Männergesundheit - Männer werden nicht krank - oder?

Achtung: XY gefährdet Ihre Gesundheit!

Inzwischen belegen empirische Studien, dass Männer zuviel trinken, zuviel rauchen, sich falsch ernähren, und weitaus weniger an Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen als Frauen. Eine Studie des Institutes für Public Health an der Universität Bremen kommt zu dem Ergebnis, dass im Alter zwischen 30 und 65 Jahren die Sterblichkeit bei Männern doppelt so hoch ist wie bei Frauen, vor allem bedingt durch Unfälle, Suizide, Kreislaufkrankheiten und Krankheiten der Verdauungsorgane. Hierin spiegeln sich die höhere Risikobereitschaft von Männern im Umgang mit ihrer Gesundheit und die riskanteren Arbeitsbedingungen wider. "Die Gründe für diese Verhaltensweisen liegen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil in Geschlechtsstereotypen und den daraus resultierenden gesellschaftlich akzeptierten Verhaltensweisen von […] Männern auch im Umgang mit ihrem Körper," heißt es in der Studie. Männer leben risikoreicher, weil die ihnen anerzogene Rolle als Mann diese Verhaltensweise diktiert. Daraus resultiert eine spannende Frage: "Können Männer ihr (Gesundheits-)verhalten ändern, ohne ihre Geschlechtsrolle in Frage zu stellen?"

Männer werden nicht krank – oder?

Vor allem der Siegeszug von Viagra und Co. hat dazu beigetragen, dass sich die Begriffe "Männer" und "Gesundheit" zu einem Begriff "Männergesundheit" verbinden konnten. Gleichzeitig ist genau dieses eines der Hauptprobleme bei der Wahrnehmung von "Männergesundheit": Sie wird allzu oft reduziert auf Prostataprobleme und Erektionsstörungen. Dabei ist Männergesundheit ein Thema, das als ganzheitliche Aufgabe betrachtet werden sollte, zumal Erektionsprobleme häufig Sekundärerscheinungen sind und sich das Hauptproblem im Herz-Kreislauf-System findet – wenn denn rechtzeitig danach gesucht wird. Auch dieser Aspekt ist ein männerspezifischer: Männer gehen in der Regel erst dann zum Arzt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Krankheit, Schmerz und Beschwerden gelten als Zeichen von Schwäche und müssen verheimlicht werden, deshalb werden Arztbesuche oft bis zum letzten hinausgezögert.
Der Duisburger Urologe und Männerarzt Günther H. Jacobi stellt seinen Geschlechtsgenossen ein trauriges Zeugnis aus, wenn er sagt. "Männer kennen ihre Körperdaten nicht und wissen wenig über deren Bedeutung. Männer unter Blutverdünnungsbehandlung wissen nicht, was der Quickwert ist und männliche Diabetiker wissen weniger über ihren aktuellen Blutzuckerwert als Frauen. Und befragt man Männer, wie die Medikamente heißen, die sie täglich einnehmen, so wissen sie es nicht."

 
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