Männergesundheit - Der maskuline Imperativ

Typisch männlich – woher kommt das eigentlich? Zu Zeiten des Neandertalers bedeutete es, Mammute zu jagen und Höhlen zu bauen. Deshalb mussten die Männer des Neandertals und aller anderen Täler, Berge und Ebenen besonders stark sein, Mut haben und risikobereit sein.
Heute sind die Mammute ausgestorben, aber das männliche Selbstverständnis hat sich nicht grundlegend geändert. Der amerikanische Psychologe Herb Goldberg hat das Selbstverständnis der Männer in den "sieben maskulinen Imperativen“ beschrieben:
- je weniger Schlaf ich benötige,
- je mehr Schmerzen ich ertragen kann,
- je mehr Alkohol ich vertrage,
- je weniger ich mich darum kümmere, was ich esse,
- je weniger ich jemanden um Hilfe bitte und von jemandem abhängig bin,
- je mehr ich meine Gefühle kontrolliere und unterdrücke,
- je weniger ich auf meinen Körper achte,
- desto männlicher bin ich.
Diese Einstellung lässt keinen Platz für vermeintlich "weibliche" Eigenschaften, die im Allgemeinen mit "gefühlsbetont, sanft, der Gefühle anderer bewusst, hilfreich" und ähnlichem beschrieben werden. Wird Männlichkeit so verstanden wie oben beschrieben, ist sie kontraproduktiv für jede Art von Gesundheitsverhalten.
Die feminine Seite
Zwar hat sich das Bild vom Mann seitdem etwas gewandelt, und Männer entdecken zunehmend ihre feminine Seite. Eine grundlegende Umkehr gibt es aber noch nicht. Anders ausgedrückt: Nach wie vor sind die drei K’s – Karriere, Konkurrenz, Kollaps – für viele Männer das Maß aller Dinge. Männer werden zu Männern erzogen und diese Erziehung verfestigt eine Männerrolle, die Eigenschaften wie Stärke, Macht, Überlegenheit und Unabhängigkeit positiv hervorhebt. Der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter vermutete bereits 1973, dass weniger das biologische Geschlecht (sex) als das soziale Geschlecht (gender) - also die Identifikation mit den gesellschaftlich erwarteten Geschlechterrollen - für die Unterschiede in Gesundheitsverhalten und Gesundheit bei Männern und Frauen ausschlaggebend sein könnte. Allerdings wurde diese These in den folgenden 20 Jahren kaum überprüft, und eine veritable "Männergesundheitsforschung" kam lange Zeit auch nicht in Gang.
Autor/Quelle: Susanne Köhler

