Nur für uns: Väter und Kinder

Was können Väter tun, wenn durch den Beruf wenig Zeit für Kinder bleibt? Ganz einfach: Handeln! Vater-Kind-Programme bieten Gelegenheit dazu. Wer arbeitet, hat das Gefühl, die Familie kommt zu kurz. Ein Problem mit dem sich nicht nur berufstätige Mütter beschäftigen. Auch unter deutschen Vätern glauben nur 37 Prozent, dass sie sich ausreichend um ihre Kinder kümmern. Das mag daran liegen, dass noch immer die klassische Arbeitsteilung dominiert: Der Mann ist Hauptverdiener, die Frau übernimmt die Familienarbeit. Daraus ergibt sich für Väter ein Konflikt. 67 Prozent von ihnen würden sich gerne stärker an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen, aber 42 Prozent davon meinen, der Beruf lasse ihnen zu wenig Zeit dafür. Pro Tag bleiben nur etwa 75 Minuten.

Vater-Kind-Kurse

Gerade wenn die Zeit knapp ist, ist entscheidend, wie sie genutzt wird. In sogenannten Vater-Kind-Kursen können Väter außerhalb des Alltags intensive Momente mit dem Nachwuchs verbringen. Diese Aktivitäten werden mittlerweile von Familienbildungsstätten, kirchlichen Gemeinden und Vätervereinen deutschlandweit angeboten.

Die Nachfrage nach den Kursen steigt und die Auswahl ist in den letzten Jahren gewachsen. Volker Baisch, Geschäftsführer von Väter e. V., erarbeitete mit der Hamburger Familienbildungsstätte ein buntes Programm für Väter und Kinder. Selbst Vater von zwei Töchtern, weiß der Diplom-Sozialwirt: "Spaß und Freude sollten im Vordergrund stehen. Männer denken meist stark an den Nutzen von Aktivitäten. Doch den sollten sie hier vielleicht mal außer Acht lassen und sich einfach mit den Kindern vergnügen."

 

Sich gemeinsam entdecken

Ausflüge im Wald, Entdeckungsreisen auf dem Bauernhof, Baumhauswochenenden, beim Hochseilklettern zusammen Aufgaben meistern, ein Zirkus zum Mitmachen bis hin zu Bastelabenden und dem gemeinsamen Frühstück am Samstag: Egal ob sportlich oder fantasievoll, Papas möchten gerne Spannendes bieten. "Väter gehen mit ihren Kindern lieber nach draußen, um etwas zu erleben, anstatt sich drinnen in einem Gespräch auszutauschen“, erklärt Baisch. Geteilte Hobbys und gemeinsame Unternehmungen fördern das gegenseitige Vertrauen und stärken das Wir-Gefühl. Durch die Spiele in den Kursen erfahren Vater und Kind mehr übereinander und kommen ins Gespräch.

Auch hinterher gibt es noch viel von den Erfolgserlebnissen zu berichten, für die sie als Team verantwortlich waren. So rückt der Mann wieder stärker mit dem Kind zusammen. Man kann sich der Beziehung auch theoretisch nähern, indem man Vorträge speziell für Väter besucht. "Wir bieten dieses Programm Unternehmen wie Airbus, HSH Nordbank oder Commerzbank an", so Baisch.

Immer mehr Firmen würden erkennen, wie wichtig eine gut funktionierende Familie für ihre Arbeitnehmer ist. In den Vorträgen, die nach Feierabend stattfinden, werden wissenschaftliche Erkenntnisse, aber auch Praktisches zur Erziehung von Kleinkindern bis zum Jugendlichen vermittelt. Mütter sind oft vorgebildet, haben sich informiert und raten ihren Männern in manchen Situationen zu einem anderen Umgang mit ihrem Kind als es das Bauchgefühl des Vaters tut.

Die Erziehung durch Vater und Mutter sollte sich aber ergänzen. Je größer der aktive Anteil des Vaters an der Betreuung des Kindes ist, desto mehr profitiert der Nachwuchs. Kinder aktiver Väter sind einfühlsamer, haben eine geringere Geschlechterrollenfixierung, eine höhere Stressresistenz und soziale Kompetenz. Je mehr der Vater sich kümmert, desto größer schätzen Eltern auch den Entwicklungsfortschritt ihres Kindes ein.

 

Teilhaben lassen

Aber auch der Partnerschaft und dem Familienleben tut es gut, wenn sich der Mann öfter allein mit dem Kind beschäftigt. Das kann er mittels kleiner Rituale beginnen: Von der Arbeit aus anrufen, wenn das Kind aus dem Kindergarten kommt. Oder mal früher zu Hause zu sein, um gemeinsam ein Eis essen zu gehen. "Wenn sich Vater und Kind wenig sehen, sollte der Kontakt qualitativ hoch sein“, rät der Experte. Papa sollte sich dann ganz auf sein Kind konzentrieren. Das heißt nicht, es nach seinen Erlebnissen auszufragen, denn meist sind dann nur einsilbige Antworten die Folge.

Väter sollten das Kind an ihrem Leben teilnehmen lassen, indem sie von der Arbeit erzählen. So kommt man ins Gespräch, die Kinder erfahren, was Papa macht, wenn er nicht zu Hause ist, und entwickeln Verständnis, wenn mal weniger Zeit bleibt. Dauerhaft sollte der Feierabend nicht durch den Beruf verkürzt werden. Dass Papa zum Abschalten eine Pause braucht, akzeptieren Kinder. Doch keine permanent fehlende Aufmerksamkeit.