Androloge - Auch Männer brauchen einen Arzt

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat ein neugeborener Junge in Deutschland eine Lebenserwartung von 74 Jahren, ein neugeborenes Mädchen von 80,3 Jahren - ein Unterschied von etwa 6,3 Jahren. Warum? Männer gehen mit ihrer Gesundheit sorgloser um. Doch das Y-Chromosom ist vor allem verantwortlich für zahlreiche genetische und hormonelle Unterschiede zwischen Mann und Frau. Zunehmend wird für Männer und Paare der Androloge ein wichtiger Partner auch bei Fragen der Familienplanung.
Ob unerfüllter Kinderwunsch, Hormon- und Erektionsstörungen oder Störungen in der Entwicklung während der Pubertät – der Männerarzt, der Androloge, hat sich in den letzten Jahren als wichtiger Ansprechpartner für männliche Patienten etabliert. Um die Bezeichnung Androloge führen zu dürfen ist eine 18-monatige Ausbildung zusätzlich zum Facharzt für Urologie, Dermatologie oder Innere Medizin/Endokrinologie durch qualifizierte Ausbildung und abschließendes Examen erforderlich.
Die Männerheilkunde (Andrologie) hat sich erst in den letzten Jahren als eigenständiges Aufgabengebiet entwickelt. Aber schon vor 30 Jahren haben Mediziner und Wissenschaftler die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA) gegründet, um diesem Aufgabengebiet gerecht werden zu können. Androloginnen und Andrologen arbeiten in verschiedenen medizinischen Gebieten, etwa in der Urologie, der Inneren Medizin/Endokrinologie und der Dermatologie.
Gynäkologen und Andrologen arbeiten zusammen
Die Fachrichtung der Frauenärzte (Gynäkologen) ist schon seit Jahrzehnten anerkannt. Andrologen sind wichtige Partner der Gynäkologen, zum Beispiel wenn Paare Probleme haben, Kinder zu zeugen – oder auch bei Verhütungsfragen. 500.000 Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos. Ihnen kann unter Umständen geholfen werden, denn es wurde zusätzlich zur künstlichen Befruchtung und Aufbereitung der Spermien vor gut zehn Jahren die Behandlung der schweren männlichen Zeugungsstörung durch die assistierte Befruchtung mit Hilfe einer speziellen Spermieninjektionstechnik erheblich verbessert. Operative Verfahren der Spermiengewinnung und mikrochirurgische Behandlungstechniken konnten inzwischen ebenfalls verbessert werden. Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer müssen Andrologen heute Teil des reproduktionsmedizinischen Teams sein.
Autor/Quelle: bo

