Kinder und Hunde: Was Eltern beachten müssen

Hunde sind tolle Spielgefährten und Familientiere. Aber immer wieder werden sie auch zur Gefahr: Jährlich müssen in Deutschland schätzungsweise 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen ärztlich behandelt werden, und weit mehr als die Hälfte der Behandelten sind Kinder.
Bissverletzungen bei Kindern sind schwerwiegender als bei Erwachsenen, weil Hunde kleine Kinder häufiger in den Hals oder Kopf beißen, vor allem in Wangen und Lippen. Besonders häufig beißen Hunde in den warmen Sommermonaten zu. Warum das so ist, darüber gibt es bislang nur Vermutungen: Bei warmem Wetter spielen Kinder häufiger draußen und verbringen damit vielleicht auch mehr Zeit mit Hunden, es könnte auch sein, dass die Verbeiner bi höheren Temperaturen auch generell reizbarer sind und die bei Hitze "freizügig" offen liegenden Hautstellen einen zusätzlichen Reiz bieten.
Wenn Hunde beißen, ist der Spaß am Haustier schnell dahin. Sollen Hunde ihren Platz in Familien mit kleinen Kindern finden, dann bedarf es Regeln, die eingehalten werden. Kinder können lernen, artgerecht mit Hunden umzugehen, sie als Tiere mit angeborenen Instinkten zu respektieren und Verantwortung für sie zu übernehmen. Wenn Eltern und Kinder das Verhalten von Hunden richtig einschätzen und genug Zeit für die Erziehung ihres Vierbeiners aufwenden, kann der Hund zum wertvollen Familienmitglied werden.
Regeln für den Umgang mit Hunden
1. Jeden Hund als individuelles Wesen betrachten!
Jeder Hund ist anders. Die Rasse allein sagt nichts darüber aus, wie das einzelne Tier sich in bestimmten Momenten verhält. Ein gutes Auge für das Verhalten des Tieres hilft, kritische Situationen rechtzeitig zu erkennen. Fremden Hunden sollten sich Kinder wie Erwachsene generell vorsichtig nähern, denn jeder Hund hat seine Eigenarten und auch eigene Erfahrungen mit Kindern gemacht.
2. Den Hund niemals ärgern!
Augen, Ohren, Schnauze und Nase sind sehr empfindliche Stellen für den Hund. Manche Hunde mögen es nicht, wenn man diese Körperstellen streichelt, an ihnen zieht oder damit herumspielt.
3. Einen Hund niemals beim Fressen stören!
Hunde reagieren wie Jagdtiere: Wenn sie etwas zum Fressen haben, verteidigen sie ihre "Beute". Jede Störung wird als Angriff erachtet. Der Hund verteidigt sein Futter, indem er knurrt und beißt.
4. Patentrezepte gelten nicht!
"Hunde, die bellen, beißen nicht" – diese Regel ist falsch, bellende Hund schnappen auch zu. Kinder sollten lernen, die Gesamtsituation im Auge zu behalten, statt vermeintlichen Regeln blind zu vertrauen.
5. Nicht Einmischen, wenn Hunde raufen!
Hunde, die sich in die Haare kriegen, sind außer Rand und Band. Kinder sollten sich nicht in den Kampf einschalten, denn sie sind nicht stark genug, die Tiere auseinander zubringen.
6. Still halten, wenn ein Hund zuschnappt!
Wenn ein Hund nach einem Kind schnappt, sollte sich das Kind möglichst still und ruhig halten und den Hund nicht anschauen. Reißt es die geschnappte Hand weg, dann verstärkt der Hund nur den Biss. Etwas, das sich nicht bewegt, wird für den Hund dagegen schnell uninteressant und er lässt davon ab.
7. Fremde Hunde nicht automatisch streicheln!
Ein Hund, der z. B. vor einem Geschäft angeleint ist, darf nicht gestreichelt werden. Der Hundebesitzer sollte vorab immer gefragt werden. Kinder sollten sich fremden Hunden nur langsam von vorne nähern und warten, bis das Tier von selbst den Kontakt aufnimmt.
Auch nach der Erlaubnis des Besitzers sollte der Hund nur dann angefasst werden, wenn dieser die Person ruhig anschaut und mit dem Schwanz wedelt. Streicheln fremder Hunde vorsichtig vorn seitlich am Hals, nie oben am Kopf. Zunächst langsam von der Seite auf den Hund zugehen, dabei die Hände gesenkt halten und daran den Hund zunächst schnuppern lassen. Dem Hunden besser nicht direkt in die Augen starren – er könnte sich dadurch bedroht fühlen.
8. Nicht vor Hunden weglaufen!
Hunde laufen und jagen gerne; sie wollen ein davonlaufendes Kind schnappen. Deshalb: Stehen bleiben und sich vom Hund wegdrehen; kein Geschrei oder hektische Bewegungen. Ein stehender, unbeweglicher Mensch wird für den Hund schnell uninteressant. Kommt ein Hund unvermittelt auf das Kind zu, sollte es sofort stehen bleiben, wegschauen, nicht schreien und die Arme locker hängen lassen. Hat es Spielzeug wie einen Ball oder Stock in der Hand, soll es dieses fallen lassen.
Hingefallen? Dann am besten "tot stellen" – flach auf dem Bauch oder wie eine Embryo zu einer Kugel zusammengerollt und die Hände zum Schutz über dem Nacken verschränkt.
Nicht vergessen: Immer mit Abstand – außerhalb der "Schnappreichweite" – an einem Hund vorbeigehen oder fahren.
9. Baby unterwegs? Den Hund vorbereiten!
Wenn eine Geburt ansteht, ändern sich die Regeln im Haus – und das sollte der Hund schon mehrere Wochen vorher trainieren, damit er vorbereitet ist und das Baby nicht als Konkurrenz empfindet. Was der Hund lernen sollte:
- Spielerisches Beißen in menschliche Körperteile ist tabu
- das Kinderzimmer darf nicht mehr oder nur auf ausdrückliche Einladung betreten werden
- Kinderspielzeug ist kein Hundespielzeug
Wenn das Baby da ist: Den Hund niemals mit dem Baby allein lassen.
10. Auch Kinder müssen Rücksicht nehmen!
Schon ab dem frühesten Krabbelalter müssen Kinder lernen, dass der Hund nicht immer als Spielpartner bereit steht und im Haushalt einige Gegenstände zu finden sind, die nur für den Hund sind. Die Hundedecke oder der Korb sind ebenso wie das Hundespielzeug und der Futternapf für das Kind tabu.
Autor/Quelle: Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. / Überarbeitung: Dagmar Reiche
