Wunsch-Kaiserschnitt - Vor- und Nachteile

Seelische Grenzerfahrung contra Planungssicherheit

Die Verfechter der natürlichen Geburt geben außerdem zu bedenken, dass den Frauen durch den Eingriff ein elementares Ereignis verwehrt bleibt, das sie in dieser Form wahrscheinlich nie wieder erleben werden. Nicht nur, dass ihnen eine natürliche Geburt Einblicke in die enorme Leistungsfähigkeit ihres weiblichen Körpers gewähren könnte. Die Erfahrung einer natürlich Geburt sei außerdem ein Erlebnis, dass den Menschen bis in die Tiefe berühren und ihm einen neuen Gefühlshorizont aufzeigen könne. Was es für seelische Konsequenzen für eine Mutter hat, wenn sie sich nicht den natürlichen Zyklen unterwirft und wartet, bis ihr Kind ihr signalisiert, dass es soweit ist – keiner weiß das mit Sicherheit.

Sicher ist auf jeden Fall, dass den operativ entbindenden Frauen das durch Endorphine und Oxytocin ausgelöste Glücksgefühl der „normalen Geburt" verwehrt bleibt. Und dass eine Kaiserschnitt-OP nur schwer die Intimität einer selbst bestimmten Geburt erreichen kann, die man mit dem Partner zuhause, im Geburtshaus oder in einer Klinik erleben kann.

Auf der einen Seite also z.B. Frauen mit dem Bedürfnis, das Wunschkind, das vielleicht auch das einzige Kind bleiben wird, keinem Risiko auszusetzen. Auf der anderen Seite die Geburtshelfer, die ebenfalls Risikoabwägung betreiben. Ihnen sitzt die Furcht vor Millionen-Klagen im Nacken, wenn Babys nach einem zu spät eingeleiteten Kaiserschnitt Behinderungen davontragen. Nicht zuletzt ist auch für die Mediziner Planbarkeit ein Thema, denn der Wunschkaiserschnitt ist in jedem Fall die schnellere und kalkulierbarere Geburt im Klinikalltag.

 

Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit: ein Tabu

Was die Frau von heute außerdem bewegt, ist die Angst vor dem Verlust ihrer sexuellen Empfindungsfähigkeit und vor einer späteren Inkontinenz. Denn während der Geburt wird der Beckenboden stark gedehnt und kann dadurch an Spannung verlieren. Im schlimmsten Fall geht die Kontrolle über Harnblase und Darm verloren. Erschlaffte Scheidenmuskeln können die Sexualität beeinträchtigen.

Aber auch hier müssen die Frauen nicht tatenlos zusehen. Sie können mit einem konsequenten Beckenbodentraining einer späteren Inkontinenz effektiv vorbeugen und ihre Scheidenmuskulatur trainieren. Rückbildungskurse nach der Geburt, in denen effektive gymnastische Übungen (auch für zuhause) gezeigt werden, sind seit langem etabliert und werden von den Krankenkassen in der Regel anstandslos bezahlt.

 
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