist das Konzept, das auf die Einheit von Sprache, Musik und Bewegung setzt, seit Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts weit verbreitet und wird für Kinder zwischen vier und sechs Jahren angeboten.
Für die Umsetzung seiner musikpädagogischen Ideen entwickelte Orff zusammen mit dem Klavierbauer Karl Maendler spezielle Instrumente für das Musizieren in Gruppen, die auch in der Gegenwart in der "Musikalischen Früherziehung" eingesetzt werden. Zu den Orff-Instrumenten gehören neben den natürlichen Klanginstrumenten (Singstimme, Hände und Füße) unter anderem Rhythmusinstrumente wie zum Beispiel Trommeln und Triangeln, Schlaginstrumente wie Pauken, Stabinstrumente wie Xylophone und Glockenspiele, Streich- und Zupfinstrumente wie etwa Fiedeln und Kontrabass, Lauten und Gitarren sowie Blasinstrumente wie Bambus- und Blockflöten, Krummhörner und Rauschpfeifen.
Spielerischer Unterricht
Musikschulen, aber auch viele Kindergärten und Schulen bieten Musikalische Früherziehung an. Im Unterricht lernen die Kinder spielerisch: Zur Musik lässt sich singen und tanzen, aber auch spielen, malen und das Vertonen von Geschichten ist möglich. "Die Kinder lernen bewusst zu hören, erleben die Schwingungen der Musik und der Instrumente, mit denen sie Töne erzeugen", so Schmidt. Dabei gibt es an der Bonner Musikschule kein starres Konzept – jede Pädagogin hat ihren, jeder Pädagoge seinen individuellen Stil.
In den zwei Jahren bis zu ihrer Einschulung erfahren die Kinder auch etwas über Instrumente wie etwa Piano und Cello, bei einem Kirchenbesuch lernen die Kinder eine Orgel kennen. Viele Mädchen und Jungen kommen durch die Musikalische Früherziehung auf den Geschmack und wollen anschließend ein Instrument spielen lernen.
Bei Kindern am beliebtesten sind Klavier, Violine, Viola, Cello, Schlagzeug und Klarinette – doch nicht jedes Instrument ist für jedes Alter geeignet. Peter Schmidt: "Zum Klavierspielen müssen die Hände kräftig genug sein, um die Tasten zu drücken: Das geht erst mit etwa sechs Jahren. Mit dem Schlagzeug sollte man erst ab neun Jahren beginnen."
Instrumente ausprobieren
Die Bonner Musikschule bietet den Kleinen im letzten Halbjahr der Musikalischen Früherziehung die Möglichkeit, sich auszuprobieren. "Im Kurs ‚Instrumentenkarussell‘ kann jedes Kind zwei Instrumente auswählen, zum Beispiel Gitarre und Schlagzeug, Violine und Klarinette. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen statt; die Instrumente werden ausgetauscht", sagt Schmidt. Damit die Eltern anschließend keine unnötigen Ausgaben für ein teures Instrument haben, wenn die Tochter oder der Sohn nach kurzer Zeit die Lust am Musizieren verliert, vermietet die Musikschule auch Instrumente für den Unterricht.Adressen von Unterrichtsangeboten in ihrer Nähe erfahren Interessierte unter...
www.musikschulen.de im Internet oder direkt beim Verband deutscher Musikschulen in 53173 Bonn, Plittersdorfer Straße 93.
Autor/Quelle: psg
