Männer sind anders gesund

Bei Männern nimmt das männliche Hormon Testosteron zwischen dem 25. und 75. Lebensjahr um 50 Prozent ab. Demnach spielt der hormonelle Wandel nicht nur beim Altern der Frau, sondern auch des Mannes eine Rolle. Knochendichte, Immunabwehr und das allgemeine Wohlbefinden des Mannes sind eng an seine Geschlechtshormone gebunden. In den "Wechseljahren" neigen Männer zu Depressionen, Reizbarkeit, Libidoverlust und Erektionsstörungen.
"Männer sind anders. Sie sind anders gesund, sie sind anders krank, sie leben anders als Frauen", sagt der Duisburger Urologe Professor Dr. med. Günther Jacobi. Der Herausgeber des Fachbuches "Praxis der Männergesundheit" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2002) unterstreicht damit seine Ansicht, der Gesundheit des Mannes mehr Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Männer sind häufiger chronisch krank. Sie nehmen die eigene Gesundheit weniger wahr, haben ein anderes Verhältnis zu ihrem Körper und holen sich seltener Rat beim Arzt als Frauen. Sie geben weniger Geld für Wellness aus und gefährden sich stärker durch Nikotin und Alkohol. Unterm Strich haben sie eine sieben Jahre geringere Lebenserwartung.
Jacobi richtet sich mit dem Buch vor allem an Allgemeinmediziner, Internisten und Urologen, aber auch an interessierte Laien. Insgesamt 61 Experten thematisieren darin Gesundheitsrisiken und Prävention, Krankheiten und Funktionsstörungen und den ganzheitlichen Zugang zur Gesundheit des Mannes. Sie sprechen die Problematik Prostatakrebs ebenso an wie das Burnout-Syndrom, Wellness, Ernährung und Anti-Aging für Männer.

Erektionsstörungen - ein häufiges Problem

Weltweit leiden derzeit etwa 152 Millionen Männer an Erektionsstörungen. Ihnen männliche Geschlechtshormone zuzuführen, ist nicht immer sinnvoll. "Die potenzsteigernde Wirkung von Hormonen - speziell des Testosterons - wird nicht nur von Laien, sondern auch von manchen Experten deutlich überschätzt", erläutert Dr. med. Sabine Kliesch in dem Kapitel "Potenzstörungen und Hormonstoffwechsel". Das männliche Geschlechtshormon hat eine wichtige Funktion bei der Erektion. Es bringt das Gehirn dazu, ins Blut bestimmte Botenstoffe abzugeben, welche die Erektion stimulieren. Es wirkt aber auch direkt an den Rezeptoren der Schwellkörper im Penis. Trotzdem verbessert eine Therapie mit Testosteron nicht bei allen Männern mit Hormonmangel die erektile Sexualfunktion. "Dies gilt besonders für ältere Männer", so Kliesch, Urologin von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Männer aktiv für die Gesundheit

Inzwischen treibt fast die Hälfte der Männer Sport um gesund zu bleiben, weniger um gut auszusehen oder zu gewinnen. Das ergab eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Allmählich scheinen auch Männer aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun. Günther Jacobi registriert dies zuversichtlich. Ein Argument, Männergesundheit von "Menschengesundheit" abzugrenzen, liefert ihm auch die genetische Struktur des Menschen: "Der Mann unterscheidet sich in seinen Genen von der Frau um immerhin drei Prozent, vom männlichen Schimpansen um lediglich ein Prozent. Wem steht der Mann nun näher, seiner Frau oder diesem Affen?"
Quelle: Thieme Verlagsgruppe