Mannsein kann krank machen
Geld spielt eine Rolle
Das verfügbare Einkommen und der Familienstand spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Männergesundheit. Nach einer Untersuchung der Universität Köln ist auch für Deutschland ein direkter Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit und zwischen sozialer Schicht und Lebenserwartung festzustellen. Danach haben Männer mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 1.500 Euro eine Lebenserwartung von 71 Jahren. Männer mit einem Bruttoeinkommen von über 4.500 Euro eine Lebenserwartung von 80 Jahren. Das Arbeitsumfeld ist ein weiterer Bereich, in dem Männer sich stärker gesundheitlichen Belastungen aussetzen als Frauen. Männer müssen stärker an ihre körperlichen Grenzen gehen und sie arbeiten häufiger unter Lärm, Schmutz, Staub, Hitze und Stress. Gleichzeitig übernehmen viele Männer – ob freiwillig oder ungewollt – die Rolle des Alleinverdieners innerhalb der Familie und müssen mittlerweile mit einer typisch männlichen Belastung fertig werden: Auf der einen Seite haben sie die Verantwortung für den Unterhalt der Familie, auf der anderen Seite sollen sie - entgegen ihrer (männlichen) Rolle - wesentlich mehr Verantwortung im Haushalt und bei der Kindererziehung übernehmen. Die zunehmende Rollenerosion verstärkt den Druck, dem Männer sich ohnehin schon ausgesetzt sehen. Die langfristigen Folgen sind häufig Alkoholmissbrauch, Wut, Gewalt und ein gewaltiges selbst zerstörerisches Potential, das oft nicht als das erkannt wird, was es eigentlich ist: eine ausgeprägte Depression, die adäquat behandelt werden muss.
Und nun?
Mannsein kann krank machen - und gleichzeitig lebt nicht jeder Mann zwangsläufig ungesund oder reibt sich zwischen Beruf und Familie auf. Grundsätzlich aber haben Männer ein höheres Risiko schwer zu erkranken als Frauen. Für Deutschland ist die Datenlage noch relativ dünn. "Männergesundheit“ wird erst gerade ein gesundheitspolitisch relevantes Thema und auch die Verzahnung der Felder Gesundheit - Gewalt – Gesellschaft wird erst langsam deutlich. Insgesamt werden geschlechtsspezifische Vorsorgemaßnahmen und Gesundheitsprogramme einen breiteren Raum als bisher in der Gesundheitspolitik einnehmen müssen. Und damit sind vor allem Programme für Männer, und nicht Programme für "Frauen und andere“ gemeint. Vor allem Männer aus unteren sozialen Schichten sind schlecht oder gar nicht durch die derzeitigen Angebote der Gesundheitsförderung zu erreichen. Einen Ausweg sehen Forscher zum Beispiel in der Nutzung betrieblicher medizinischer Vorsorgesysteme, bei denen Männer sich eher in homogenen Gruppen befinden und sich symptomorientierten Präventionsangeboten gegenüber aufgeschlossener zeigen als beim Besuch einer externen Arztpraxis. Das Fehlen explizierter gesundheitsfördernder Maßnahmen für Männer ist gleichermaßen Defizit und Chance, die es zu nutzen gilt.
Autor/Quelle: Susanne Köhler

