Wunsch-Kaiserschnitt - Die Angst vor der natürlichen Geburt geht um

Weltweit gehört der Kaiserschnitt inzwischen wohl zu den häufigsten operativen Eingriffen. Speziell in Amerika ist der Kaiserschnitt auf Wunsch bereits zu einer Art Lifestyle-OP geworden. Dort rufen Kaiserschnitt-Fans unter dem Motto "Preserve your lovechannel, take a caesarean!" Frauen dazu auf, ihre sexuelle Empfindungsfähigkeit nicht durch eine natürliche Geburt aufs Spiel zu setzen. Auch in Deutschland lässt die "Duldungsbereitschaft" der Gebärenden nach.
Hier hat sich der Anteil an Kaiserschnitten von 1993 bis 2003 kontinuierlich erhöht und liegt derzeit bei 25,5%. Und nicht immer sind dies Eingriffe eine medizinische Notwendigkeit.
Noch buntere Blüten treibt der Wunsch nach der schnellen Geburt in China und Indien: Hier wird das Wohl und Wehe des Kindes von seiner Geburt "unter dem richtigen Stern" abhängig gemacht. Aberglaube und Astrowahn treiben die Kaiserschnitt-Raten in enorme Höhen. In Lateinamerika ist alles nur noch eine Frage des Geldes: Wer etwas auf sich hält, entbindet geplant. So entscheiden sich z.B. in Rio de Janeiro rund 85 Prozent der wohlhabenden Frauen für die operative Geburt.

Vom Notfalleingriff…

Schon der römische Kaiser Julius Caesar (100-44 v. Chr.) soll per "Sectio caesarea" – also mit einem Kaiserschnitt – aus dem Leib seiner Mutter geschnitten worden sein. Und obwohl diese Geschichte wohl eher in den Bereich Mythen und Legenden gehört, wurde Caesar (aus dessen Name sich das deutsche Wort "Kaiser" ableitet) damit zum Namensgeber dieser Geburtstechnik. Aber erst viel später, nämlich im 19. Jahrhundert, konnte eine Technik entwickelt werden, bei der Mutter und Kind eine echte Chance hatten, den Eingriff zu überleben.
Als große Bauch-Op unter Vollnarkose war der Kaiserschnitt lange Zeit ein Eingriff, der nur im Notfall eingesetzt wurde, z.B. bei falscher Lage des Kindes im Geburtskanal, bei sehr langen und schwierigen Geburten oder bei einer vorzeitigen Lösung der Plazenta (Mutterkuchen).

…zur Wunsch-Op

Heute gilt der Kaiserschnitt als sehr sicherer Eingriff. Nicht nur wegen der verbesserten Operationstechniken, sondern vor allem, weil es die Möglichkeit gibt, nur den Unterleib zu betäuben und damit auf eine Vollnarkose zu verzichten. Der Kaiserschnitt ist damit attraktiv geworden für Frauen, die aus den verschiedensten Gründen operativ entbinden wollen.
Mögliche Gründe:

  • Angst vor dem Geburtsschmerz oder vor Beckenbodenverletzungen
  • Traumatisch erlebte frühere Geburten
  • Wunsch nach Kalkulierbarkeit der Risiken
  • Angst vor einer Beeinträchtigung der Sexualität
  • Bedürfnis nach genauer Terminwahl.
 
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